Human Impact – EP01 – Ipecac 2021

Von Matthias Bosenick (18.10.2021)

Das hier ist wohl das größte Geschenk für alle, die Bock auf mehr haben von Bands wie Swans, Cop Shoot Cop oder Unsane, und die sich Musik wünschen, die wie eine Mischung daraus klingt: Human Impact ist eine Quasi-Supergroup aus New York, die aus Mitgliedern ebenjener Bands besteht, entsprechend todernsten brachialen handgespielten US-Industrial mit Groove, Härte und Noise macht und mit „EP01“ diverse Online-Singles zu einem Compilation-Album auf Vinyl bündelt. Das ist gleichzeitig oldschool und in dieser Mischung so gut wie originell, mithin erfrischend neu.

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Solbrud – Levende i Brønshøj Vandtårn – Napalm Records 2021

Von Matthias Bosenick (13.10.2021)

Endlich auf Vinyl und dann auch noch inklusive der DVD! Eine geile Idee überhaupt: Die Black-Metal-Band Solbrud spielte im November 2019 im titelgebenden Kopenhagener Wasserturm im Stadtteil Brønshøj zwei Konzerte, und da der Turm von sich aus einen fünfzehnsekündigen Hall hat, stimmte das Quartett die Songs der bisherigen drei Alben darauf ab und komponierte sogar einen neuen Song dafür. Klar, Black Metal ist Keifen, Blast Beats und Schrammelgitarre, wenn man nur oberflächlich hört, aber Solbrud sind dafür viel zu atmosphärisch, um damit abgekanzelt zu werden, und bauen außerdem nicht nur an diesem Ort in ihre Mucke unerwartete Elemente ein, von Ambient natürlich bis hin in Richtung Progrock. Episch!

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GusGus – Mobile Home – Oroom 2021

Von Matthias Bosenick (03.10.2021)

Das geht gleich wieder geil los, mit knarzigen analogen Synthies, deepen Beats, grandiosen Melodien und souligem Gesang. Auf „Mobile Home“ sind GusGus aus Island wieder zu dritt, und zwar mit Margrét Rán Magnúsdóttir von der Band Vök als inzwischen 15. Bandmitglied seit 1995. Die Gesten sind nach wie vor groß, die Songs indes wieder näher am Pop als an der epischen Kathedrale, aber nicht weniger geil. Ein Ohrwurm jagt den nächsten, man mag das Album gar nicht mehr weglegen. Eine Großtat mit der Option auf das Album des Jahres!

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Goethes Erben – Elemente – Dryland Records 2021

Von Matthias Bosenick (05.09.2021)

Das mit der „duften Sache“ kam den Initiatoren schon selbst als Werbebotschaft in den Sinn, dennoch sei der hier zugestimmt. Öffnet man nämlich die „Elemente“-Box von Goethes Erben, verströmt sie einen überraschenden Seifenduft – weil ihr Seife beiliegt. Aus der „Seelenbalsam“-Kollektion von Bandchef Oswald Henke nämlich. Und noch viel mehr, darunter die vier 7“-Singles, die den Titel der Box definieren, sowie eine CD mit sämtlichen Songs und einigen Bonusstücken. Neben Liveversionen von Klassikern sind auch neue Stücke enthalten, und zusätzlich erhärten sie den Ruf nach einer geschmackvoll kuratierten Remix-Sammlung mit Neubearbeitungen von Hits und Kuriositäten aus 30 Jahren Neuer Deutscher Todeskunst.

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Valid Blu – WFYB.TV – Hanna Music/Calygram Records 2021

Von Matthias Bosenick (10.08.2021)

Hier ist einfach mal alles nicht so, wie es das Genre erwarten lässt: Die Oebisfelder Valid Blu, Eigenschreibweise Valid blU, rechnen ihr Debüt „WFYB.TV“ dem Art- und Progrock zu, machen aber alles anders. Zunächst besteht das Quintett zu drei Fünfteln aus Frauen, von denen zwei den Gesang übernehmen: schon mal deutlich ungewöhnlich. Dann nehmen sie ein Konzeptalbum auf, das zudem explizit für eine Doppel-LP-Veröffentlichung produziert ist. Musikalisch bedienen sich die fünf bei den Achtzigern, streuen aber moderne Elektronik und unterschwelllige fette Riffs ein und erweitern ihr selbst genanntes Spektrum ohnehin angenehm grenzüberschreitend. „We Fuck Your Brain“ ist eine Wundertüte.

