Von Matthias Bosenick (04.05.2026)
Oh Gott, orchestraler Bombast-Progressive-Folk-Metal! Genau all das steckt auch in „Cairn“, dem vierten Album von Parallel Minds aus Frankreich. Irgendwo zwischen Nightwish-Kitsch und Death Metal gibt’s Augenblicke, in denen Devin Townsend anerkennend nickt, und die bettet die Band in Szenen aus theatralisch gereckten Fäusten, angenehmer Folklore und nackenstrapazierendem Groove-Metal ein. Dieser keltische Steinhügel steckt so sehr voller Ideen, dass man Schwierigkeiten hat, die für sich selbst anstrengenden rings um die ansprechenden auszuhalten.
Archiv der Kategorie: Album
Christin Nichols – Christin Nichols – PIAS 2026
Von Guido Dörheide (02.05.2026)
Eigentlich wollte ich diesen Text in Anlehnung an einen ca. 30 Jahre alten Die-Sterne-Titel mit „Don’t scheiß auf deutsche Texte Vol. 1“ überschreiben, aber dann befürchtete ich a) dass das von der Künstlerin und ihrem aktuellen Album ablenken und b) denken machen könnte, dass „Deutsche Texte“ ein eigenes Musikgenre wäre, was es nicht ist, ebensowenig wie „Female Fronted [hier bitte ein Musikgenre einsetzen]“ – eine Schublade, in die Christin Nichols ebenfalls hineinpassen würde, wenn es sie denn gäbe. Aber es gibt sie nicht, glücklicherweise. Also die Schublade. Christin Nichols gibt es natürlich, und mit ihrem selbstbetitelten dritten Album macht sie ungerührt so weiter wie auf den beiden vorherigen:
WeiterlesenIrdorath – Bestiarium – Irdorath 2026
Von Matthias Bosenick (30.04.2026)
Mittelaltermusik ist ein alter Hut, haha! Gibt’s ja schon seit über tausend Jahren. Dank solcher Bands wie Corvus Corax brach ab Ende der Achtziger eine wahre Welle an neuen Mittelalterbands über die Welt hinein – und riss auch solche Projekte mit sich, die historisches Instrumentarium, historische Kompositionen und historische Themen auf eine eher experimentelle Variante umsetzen. Die belarussischen Irdorath – nicht zu verwechseln mit der österreichischen Black-Metal-Band – verbinden auf ihrem vierten Album „Bestiarium“ Mythologie und Mittelaltermucke mit energetischer Tanzbereitschaft und verspielten Einfällen. Schwerwiegend sind die Bedingungen: Dies ist das erste Album nach politischer Gefangenschaft und Flucht ins Exil.
Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Üppiger Minimalismus – His Billness
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin hat festgestellt, dass, obwohl ich schon über 200 Texte für KrautNick geschrieben habe, keiner über meinen Lieblingskünstler dabei gewesen ist: Smog aka [Smog] aka Bill Callahan. Tatsächlich halte ich den Vorreiter des Lo-Fi für den größten, noch lebenden Künstler auf Erden, sogar noch vor Nick Cave und Beth Gibbons. Deshalb wird es Zeit für die ultimative Gutfind-Kolumne über einen sehr charismatischen Typen, der für meine Generation, sozialisierte Lutz-Schramm- und John-Peel-Afficionados, einen Stellenwert hat, wie His Bobness für die sogenannten 68er.
WeiterlesenEternal Dark – Cugetări – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (29.04.2026)
Für eine „depressive metal band“ ist die Musik der fünf von Eternal Dark streckenweise ganz schön energetisch. Auf ihrem zweiten Album „Cugetări“, „Gedanken“, bedienen sich die Rumänen nicht ausschließlich bei Dark Metal, was auch immer man darunter allein verstehen wollte, hier groovt, brettert, gruftet und doomt es in schöner abwechselnder Folge, dazu grunzt die Stimme tief. So viel die fünf auch kombinieren, sie vermeiden es, plakativ zugänglich zu sein – sie sind es jedoch für Hörende mit dunkler Tiefe.
