Hin- und weggesehen. Filme und Serien (21)

Von Chrisz Meier (07.07.2026)

Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.

Ich denke mal, daß viele das gerne tun. Es ist halt Eskapismus-Time, Baby. Wenn man sich aber aus dieser Welt für eine Weile ausklinkt, sollte es wenigstens Spaß machen.

Für „Suspiria“ von 2018 trifft dies nicht unbedingt zu. Dieser Film ist wieder eines dieser Remakes, die die Welt nicht gebraucht hätte. Da ich kein großer Fan italienischer Horrorfilme der 70er bin, konnte mich die Neuverfilmung des gleichnamigen Klassikers dieses Genres von 1977 nicht vom Hocker hauen, in dem es um eine mysteriöse Tanzakademie in Westberlin in den 70er Jahren geht. Eine neue Schülerin kommt in diesem Institut nach und nach dahinter, daß hier nichts, aber auch gar nichts richtig läuft. Das Finale ist so unglaublich drüber, daß ich fast abgeschaltet hätte. Sehenswert am Remake sind allerdings zwei Dinge: Die immer wieder sehr gute T. Swinton in einer Doppelrolle und der Schauplatz direkt an der sehr guten Berliner Mauer.

Ein eher unbedarftes Ehepaar kommt zufällig an zwei Millionen und eine Pistole. Das ist die Ausgangslage in „How To Make A Killing“ (OT: Un Ours dans le Jura) von 2024, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film von 2026. Wie das in Filmen mit solchen Ausgangslagen ist, haben die beiden und ihr (sagen wir mal, minderbemittelter) Sohn nicht viel von dem Glücksfund, denn Bullen und Gangster kommen ihnen auf die Spur. Und so wird sie insgesamt recht spaßig, diese schwarze Komödie über zwei, die in etwas hineingeraten sind, das viel zu groß für sie ist. Auch wenn es letztendlich nicht ganz so eskaliert, wie man es sich gewünscht hätte, bleibt „How To Make A Killing“ sehenswert.

Song Sung Blue“ ist einer von diesen Wohlfühlfilmen. Im guten Sinne. Aus naheliegenden Gründen konnte ich mich gut mit den Protagonisten, zwei erfolglosen Musikern, identifizieren. Die beiden treffen aufeinander, verlieben sich ineinander und gründen eine Neil-Diamond-Tribute-Band. Mit dieser haben sie bald kleine Erfolge und alles läuft gut bis zum obligatorischen Schicksalsschlag, der die beiden auf die Probe stellt. Das war jetzt kein Spoiler, Filme dieser Art verlaufen immer so. Und am Ende ist alles gut. Ich habe doch gesagt, daß es ein Wohlfühlfilm ist. Wer etwas heile Welt braucht, H. Jackman und K. Hudson gerne zusieht und eventuell sogar die Songs von Neil Diamond mag (oder kennenlernen will), sollte sich diesen Film am besten sogar kaufen. Damit was da ist für schlechte Tage.

Ganz und gar abraten möchte ich hingegen von „Die My Love“ (2025). J. Lawrence spielt hier eine junge Mutter, die in eine postnatale Depression gerät und langsam wahnsinnig wird. Leidtragender ist hauptsächlich ihr Mann (R. Pattinson), der nichts dafür und nichts dagegen tun kann.Und dieser Abwärtsstrudel ist im Grunde schon die ganze Handlung, ausgewalzt auf zwei Stunden. Gut, die schauspielerischen Leistungen vor allem von Lawrence sind gut, da zunehmend selbstzerstörerisch, aber will man wirklich dabei zusehen, wie jemand zugrunde geht, ohne Aussicht auf wenigstens Linderung? Nun gut, manchmal will ich das, in diesem Fall war ich jedoch überfordert. Wer reines Drama will, ist hiermit gut bedient.

Deutlich leichtere Unterhaltung bietet „Birds Of Prey (And The Fantabulous Emancipation Of One Harley Quinn)“ von 2020. Meines Wissens tritt hier M. Robbie zum ersten Mal in der Welt von Batman als Jokers sitzengelassene Freundin Harley Quinn in Erscheinung. In ihrem Spielfilmdebüt tut sie sich mit drei anderen durchgeknallten Frauen zusammen, um Durchgeknalltes zu tun. Die Girlboss-Welle war zu dem Zeitpunkt gerade schwer angesagt, also können die Frauen hier alles und jeden – vor allem große, schwere, muskulöse Männer – nach Strich und Faden zerlegen. Das ist Eskapismus auf höchster Stufe, denn für Filme wie diesen braucht es wirklich nur noch ein Resthirn mit Basalfunktionen.

