Beck – Everybody’s Gotta Learn Sometime – Capitol/EMI 2026

Von Matthias Bosenick (03.07.2026)

Was macht Beck Hansen eigentlich heute? 2019 erschien sein letztes Album „Hyperspace“, auf dem der vormalige Slacker den Hyperpop austestete, und seitdem ist Ruhe. Kurioserweise fällt dies mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem er klarstellte, dass er – Gott sei’s gepriesen! – längst kein Scientologe mehr ist. „Everybody’s Gotta Learn Sometime“ ist eine Sammlung von Raritäten, die er für Film, Funk und Fernsehen erstellte und auf rotem Vinyl als Album anbietet. Soft geht’s zu, viele Oldschool-Schlager-Cover, und es fällt einem irgendwie leicht, sich mit dem latent knödeligen Beck auf die Chaiselongue zu kuscheln. Teuer ist’s: Mehr als einen Euro pro Minute. Aber das ist es wert.

Wahrhaftiges Mellow Gold ist das hier, chillig gespielt, kitschig, kuschelig, schön, sanft, zeitlos. Man hört, dass Beck mal mit Air zusammenarbeitete, als das französische Duo und er nacheinander Alben von Charlotte Gainsbourg produzierten, oder auch, als Beck bei Air als Gast sang, auf deren Album „10 000 Hz Legend“. Diesen chansonhaften Electrospace-Einfluss hört man hier auch heraus. Das Unweichste auf diesem Album ist der dezente Anschlag einer Akustikgitarre, der ein, zwei Mal zu hören ist. Na gut, öfter, aber man nimmt Kantigkeit einfach gar nicht mehr wahr, auch wenn man bei den ersten beiden Malen, die man dieses Geräusch hört, etwas aufschreckt. Okay, die zweite Seite ist relativ voll davon, aber man gewöhnt sich schnell dran und das Instrument bleibt ja sanft gespielt inmitten dieser Kuschelsongs. Das ist im Soundbild von Beck gar nicht ungewöhnlich, seit Jahren schon neigt der frühere „Loser“ dazu, seine Musik in schöne Gewänder zu kleiden, und da er dabei kompositorisch sehr attraktiv vorgeht, steht es ihr auch immer gut.

Mit „Everybody’s Gotta Learn Sometime“ setzt Beck den „Stray Blues“ fort, der bereits „A Collection Of B-Sides“ war, allerdings lediglich in Japan erschien und – wie diese Fortsetzung – nur acht Songs enthält, also mehr Lücken lässt als stopft. Und nach Recherchen den Vollständigkeitswahn der Sammelnden noch befeuert, naja, und verhindert – nicht jede der Originalcompilations ist den Erwerb über den Beitrag von Beck hinaus wert. Exklusiv ist hier nichts, rar so gut wie alles. Ach, und was Beck nach 2019 so trieb: einzelne Songs veröffentlichen sowie Gast bei diversen anderen Bands und Künstlern, darunter The Chemical Brothers.

Die Songs, die Originalinterpreten und die Originalquellen:

01 „Everybody’s Gotta Learn Sometime“, The Korgis, vom „Eternal Sunshine Of The Spotless Mind“-Soundtrack, 2001

02 „Love“, John Lennon, von der „Sweetheart“-Compilation, 2004

03 „Can’t Help Falling In Love“, Elvis Presley, von der „Resistance Radio: The Man In The High Castle“-Compilation, 2017

04 „Ramona“, Beck, vom „Scott Pilgrim vs. The World“-Soundtrack, 2010

05 „Michelangelo Antonioni“, Caetano Veloso, von der „A Tribute To Caetano Veloso“-Compilation, 2012

06 „Your Cheatin‘ Heart“, Hank Williams, von der „Timeless“-Compilation, 2001

07 „I Only Have Eyes For You“, Eddie Jackson And His Orchestra, Online-Single sowie Beitrag zu Doug Aitkens Multimedia-Ausstellung „Song 1“ in Washington, D.C., 2012

08 „True Love Will Find You In The End“, Daniel Johnston, von der „The Late Great Daniel Johnston: Discovered Covered“-Compilation, 2004