Killing Joke – Lord Of Chaos – Spinefarm Records 2022

Von Matthias Bosenick (27.10.2022)

Wieder so ein Vinyl, das ewig nach der Online-Veröffentlichung der entsprechenden Musik auf sich warten lässt. Und das Warten lohnt sich, zum Glück: „Lord Of Chaos“ ist typisch moderne Killing Joke, treibend, riffig, post-heavy, mit einnehmend warmer hymnischer Melodie und verhalten geschrienem Refrain, dazu ein Bonus-Track und zwei Remixe, Dub, Electro, ebenfalls typisch Killing Joke. Fügt sich nahtlos ins Oeuvre ein, was die alten Männer hier machen, sieben Jahre nach dem letzten Studioalbum „Pylon“.

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Primus – Conspiranoid – Prawn Songs 2022

Von Matthias Bosenick (24.10.2022)

Wenn intelligente Menschen sich mit der Pandemie auseinandersetzen und sich mit Verschwörungstheorien befassen, kommen auch intelligente Erkenntnisse zutage, die Verschwörungstheorien als das behandeln, was sie sind: durchgeknallte Paranoia. Entsprechend betiteln die drei ausschließlich musikalisch Durchgeknallten von Primus ihre themenbezogene EP mit dem treffenden Kofferwort „Conspiranoid“ und erfüllen damit gleich zwei wesentliche Aspekte: Sie positionieren sich in Zeiten des rechtsbefeuerten Dummheitswahns auf der Seite der Nichtdummen – und machen grandiose Musik. Die drei Songs auf „Conspiranoid“ sind so Primus, wie man sie vor über 30 Jahren zu lieben lernte: frickelig, progressiv, eigensinnig, trotzdem eingängig und natürlich basslastig.

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Psychonaut/Sâver – The Emerald Split EP – Pelagic Records 2021

Von Matthias Bosenick (16.06.2021)

Nur zwei Tracks, also jeweils einen pro Band, braucht es, um mehr musikalische Ideen umzusetzen, als manche Musiker überhaupt Karrieren haben. Auf Einladung von Psychonaut aus Belgien leisten Sâver aus Norwegen einen Beitrag zu ihrer überhaupt erst zweiten Veröffentlichung. Beide Tracks auf der „The Emerald Split EP“ sind so abwechslungsreich, dass man nicht mal ein Genre nennen kann: Doom, Sludge, Postrock, Progrock, Ambient, alles ist drin, und noch viel mehr. Da öffnen sich Horizonte!

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Yo La Tengo – Sleepless Night – Matador 2020

Von Matthias Bosenick (16.03.2021)

Wenn man sich von Corona künstlerisch nicht niederschmettern lässt, nimmt man eben auch distanziert neue Platten auf. Yo La Tengo gleich zwei, „We Have Amnesia Sometimes“ zunächst nur als Download, inzwischen auch auf Vinyl erhältlich, und „Sleepless Night“ als einseitig bespielte 12“-EP. Darauf macht das Trio aus Hoboken das, was es besonders gern macht: andere Leute covern. Die sechs Stücke begleiteten ursprünglich eine Ausstellung des Künstlers Yoshitomo Nara in Los Angeles, und der durfte selbstredend das Cover dieser Cover-EP gestalten. Entspannter Indie-Poprock ohne Noiseausbrüche, schön zum Runterkommen.

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Cryptic Brood & Night Hag – Swollen With Rancid Phlegm (Split)/Repulsive Feast – Meat Hook Mutilation – Rotted Life/Lycanthropic Chants 2021/2020

Von Matthias Bosenick (15.03.2021)

Gleich zweimal schwere Kost aus Flechtorf: Cryptic Brood bespielen eine Split-LP mit Night Hag aus den USA und Repulsive Feast knüppeln eine 7“-Single mit vier Songs ein. Die drei Beiträge können kaum verschiedener sein: Cryptic Brood schwenken das Tempo zwischen Doom und Death herum, Night Hag bleiben auf der dunkel-schleppenden Doomlinie und Repulsive Feast grooven den Punk in den Metal, knüppeln mithin einen gutgelaunten Grindcore. Und das in lustig bunten Vinylvarianten: So geht Metal!

