Team Dresch – Furthermore – Jealous Butcher Records/Candy-Ass Records/Chainsaw 2026

Von Guido Dörheide (01.10.2026)

Von Team Dresch habe ich zum ersten Mal 1996 anlässlich ihres zweiten Albums „Captain My Captain“ in der Zeitung gelesen, und mir ob der euphorischen Rezension sofort, unverzüglich das Album gekauft, in einem der damals in Braunschweig vorhandenen Schallplattenfachgeschäfte, die alles, was neu und irgendwie heiß war, vorrätig hatten. Ich liebte das Album und legte mir auch noch das im Jahr zuvor erschienene Debüt-Album „Personal Best“ (minnichstens genauso gut wie „Captain“, wenn nicht gar noch besser) zu sowie in den folgenden Jahren die beiden Soloalben der Team-Dresch-Sängerin Kaia Wilson. Von TD selber gab es seitdem nichts Weiteres, da die Band nach „Captain“ für 30 Jahre verstummte. Da kann wohl nicht mal ein Wolfgang Koeppen gegenanstinken.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Jonas Kolb – Je suis Berenice (Deluxe)/Frohes Fest 1981 – Jonas Kolb 2026

Von Matthias Bosenick (01.10.2026)

Mit zwei Veröffentlichungen tritt der Schöninger Jonas Kolb zurück auf den Plan: Einmal bringt er das Industrial-Black-Metal-Album „Je suis Berenice“ als „Deluxe“ mit drei Zusatztracks neu heraus und dann kündigt er mit „Frohes Fest 1981“ ein makaberes Minialbum im Retro-Schlagersound an. Er weiß, wie er seine Hörerschaft verstören kann, das macht er dann auch gern, doch sollte man das Ohr für die Musik dabei unbedingt ebenfalls riskieren – und offen sein für tiefschwarzen Horror-Humor.

Weiterlesen →

Betontod – Wir fangen jetzt erst an – Betontod Records 2026

Von Guido Dörheide (30.09.2026)

Die Toten Hosen verabschieden sich und die – nach meiner Schätzung – ungefähr 10 Jahre jüngeren Betontod aus Rheinberg in NRW „fangen jetzt erst an“ – und wie!

Ääh – wie? Na mit „All die schönen Menschen“, einem Rundumschlag gegen Korruption, Populismus und Volksverarschung. Und wie wir es von Betontod kennen, machen sie das nicht etwa irgendwie subtil, sondern mitten in die Fresse rein und leider frei von zitierbaren Stadionrockslogans, die Betontod so gut können. Dennoch leitet „All die schönen Menschen“ das Album gut ein, es gibt Ohoho-Chorgesänge, melodische Gitarrenriffs, die irgendwo aus dem Punk kommen, aber doch auch im Rock angekommen sind, eine Melodie, die nicht wehtut, und vor allem ein Schlagzeug, das mit einem Quantum Schmackes die Band munter vor sich hertreibt.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Mike D – Thank You – Capitol Records 2026

Von Matthias Bosenick (01.10.2026)

Trauer, Demut, Motivation – „Thank You“ ist das erste Album, das nach dem Tod von Adam Yauch alias MCA von einem der verbliebenen Beastie Boys solo erscheint. Als Beastie Boys wollten Adam Horovitz alias Ad-Rock und Michael Diamond alias Mike D ohne ihn nicht weitermachen, allein indes bisher ebenso wenig. 14 Jahre später, als man damit auch schon gar nicht mehr rechnete, liegt nun „Thank You“ vor, das Solo-Album von Mike D, und es – nun: erinnert selbstredend an die Beastie Boys in all ihren Fassetten, ohne gottlob eine Kopie zu sein, eine billige zumal, es vermengt dennoch die Genres von Hip Hop über Breakbeat und Nonsense bis Pop, lässt aber zwei Stimmen vermissen. Ein tolles Album, zeitlos, und auch demütig, das sagt ja bereits der Titel, der besser nicht hätte gewählt sein können.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Pam Risourié – I’ll Never Be Human – Atypeek Music/Shoredrive Records/Stellar Frequencies 2026

Von Matthias Bosenick (30.09.2026)