Und schon geht es wieder aufwärts mit der Niveaukurve! Mit einem deutschen Film! Eigentlich ein Widerspruch in sich, aber „Amrum“ bestätigt mal wieder die Ausnahme der Regel, und wieder mal ist F. Akin dafür verantwortlich. Zusammen mit dem verstorbenen H. Bohm schrieb er das Drehbuch, basierend auf den Kindheitserinnerungen Bohms. Der Film spielt Ende April, Anfang Mai 1945 auf der titelgebenden Nordseeinsel. Hier wie überall in Deutschland gibt es immer noch überzeugte Anhänger des GröFaZ, die nach wie vor an den Endsieg glauben, obwohl alle, wirklich alle Zeichen dagegen sprechen. Alliierte Bomber fliegen völlig ungehindert über die Insel, die ersten Flüchtlinge aus dem Osten kommen an, es gibt Selbstmorde. Mittendrin der zwölfjährige Nanning, der jeden Tag mithelfen muß, um die Familie zu ernähren. Er trifft dabei auf Widersacher und auf Verbündete, die dabei helfen werden, seinen Charakter zu formen, der in seiner jetzigen Form nichts anderes kennt als Nazideutschland. Das ist schlüssig und stringent erzählt, die Dramaturgie stimmt und es ist sehr stark bebildert. Wer etwas über die jüngere deutsche Geschichte, die in Zusammenhang mit der gegenwärtigen steht, erfahren will, ist auf „Amrum“ richtig.

Der Hochstapler“ (OT: Roofman, 2025) ist einer, der Mcdoofnald-Filialen ausraubt und sich, auf der Flucht vor der Polizei, in einem Supermarkt für Spielzeug versteckt. Monatelang erfolgreich. Während dieser Zeit verliebt er sich in eine der Verkäuferinnen, spendet an die Armen und ist ein guter Mensch. (Wer McDonalds beklaut, ist sowieso gut.) Und weil diese ganze Geschichte angeblich auch noch wahr ist, endet sie realistisch. ACHTUNG SPOILER!! Die Geliebte verrät ihn an die Bullen, er kommt in den Knast, Ende. Tolle Frau. Trotz diesem Wermutstropfen ist „Der Hochstapler“ locker und spritzig inszeniert, C. Tatum in der Titelrolle macht eine gute Figur und… na was, reicht doch!

Es gibt ja immer wieder Filme, die werden wahnsinnig gehypt und man fragt sich später, wieso eigentlich? In diese Kategorie fällt für mich „Marty Supreme“. Ein Schuhverkäufer aus New York will Tischtennisweltmeister werden und tut dafür tatsächlich sehr viel, nur leider nicht viel Gutes. Wie es ein Kritiker im Internet ausdrückte: „Für jeden Schritt vorwärts, den Marty in seinem Streben nach der Meisterschaft unternimmt, scheint er immer zwei Schritte in die falsche Richtung zu machen.“ Und das ist sehr gut beobachtet. Die beiden Schritte in die falsche Richtung bedeuten nämlich hauptsächlich, daß er jeden in seiner Umgebung schamlos ausnutzt. T. Chalamet als Marty tut das so überzeugend unsympathisch, daß es schon eine Herausforderung ist, ihm zweieinhalb Stunden dabei zuzusehen. Auch die anderen Figuren laden nicht zur Identifizierung ein. So bleibt man während des gesamten Films ein unbeteiligter Beobachter und der Eindruck, den „Marty Supreme“ hinterläßt, ist sehr flach.

Einen guten habe ich aber noch, und das war „The Housemaid“. Eine vorbestrafte junge Frau (S. Sweeney) bekommt einen Job als Hausmädchen bei einer schnöseligen Reichenfamilie. Der geübte Filmbeobachter weiß, daß das nicht lange gut geht. Und na klar: Es häufen sich Mißverständnisse, Falschaussagen, Demütigungen, unter der das Hausmädchen leiden muß. Sagen oder sich sogar zu Wehr setzen darf sie sich nicht, schließlich ist sie auf Bewährung, und das US-amerikanische „Rechtssystem“ ist rigide. So wird das Verhältnis von Hausmädchen zu Ehefrau immer schlechter, während der Ehemann mehr und mehr auf Seiten des Hausmädchens steht. Leider kann ich beim besten Willen nicht mehr verraten, ohne das Vergnügen zu schmälern wie schimmeliges Brot. Nur noch soviel: Die Welt der Reichen wird mit aller gebotenen Häme dargestellt. Geld macht nämlich keine Freunde. „The Housemaid“: Empfehlung!

Soviel für heute, in der nächsten Folge geht es u.a. um eine der größten Bands der 60er, 70er und 80er Jahre. Und jetzt raus aus dem Internet! Nur noch Nazigewäsch.