Petrolio – Club Atletico Voces Y Gritos – Petrolio 2026

Von Matthias Bosenick (23.06.2026)

Fünf lange Tracks mit fünf Gästen sammelt Enrico Cerrato aus Asti unter seinem Alias Petrolio auf dem neuen Album „Club Atletico Voces Y Grita“ zusammen. Vier der fünf Stimmbeitragenden sind Frauen. Kombiniert mit den düsteren synthetischen Soundscapes und den wenigen, dann langsamen Beats ergibt dies eine dem Industrial nahe Ritualmusik, einen zerbrochenen Dreampop, verdunkelte Sakralgesänge.

Den Anfang macht Brianna Johnston alias Pallas Athene aus Toronto auf dem Stück „2403“, nicht das Geburtsdatum von Cerrato. Auf ihrer Stimme liegt ganz viel Hall, ein langsames Schlagzeug begleitet den leichten Industrial, im Hintergrund verdunkeln düstere Sounds das wunderschön ätherische Gesamtbild. Johnston beschreibt ihre eigene Musik als „Etheral Alt Pop“, das passt schon. Diese Stimmung greift Stefania Pedretti in „Y Nadie Queria Saber“ auf, drück sie aber uns Dunklere, Bösere, Furchteinflößendere. Dem entsprechend werden auch die Sounds harscher, Pedretti verfällt in aggressive Spoken Words, dazu drischt vorübergehend ein stumpfer Beat. Pedretti stellt eine Hälfte des Noise-Duos OvO und tritt solo als ?aloS auf, hier als Alós.

In der Mitte übernimmt in „La Picana“ mit Pierpaolo Capovilla der einzige Mann das Mikro. Die Stimmung verdunkelt sich weiter, ein Beat schleppt sich quälend zu noisy Soundscapes, er murmelt, klagt, wimmert, knurrt. Bekannt wurde Capovilla mit One Dimensional Man, aktuell ist er Teil von Il Teatro Degli Orrori. Zurück zum Spuk, mithin zum Dream Pop kehrt Petrolio mit „El Silencio“, unleise besungen von Giulia Perin Zecchin alias Julinko. Ein dunkles Instrument mäandert durch das Stück, erst spät setzen die abermals verschleppten Beats ein, ein gedimmtes Motor-Pluckern zu Synthiesounds begleitet den schönen Gesang. In die Nähe zu Ritualmusik rückt Lynette Cerezo alias Bestial Mouths das abschließende „Strangled Cry“, wenn sie ihre Stimme dem repetitiven Soundreigen anpasst.

Als Petrolio veröffentlicht Cerrato seit knapp zehn Jahren dunkle Industrialmusik. „Di Cosa Di Nasce“ war 2017 sein Debüt-Album, das seine erste Single „Il Destino Del H’obmre“ nicht enthielt. Seitdem legte er stapelweise Alben und Projekte nach, zuletzt vor drei Jahren die Alben „||| R E S P I R A |||“, „Una Guerra Di Soldatini“ und „La Disobbedienza“.