Pam Risourié ist kein:e Einzelkünstler:in, sondern eine ganze Band, in der immerhin die Position an Mikrofon und erster Gitarre Pam heißt, also ganz wie bei Nena, Alice Cooper oder Marilyn Manson. Fünf Menschen aus Paris erstellen miteinander seit 2019 eine Musik, die sie selbst und mit ihnen ihre Hörerschaft leicht zwischen Shoegaze und Dreampop einzuordnen in der Lage sind. „I’ll Never Be Human“ ist nach einigen EPs und Singles erst ihr zweites Album, und es erweitert die Schublade um Fuzz, Kraut und sonstige weitere Indierockgenres.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Arbeit und Petrolio – Estádio Nacional – Petrolio 2026

Von Matthias Bosenick (29.09.2026)

Oh: Aus der reinen Verköstigung des Vorgängeralbums „Club Atlético Voces Y Gritos“ des Industrial-Künstlers Petrolio alias Enrico Cerrato aus Asti ergab sich nicht, dass es sich dabei um ein Konzeptalbum handelte, das die argentinische Militärdiktatur unter Jorge Rafael Videla und dessen im Titel genanntes Folterlager behandelte. „Estádio Nacional“ ist die Fortsetzung, mit einem Wechsel nach Chile und den dortigen Diktator Augusto Pinochet, dessen Folterlager abermals den Titel bildet. Für dieses beklemmend-düstere Ambient-Industrial-Werk holte ich Petrolio Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten ins Studio, der mit seiner Gitarre die Drones liefert.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Oöhna Call – Ekko – Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (25.09.2026)

Ah: Post Rock kann also doch anders sein! Zumindest, wenn man etwas Anderes macht und behauptet, es sei Post Rock. So machen das Oöhna Call, bei denen ja bereits der Bandname anders ist und Erinnerungen an frühe Experimente mit Neofolk oder Minimal-Electro evoziert. Könnte man beides hier finden, eigentlich aber doch instrumentale Rockmusik mit starkem synthetischem Einschlag und reichlich unkonventionellen Strukturen. „Ekko“ ist das zweite Album des Trios aus Tours.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

Sergei Khramtcevich, Ilya Kruchinin & Dušan Petrović – Baritone Conspiracy – Addicted/Noname Label 2026

Von Matthias Bosenick (24.09.2026)

Zwei Bariton-Saxophone und ein Schlagzeug, freie Improvisation und Musikentwicklung live in Echtzeit: Endlich liegt die „Baritone Conspiracy“ der drei Musiker Sergei Khramtcevich, Ilya Kruchinin und Dušan Petrović komplett als Album vor. Loops sind da ein Werkzeug, mit dem sich komponiert wirkende Tracks erstellen lassen, und die setzt das Trio gern ein, lässt sie aber bald unter der Ausgestaltung verschwinden. Das ist vieles, Jazz vorrangig, und ganz besonders ist es gut gelungen. Live mitgeschnitten in Belgrad.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

The Spacelords – Uranus Omnibus Sanctus – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (23.09.2026)

Ein Loblied auf den geheiligten öffentlichen Nahverkehr auf einem unserer Nachbarplaneten ist „Uranus Omnibus Sanctus“ eher nicht, vermutlich. Der Himmelsgott ist uns allen heilig, behaupten The Spacelords auf ihrem neunten Album seit 2008 vielmehr, und – nein, sie singen nicht, das Reutlinger Trio spielt zu viert Instrumentaltracks ein, die dem psychedelisch grundierten Spacerock angehören. Vier Tracks, die aus dem Stand eine Sogwirkung entfalten.

Weiterlesen →
Veröffentlicht unter Album

De Staat – De Staat – V2 2026

Von Matthias Bosenick (22.09.2026)

20 Jahre De Staat! Das feiert die Band aus Nijmegen mit ihrem siebten Studioalbum, einem Konzeptalbum, das sie nach sich selbst benennt und das sowohl folglich als auch thematisch passend „De Staat“ heißt. In Zeiten globaler Katastrophen jeglicher Art fällt die ironische Betrachtung aller Umstände hier ernsthafter aus. Der von tiefen Synthies getriebene Indierock des Quintetts bekommt eine soulige Schlagseite und musikalisch sehr viele Fassetten. Damit sperren sich De Staat wie immer dagegen, einer Schublade zugeordnet zu werden, und das auf einem sogar stetig wachsenden Niveau.

Weiterlesen →