Von Matthias Bosenick (15.06.2026)
Und wenn diese Hommage-Reihe von Lucky Luke hundertmal bei den Specials von Spirou & Fantasio abgeguckt ist, die Idee und deren Umsetzung sind gut genug, um sie zu kopieren. Zur Bestätigung sei der achte Band „Die Grimm Brothers“ herangezogen, in dem Flix als Szenarist und Reinhard Kleist als Zeichner die Gebrüder Grimm in den Wilden Westen schicken, um dort erst mit deutschen Märchen zu scheitern und dann mit amerikanischen das Rechtsempfinden ihrer Zuhörer durcheinanderzuwirbeln. Anspielungen, Gags, Zeichnungen, Story: da passt alles.
Kategoriearchiv: Comic
Trondheim & Tarrin – Spirou und Fantasio Spezial: Der Schatz von San Inferno – Carlsen 2026
Von Matthias Bosenick (29.01.2026)
Das ist mal wieder ein One-Off, das die Hauptserie überflüssig macht: „Der Schatz von San Inferno“ aus der Spezial-Reihe von Spirou und Fantasio, erdacht und gezeichnet von Lewis Trondheim und Fabrice Tarrin, bringt ein Abenteuer im Sinne des Spirous, den André Franquin vor 60 Jahren etablierte. Hier stimmen Zeichnungen, Humor, Story. Ein erfrischend modernes Retro-Abenteuer.
Fabcaro/Didier Conrad – Asterix (41) in Lusitanien (Astérix in Lusitanie) – Ehapa 2025
Von Matthias Bosenick (27.10.2025)
Der 41. Asterix-Band ist der siebte Band der Reihe, der das Erbe von Uderzo und Goscinny aus anderen Federn weiterträgt. Zeichner Didier Conrad, der die frankobelgische ligne claire im Blut zu haben scheint, ist geblieben, an der Texttafel übernahm bereits beim Vorgänger „Die weiße Iris“ Fabcaro den Griffel von Jean-Yves Ferri. Diese Reise nach Portugal ist ein gelungener zeitgemäßer Remix dessen, was man an Asterix gut findet, mit der Annäherung an einige heutige Themen und Standards.
Die drei ??? – Justus Jonas/Gefährliche Gentlemen – Kosmos 2025
Von Matthias Bosenick (26.02.2025)
Mord. Gleich mehrfacher. Das ist im Universum der drei ??? eher unüblich, so es sich nicht um veraltete Bluttaten handelt, die die Juniordetektive aus Rocky Beach nachträglich überführen. Im Rausch der anhaltenden ???-Veröffentlichungsflut erhalten zwei Spin-Off-Serien jetzt neues Futter: Einmal die „Eine Interpretation“-Graphic-Novels mit „Justus Jonas“, dem zweiten Buch, das nunmehr der Auftakt zu einer Trilogie sein soll, ja, richtig gelesen, sowie mit „Gefährliche Gentlemen“ der fünfte Band der Reihe „Rocky Beach Crimes“ mit ermittelnden Nebenfiguren, hier Chauffeur Morton. Ersteres erdacht von Christopher Tauber und gezeichnet von Marius Pawlitza, zweiteres verfasst von Evelyn Boyd – beides jedoch leider auf unterschiedlichem Qualitätslevel.
Craig Thompson – Ginsengwurzeln (Ginseng Roots) – Reprodukt 2024
Von Matthias Bosenick (16.02.2025)
Was ein Mammutwerk! Über 440 Seiten dick ist das neue Comicbuch von Craig Thompson, der damit zum dritten Mal nach „Blankets“ und „Habibi“ die Buchregale sprengt – und dieses Mal auch die Konventionen de Mediums: „Ginsengwurzeln“ ist Autobiographie, Reportage und Geschichtsbuch in einem, ist selbstanalytisch, philosophisch, politisch, psychologisch, schonungslos, spannend, aufschlussreich und wie von ihm gewohnt extremst gut gezeichnet, designt, arrangiert. Permanent entweicht einem bei der Lektüre ein „wow“, wenn er seine eigene Kindheit unter Ginseng-Farmern und Hardcore-Christen in Marathon, Wisconsin, mit weltweiten Rechercheergebnissen rund um die mystische Menschenwurzel überlappen lässt. Man kann das Buch nicht weglegen, auch wenn es einem die Arme zerdrückt.
Zidrou/Frank Pé – Die Bestie, Teil 2 (La bête 2) – Carlsen 2023
Von Matthias Bosenick (07.11.2023)
Es geht in der Tat so weiter, wie es der Schluss des ersten Teils andeutet: Ein durchgeknallter Wissenschaftler will das noch nicht so bezeichnete Marsupilami, also die dem Buch den Titel „Die Bestie“ gebende Fantasiekreatur, für seinen Ruhm einfangen. Das Autorengespann Zidrou und Frank Pé behält die Melange aus düster, schlüpfrig und kindgerecht weitgehend bei, schiebt aber Action und Herzenswärme dazu und bringt die monströse Lektüre zu einem gelungenen und hell strahlenden Abschluss. Damit ragt der zweite Teil erfreulicherweise über den ersten hinaus, und die Zeichnungen sind abermals ein Weltwunder für sich, das auch ohne den Inhalt zutiefst beeindruckt.