Taxology – A Deep Dive In The Colourful And Mysterious Garden Of Mr. Taxology – NOS Records 2026
Von Matthias Bosenick (28.04.2026)
Das italienische Instrumental-Duo Taxology kennt die Plattensammlungen seiner Eltern und Großeltern auswendig, pickt sich die brauchbarsten Elemente davon heraus und vermengt sie zu einem eigenen, psychedelisch grundierten Experimental-Album. „A Deep Dive In The Colourful And Mysterious Garden Of Mr. Taxology“, das Debütalbum der beiden steuerbefreiten Musiker, kennt kein Register, das es nicht zieht – außer Lärm. Diese grenzenlose Melange ist durchgehend mellow, relaxing, und überfordert höchstens in seiner schieren Unendlichkeit der verwendeten Bestandteile, nicht in deren Dichte.
Chris Connelly – Eulogy For Christa – Shipwreck Industries/Easy Action/Chris Connelly 2022/2026
Von Matthias Bosenick (27.04.2026)
Zwei Verbindungen knüpft man automatisch zu Chris Connelly: die musikalische zum Industrial und die stimmliche zu David Bowie. Widmet er sich auf „Eulogy For Christa: A Tribute To The Music And Mystique Of Nico“ der Musik von Christa Päffgen, wirft er ersteres über Bord und singt zweitens dazu einfach ganz wie er selbst, also doch sehr wie Bowie. Das Doppel-Album beinhaltet Songs, an denen Nico beteiligt war, sowie Eigenkompositionen des in Chicago arbeitenden Schotten. Die meisten bestehen aus Gesang mit minimaler Selbst- und Fremd-Begleitung, die nah am Gruftigen gebaut sind, was nahe liegt, wenn man Nicos Solo-Alben kennt.
We Stood Like Kings – Pinocchio – Kapitän Platte 2026
Von Matthias Bosenick (24.04.2026)
Die reinen Post-Rock-Heavy-Anteile sind relativ gewöhnlich, da erfüllen We Stood Like Kings die Erwartungen und Erfahrungen, die man mit dem Genre bereits hat. Fett sind sie, diese Passagen, ungelogen, auf dem neuen Album, das die Belgier „Pinocchio“ nennen – und auf dem sie dem Genre Dinge unterjubeln, die zum Jubeln anregen, zuvorderst natürlich das Klavier, das wesentliche Teile begleitet oder gar allein gestaltet, und dann noch lauter anderen ungewöhnlichen Krams. Irgendwie muss man ja dafür sorgen, dass die Schublade interessant bleibt!
Sugar Horse – Not A Sound In Heaven – Fat Dracula Records 2026
Von Matthias Bosenick (23.04.2026)
Was eine Kombi: Industrial, Ambient und Hardcore, als wären Tool jetzt eine von Trent Reznor produzierte, im Tempo gebremste Metalcore-Band. So gestaltet sich „Not A Sound In Heaven“, das dritte Album von Sugar Horse aus Bristol, changierend zwischen brutal und hymnisch, zwischen Gitarre und Electro, zwischen hell und dunkel, zwischen Riffs und Drones, zwischen Zucker und Pferd. Sobald das Album beginnt, geschehen ausschließlich Dinge, die man nach den ersten Tönen nicht erwartet, und so bleibt es auch.
Body Habitat – Cachoeira – Antibody 2026
Von Matthias Bosenick (23.04.2026)
Für jemanden, der so viel Geheimnis um seine Identität macht wie „B Wells“ aus dem San Gabriel Valley, streute er reichlich Aliasse in die Welt. Body Habitat ist eines von … gefühlt mehreren Dutzend, und selbst von nur diesem Projekt sind die Veröffentlichungen kaum vollständig bündelbar. „Cachoeira“ ist die jüngste, eher ein Mini-Album und angefüllt mit einer Art Electro-Tribal-Ambient, eine Einladung, dazu entspannt zu tanzen; ein Bisschen so, als würden Dead Can Dance versuchen, sich im Industrial auszuprobieren.









