Dead Kiwis – Extreme Metal – Vollmer Industries 2026

Von Matthias Bosenick (15.07.2026)

Hätten die Dead Kiwis ihr neues Album mit „Christian Gothic Country“ oder so etwas betitelt, käme das sicherlich lustiger, denn der tatsächliche Titel „Extreme Metal“ trifft einfach nur zu. Geht aber mit dem in Neonfarben gehaltenen Covern mit futuristischen Rittern oder Dinosauriern eine durchgescheuerte Liaison ein, man denkt an vergleichbare Vertreter wie Electric Callboy. Nur dass die Dead Kiwis aus Lyon (und nicht aus Neuseeland) kompromisslos im extremen Metal verbleiben, den sie auf Punk und Hardcore errichten und mathematisch präzisieren.

Alles ist tiefer gestimmt, Gitarren wie Bass, und alles ist vornehmlich hyperschnell gespielt, auch das Schlagzeug, und dazu schreit sich einer den Frust von der Seele. Damit das Gebolze Struktur bekommt, durchbrechen es die Dead Kiwis permanent, verändern Rhythmen und Tempi, lassen knappe Effekte auf den Instrumenten zu, erweitern das Spektrum aus Irgendwas-Core und Irgendwas-Metal um jeweilige Randgenres und bleiben insgesamt stets extrem. Man hört hier den Hardcore deutlich heraus, der die Existenzgrundlage der Band bildet, aber ebenso den Djent oder sogar den Thrash Metal, wenn die fünf Musiker mal den Groove von der Leine lassen, sowie eine mathematische Akkuratesse im ultraschnellen Versatz der Brüche, dass man beim Headbangen um seinen Head bangen muss.

Stilecht ist jede der beiden LP-Seiten mit jeweils vier Tracks gerade elf Minuten lang, also ergibt die gesamte LP die Länge einer regulären Vinyl-Seite. Da die Musik hier aber so dicht und vollgestopft ist, brüllt es einem die Ohren durch, als wäre das Album normal lang. Aber was ist schon normal.

Die Dead Kiwis aus Lyon gibt es seit 2008, und kurioserweise schafften es die den Fotos nach vermutlich fünf Musiker, ihre Namen verborgen zu halten. Einer spielt offenbar auch bei Buy Jupiter, deren neues Album „Earth“ hier bereits Zuwendung fand, und das Maskottchen Katy tritt gelegentlich in Erscheinung, auch auf der Bühne. Alben gibt es von den Dead Kiwis einige, etwa „Eponyme“ aus dem Jahr 2014, „Karate Karnage“ (2017) oder „Systematic Home Run“ (2019), alle gleich kurz und, mit Blick auf die Feststellung um die Albenkürze, in einer Sache konsequent: Sie pressten die vorletzten beiden Alben tatsächlich auf eine LP mit je einem Album pro Seite. Visuell begleitet übrigens mit Trash-Pop-Themen, also Videospielen, ostasiatischen Kampfsportarten, Horrormotiven sowie in den Titeln mit Gaga-Satanismus. Das muss ironisch gemeint sein, denn laut Info befasst sich „Extreme Metal“ mit Themen wie „Depression, Trauer, Isolation, Manipulation und Desillusionierung“, also etwas Ernsthafterem. Beinahe christlichem Gothic-Country, aber dafür haben wir ja die 16 Horsepower.