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The Problem Of Leisure: A Celebration Of Andy Gill & The Gang Of Four – Gill Music 2021

Von Matthias Bosenick (28.07.2021)

Was haben Herbert Grönemeyer, Helmet und Killing Joke gemeinsam? Sie sind Teil eines Tribute-Albums! Wie nun aber nähert man sich solchen Vorreitern wie Gang Of Four, wenn man dazu angehalten ist, sich ihres Oeuvres in ehrerbietender Form anzunähern? Im Jahr Eins nach Andy Gills Tod sammelt sein Label 20 Neueinspielungen und Interpretationen der Indierockerfinder, die der Chef noch selbst in Auftrag gegeben hatte. Interessanterweise sind die Hauptnutznießer dieser Vorreiterschaft, nämlich die Indiediscoepigonen der Nullerjahre, hier gar nicht vertreten. Nicht einmal ausschließlich Postpunks und Indierocker sind ausgewählt, auch Electrospielereien, Dub und Trip Hop bilden das neue Gewand der in Insiderkreisen altvertrauten Hits. So gemischt ist auch das Ergebnis, wenngleich den meisten doch vor lauter Ehrfurcht der künstlerische Mut abgeht. Das Cover ist ebenfalls gemischt, der Plüschhund hat unzählbar viele verschiedene Farben, das ist hübsch.

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Man On Man – Man On Man – Polyvinyl Records Company 2021

Von Matthias Bosenick (19.07.2021)

„It’s So Fun (To Be Gay)“ singen Roddy Bottum und Joey Holman, die hier eine Band und ein Paar sind, letzteres wohl länger als ersteres. Wer von Bottum Musik nach Art seiner Hauptband Faith No More erwartet, kennt seine Zweitband Imperial Teen nicht, denn mit Holman macht er einen herzenswarmen, leicht räudigen verschleppten Pop, der weitaus dichter am Sound des Queer-Quartetts angelehnt ist als an den der Crossover-Pioniere. Freundlicherweise gibt es die LP auf pinkem Vinyl. Hier passt alles.

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Manuel Backert – Moss Wanted – TubeRecords/Records4you 2021

Matthias Bosenick (21.06.2021)

Abgang Bert Brac, Auftritt Phil Moss: Nach dem nicht eben harmonischen Rausschmiss Carsten Bohns als hauptsächlicher Hörspielmusikkomponist des Europa-Labels engagierte jenes unter anderem Manuel Backert als Nachfolger. Gegen die hochgradig guten Fusion-, Prog- und Artrockstücke Bohns konnte er nur verlieren, und Backert versuchte auch erst gar nicht, das Erbe anzutreten, sondern schlug neue Saiten an, nämlich fast gar keine: Seine Tracks sind vornehmlich synthetisch und im Stil der Zeit, heißt für die zweite Hälfte der Achtziger: cheesy Gebrauchsmusik. Das leicht Trashige hatten auch die Hörspiele dieser Zeit, die man indes auch wegen Bohns unschönem Weggang und der deutlich schlechteren neuen Musik nicht mehr so feierte, insofern ist das ein konsequenter Schulterschluss, und dass man aus heutiger Sicht sogar diese Hörspiele eher goutiert als die aktuellen, begünstigt den Erwerb dieser 40 Tracks auf Schallplatte: Nostalgie schlägt Qualität.

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Psychonaut/Sâver – The Emerald Split EP – Pelagic Records 2021

Von Matthias Bosenick (16.06.2021)

Nur zwei Tracks, also jeweils einen pro Band, braucht es, um mehr musikalische Ideen umzusetzen, als manche Musiker überhaupt Karrieren haben. Auf Einladung von Psychonaut aus Belgien leisten Sâver aus Norwegen einen Beitrag zu ihrer überhaupt erst zweiten Veröffentlichung. Beide Tracks auf der „The Emerald Split EP“ sind so abwechslungsreich, dass man nicht mal ein Genre nennen kann: Doom, Sludge, Postrock, Progrock, Ambient, alles ist drin, und noch viel mehr. Da öffnen sich Horizonte!

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Gojira – Fortitude – Roadrunner 2021

Von Matthias Bosenick (10.06.2021)

25 Jahre Gojira aus Bayonne! Das siebte Album „Fortitude“ kombiniert die meisten Elemente der progressiven Metalerneuerer, die man auf den vorherigen Alben schon zu lieben lernte, also verschachtelte Breaks, einiges Gebretter, Hymnen, fein ausgestaltete Tracks, hier indes konzentriert auf griffige kürzere Songs mit größerem Popappeal als früher, aber trotzdem weitgehend heavy. Beim ersten Hören also eher enttäuschend, da die epischen komplexen Wutausbrüche hier sehr stark zurückgenommen sind, der Rest aber dafür konziser auf den Punkt fokussiert. Und mit einigen neuen Elementen: Maultrommel! Äh, ja? Früher war mehr Stahlhütte.

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