Von Matthias Bosenick (01.07.2026)
Weil die nachgereichte Single „Legion Of The Dead“ von Breeding Chaos aus Marseille im vergangenen Jahr so viel Staub aufwirbelte, kommt das selbstveröffentlichte Debüt „Distant Planets“ aus dem Jahr 2024 jetzt nochmal via Label heraus. Nach all den Jahrtausenden, die es Musik gibt, erfinden die vier Franzosen ein neues Genre: Cosmic Death Metal. Heißt: Die Musik ist brutal und böse, dunkel und auf die Fresse, aber birgt progressive Anteile und behandelt gegrowlte Weltraumthemen. Für so viel gewitzten Einfallsreichtum nimmt man manche Holprigkeiten grinsend und matteschüttelnd in Kauf.
Und wie man die Matte hier geschüttelt bekommt. Denn Breeding Chaos beschränken sich nicht auf den Death Metal, auch wenn es flott zur Sache geht und der Sänger seine kosmischen Themen böse growlt. Da tritt dann das Progressive hinter dem Vorhang hervor: Groovender Thrash ist zu hören, blastender Black Metal, verschachtelter Prog Metal, epischer Post Metal und wer weiß, was noch. So erinnert der Gitarrensound in „Among The Gods“ an den von Slayer, circa „Seasons In The Abyss“, gefolgt von einem Power-Metal-Gniedelsolo. Für das Zwischenspiel „Pillars Of Creation“ wechselt die Band sogar das Fach, nämlich zum Ambient, einem rhythmischen melodiösen dunklen, der eigentlich „Pillows Of Creation“ heißen müsste. „Stone Cross“ hat ein Electro-Intro, und das, was folgt, ist ein Gniedel-Track, dessen Rhythmus allein das Hi-Hat bestimmt. „Bitter Closure“ ist treffend betitelt: Betrüblich elektronisch endet das Album.
Der Wechsel zwischen den Genres gelingt der Band inhaltlich vortrefflich, hier passt alles zusammen, als wäre es alles eins. Lediglich technisch wirken manche Breaks etwas holprig, aber darüber hört man angesichts dieser kompositorischen Finessen gern hinweg. Die Band besteht seit 2020, seitdem sind noch zwei Mitglieder dabei, nämlich die beiden Gitarristen Jérome Lhuillier und Bruno Gabriel, letzterer auch für die Growls verantwortlich, die sich bereits von der Band Crimson Garden kennen. Seit 2022 dabei, also auch auf der Debüt-EP „Diffraction Matters“ aus dem Jahr 2023 zu hören, sind Bassist Malo Pilloix und Schlagzeuger Lucas Dario. Sie dürfen gern von ihrer Weltraumreise zurückkehren und neue Geschichten mitbringen.