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(0) – SkamHan/(0) – Napalm Records 2020/2017

Von Matthias Bosenick (15.07.2020)

Fröhliches Googeln: Für den Bandnamen „(0)“ gibt es eine grandiose Ergebnisauswahl. Sobald man fündig ist, zudem auch noch grandiose Musik: Die Kopenhagener machen Blackmetal, selbstredend modern mit atmosphärischen Passagen, aber auch mit groovendem Indiefresse. Der Spagat überrascht, einerseits die flächigen Ambientdrones, andererseits beinahe holzfällerartiger Deathmetal. Und wer behauptet, die Besetzung des Quintetts sei ein Geheimnis, ist nur zu faul zum Recherchieren.

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Automat – Modul Remixes #1 & #2 – Compost 2020

Von Matthias Bosenick (22.05.2020)

Es ist etwas ins Leere gelauscht, wenn man Remix-EPs betrachten will, deren Originale man noch nicht kennt (weil das Album dazu wegen Corona noch unabgeholt im geschlossenen Plattenladen liegt). Dann muss es eben ohne gehen: Auf bislang zwei 12“es reflektieren Remixer vieler Couleur ausgewählte Tracks des vierten Automat-Albums „Modul“. Dabei steht der Dub wie bei den Originalen auch als Remixergebnis ganz weit vorn, das Trippige, Chillige, Repetetive bleibt erhalten und das Elektronische und Technoide halten Einzug in den ansonsten warmen organischen Sound des Trios.

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Deflore & Jaz Coleman – Party In The Chaos – Subsound Records 2019

Von Matthias Bosenick (24.10.2019)

Jaz Coleman ist also schwerst begeistert vom römischen Industrial-Duo Deflore, was ihn nun dazu trieb, eine gemeinsame EP einzuspielen. Seine erste Kollaboration, wie gern kolportiert wird, und dabei geraten unter anderem Anne Dudley, Shihad und Þeyr in Vergessenheit. Die EP nun klingt lediglich partiell wie Killing Joke, und wenn, dann nicht zuletzt wegen Colemans durchdringend röhrendem Gesang; musikalisch leistet sich das Duo mehr elektronische Feinheiten als Colemans Hauptband. Das Vinyl ist zweifarbig bunt und geetcht und nicht zuletzt den Kauf wert.

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Pet Shop Boys – Agenda – X2 2019

Von Matthias Bosenick (31.07.2019)

Als satirischen Kommentar zur Weltlage veröffentlichen die Pet Shop Boys parallel zu ihrer Live-DVD „Inner Sanctum” eine 12”-EP mit vier neuen Songs über Reiche, Social Media, Dummheit und andere globale Probleme, die sie auf ihrer Kritik-„Agenda“ haben. Haltung und Humor des Synthiepopduos passen, very british indeed, nur klingt der Synthiepop sogar für die Pet Shop Boys etwas zu synthetisch. Musste wohl schnell gehen. Und ist physisch inzwischen auch schon so etwas wie vergriffen.

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U2 – The Europa EP – Island 2019

Von Matthias Bosenick (11.06.2019)

Die große Rockband U2, vermutlich die derzeit größte der Welt, veröffentlicht seit 2010 ihre einst so begehrten Singles lediglich zu den amerikanischen Plattenladensonderterminen. Die neueste, kreativ „The Europa EP“ benannt, erschien zum jüngsten Record Store Day und beinhaltet exakt null neue Songs. Vielmehr bekommt man den Auftakt zur letzten Tour in eine ineinanderfließende Liveversion der beiden B-Seiten-Tracks gesampelt, nämlich die Rede von Charlie Chaplin aus „Der große Diktator“. Nett, in Summe sogar hörbarer als die beiden letzten Studioalben, und doch reichlich verzichtbar.

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