Calle Claus/Christopher Tauber – Die drei ???: Hotel Bigfoot – Kosmos 2023
Von Matthias Bosenick (20.10.2023)
Ein merkwürdiger „Fall“, der auf weite Strecken eigentlich gar keiner ist, sondern eine Vision des Autoren-Zeichner-Gespanns Calle Claus und Christopher Tauber davon, wie es zwischenmenschlich bei den Drei Fragezeichen sowie Justus Jonas‘ Ex-Freundin Lys de Kerk und ihrem Bruder Yan so aussieht. Die Dynamik bekommen sie glaubhaft gemeistert und betten sie dann doch in kriminelle Geschehnisse ein, die um Kryptozoologen und Hollywood-Business kreisen und in einen Massenmordanschlag münden. Hier ist einiges besser gelungen als im vierten Comic mit den Wrestlern – und als in der Hauptserie sowieso. „Hotel Bigfoot“ ist eine wohlige Herbstlektüre, die über die nicht immer überzeugenden Zeichnungen hinwegsehen lässt.
Raymond Macherot – Anatol gegen die schwarzen Ratten (Chlorophylle contre let rats verts/Chlorophylle et les conspirateurs) – Carlsen 2023
Von Matthias Bosenick (10.07.2023)
Nachdem die Comics von Raymond Macherot ohnehin erst verspätet und dann noch stiefmütterlich in Deutschland publiziert wurden, besinnt sich der Carlsen-Verlag jetzt des belgischen Comiczeichners mit der klaren Linie und bringt dessen Debütalbum inklusive Fortsetzung um den anthropomorphen Anti-Disney-Gartenschläfer (keine Brillenmaus!) Anatol (im Original Chlorophylle) neu getextet (der Hinweis darauf fehlt komplett, sieht man davon ab, dass mit Marcel Le Comte der gegenwärtige Carlsen-Standard-Übersetzer erwähnt ist und nicht Uta Benz-Lindenau), mit einigen Ergänzungen und als Hardcover abermals nach 1983 in den Handel, jetzt mit „gegen“ statt „und“ im Titel. Man spürt diesem Doppelband an, dass der Zweite Weltkrieg 1956 noch tief saß; nicht, dass es hier explizit gegen Nazis geht, aber der Überfall einer Rattenpopulation auf ein friedliches Tal voller lieblicher Kleintiere, die in den Widerstand gezwungen werden, legt gewisse Assoziationen nahe. Diese Neuauflage darf der Anlass sein, dieses Mal mehr als nur sieben Bände in fünf Büchern und auch nur mehr als diese Serie herauszubringen; „Sibylline“, „Mirliton“, „Isabelle“ und „Chaminou“ drängen sich noch auf, um „Percy Pickwick“ hingegen braucht man sich ja keine Sorgen zu machen.
Oliver Schwartz, Sophie Guerrive & Benjamin Abitan – Spirou 54: Der Tod von Spirou (La mort de Spirou) – Carlsen 2023
Von Matthias Bosenick (03.03.2023)
Das ist jetzt also die Fortsetzung der Spirou-Hauptreihe nach sieben Jahren Pause? Das neue Autoren-Gespann, das sich dieser 1938 ins Leben gerufenen frankobelgischen Comic-Institution annimmt? „Der Tod von Spirou“ wird diesem Erbe nicht gerecht, sondern hätte besser als One-Shot – wie die ersten drei Bücher, die Zeichner Oliver Schwartz verantwortete – veröffentlicht werden sollen. Man sollte die Hauptreihe vielleicht einfach überhaupt beenden und sich komplett auf die Spezial-Ausgaben verlegen. Dieses Buch ist trotz guter Ansätze mehr retroselige Fanfiction mit enttäuschend teilnahmslosem Abgang als würdige Fortführung der Serie. Schwach!
Im Kopf von Sherlock Holmes (Dans la tête de Sherlock Holmes) – Cyril Liéron & Benoît Dahan – Splitter 2022
Von Matthias Bosenick (20.02.2023)
In den Geschichten, die Sir Arthur Conan Doyle den etwas unbedarften Ex-Armeearzt Dr. John Watson von seinem Mitbewohner und Freund, dem allwissenden Deduktionsgott Sherlock Holmes, ab 1887 erzählen ließ, nahm der Ich-Erzähler die Rolle des überraschten Lesenden ein, der neben dem Ermittler die wirrsten Mordknoten betrachtete und durch Watsons Augen staunte, wie der Meisterdetektiv sie sämtlichst entwirrte und die Täter überführte. Was in Holmes‘ Schädel nun so vorgeht, während er sich mit den Problemen anderer Leute auseinandersetzt, imaginiert das Autoren- und Zeichner-Duo Cyril Liéron und Benoît Dahan in Graphic-Novel-Form. Dabei ist „Im Kopf von Sherlock Holmes“ mehr als nur eine weitere Holmes-Pastiche, nämlich ein zeichnerisches Abenteuer, in dem man sich Seite um Seite vom großen Ganzen bis zum kleinsten Strich verlieren kann – und auch noch einen spannenden Fall erzählt bekommt.










