Von Matthias Bosenick (10.07.2026)
Reichenhall behalten ihren Turnus von alle vier Minuten ein neues Zwei-Stunden-Album bei: Ein „Konzert für Zikaden“ ist das neueste Werk dieses Berliner Projektes, abermals eines mit einem Konzept. Dieses Mal bastelte Bandmitglied Lukas Radiomodul im Rahmen eines Aufenthaltes in Šibenik in Kroatien diese knapp 40 Minuten Musik aus bereits erfolgten Aufnahmen des gesamten Teams zusammen, und zwar analog zur Frequenz, in der die Zikaden in den umliegenden Bäumen ratschten. Die sind zwar bedauerlicherweise kaum zu hören, dafür aber mosaikartiges Chill-Out-Electro auf 91 BPM.
Archiv des Autors: Van Bauseneick
Omnitrocy – States Of Conscious Matter – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (10.07.2026)
Hier gibt’s eine halbe Stunde lang auf die Fresse. In ihren groovenden Brutal Death Metal bauen Omnitrocy aus Rumänien auf ihrem Debüt „States Of Conscious Matter“ zwar Brüche und Gimmicks ein, doch überrollt einen hier ein Hybrid aus Speed-Mähdrescher und sämtlichen Teilnehmern einer Box-Weltmeisterschaft. Mehrmals. Und hinterher fühlt man sich erfrischt, so geht das!
Red Sun – Songs From Hidden Places – Subsounds Records 2026
Von Matthias Bosenick (09.07.2026)
Das ist schon interessant: Auch ohne Kenntnis, dass es sich bei Red Sun um eine italienische Band handelt, käme man allein angesichts des Gesangs auf die Idee, dass dies der Fall sein könnte. Denn der Gesang von Elisa Brusati erinnert in Ausdruck und Intensität stark an den Italopop der Achtziger, man ahnt „Ti sento“ von Matia Bazar, beispielsweise. Da steckt ein Feuer drin, das noch heller lodert als die Musik drumherum, und die siedelt das restliche Trio im psychedelischen Spacerock an. Restlich deshalb, weil Gesang auf dem vierten Album „Songs From Hidden Places“ erstmals zum Einsatz kommt, es also bereits drei Alben zu dritt gibt. Und es gibt noch mehr Entwicklungen hier.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Barbara Salesch, leider geil: Chabos
Von Onkel Rosebud
Das Lieblingsgenre meiner Freundin ist Coming of Age. Ich vermute, dass das Lebensgefühl als Sechzehnjährige für sie unwiederbringlich ist. Deshalb versanken wir vier Stunden in die Polstergarnitur, um mit der ZDF-Serie „Chabos“ und Teenagern aus Duisburg blendend unterhalten zu werden. Das Comedy-Drama führt nach einem BBC-Vorbild („Ladhood“, 2019-2022) als Zeitreise in die frühen Nullerjahre, wo die politische Korrektheit, einen Freund Alba zu nennen, weil man dachte, er sei Albaner, oder der homophober Kumpel PD heißt, weil er „Polendeutscher“ ist, noch nicht hinterfragt wurde.
WeiterlesenSpezial: addicted/noname label aus Moskau, Teil 20
Von Matthias Bosenick (08.07.2026)
So viel Neues bei unseren Freunden aus Moskau! Spacigen Post Rock mit The Invisible Machine Engine, Sludge-Punk mit Buddapropildzen, groovenden Stoner-Doom mit M/Eye, Doom mit Megalith Levitation und Dekonstruktor, Avantgarde-Noisecore mit Mrmraum, Jazzcore mit Topot Dark Trio, Breakbeat-Crossover mit Jammie Dong, Doom mit Zatvor und verspielt-progressive Musik mit Detieti.
Hin- und weggesehen. Filme und Serien (21)
Von Chrisz Meier (07.07.2026)
Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.
Ich denke mal, daß viele das gerne tun. Es ist halt Eskapismus-Time, Baby. Wenn man sich aber aus dieser Welt für eine Weile ausklinkt, sollte es wenigstens Spaß machen.
WeiterlesenOnenine + Myk Jung – Duress – Onenine 2026
Von Matthias Bosenick (07.07.2026)
Da wird man auf ein Musikprojekt aufmerksam, weil man einem bestimmten Musiker folgt, und entdeckt dann, dass der Betreiber dieses Projektes nur unwesentlich weniger lang aktiv ist als der, dessentwegen man darauf aufmerksam wurde. Onenine ist das Solo-Projekt von Axel Kleintjes, und man kann einfach nicht alles kennen, zum Beispiel Page 12, seine alte Electro-Band aus den Neunzigern, oder Cyber Axis, bei denen er in den Nullern einstieg. Dafür kennt man eben Myk Jung, weil man dessen Band The Fair Sex vollständig in seinem Regal stehen hat. Jener Jung singt nun auf der neuen Onenine-EP „Duress“ den Titelsong – und man reibt sich überrascht die Ohren: Dieser Dark Electro funktioniert auf allen Ebenen.
PigFace with Genesis P-Orridge – Howler: An English Breakfast – Overdrive Records/PPIM 2026
Von Matthias Bosenick (06.07.2026)
Vorsicht: Sammler sämtlicher Alben von Pigface haben diese Musik bereits, nämlich auf der zweiten CD des vierten Albums „A New High In Low“. Nicht indes haben sie sie auf Vinyl, schon gar nicht im launigen Splatter. Ansonsten lässt sich zu „Howler: An English Breakfast“ feststellen, dass eine Impro-Session mit dem bekloppten Genesis P-Orridge immerhin chilligen Dub ergibt, über den ein Kasper quasselt. Freunde von Mick Harris (Napalm Death, Scorn) dürfen sich über dessen Beteiligung an der Session freuen.
BalashToth – Equation II: The Antithesis Of Life And Free Will – Pest Records/Metal Ör Die Records/ Not Even Music 2026
Von Matthias Bosenick (06.07.2026)
Nicht schlecht: Mit dem zweiten Teil der „Equation“-Reihe veröffentlicht die irische Ein-Personen-Band BalashToth ihr Debütalbum, sieben Jahre nach der Gründung. Darauf zu hören gibt es Melodic Death Metal Göteborger Art, darauf zu lesen gibt es, analog zu einem anderen Musiker aus Irland, mathematische Zeichen in den Titeln, aber anders als bei jenem anderen Musiker aus Irland kann man sich „Equation II: The Antithesis Of Life And Free Will“ schadlos anhören.
Beck – Everybody’s Gotta Learn Sometime – Capitol/EMI 2026
Von Matthias Bosenick (03.07.2026)
Was macht Beck Hansen eigentlich heute? 2019 erschien sein letztes Album „Hyperspace“, auf dem der vormalige Slacker den Hyperpop austestete, und seitdem ist Ruhe. Kurioserweise fällt dies mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem er klarstellte, dass er – Gott sei’s gepriesen! – längst kein Scientologe mehr ist. „Everybody’s Gotta Learn Sometime“ ist eine Sammlung von Raritäten, die er für Film, Funk und Fernsehen erstellte und auf rotem Vinyl als Album anbietet. Soft geht’s zu, viele Oldschool-Schlager-Cover, und es fällt einem irgendwie leicht, sich mit dem latent knödeligen Beck auf die Chaiselongue zu kuscheln. Teuer ist’s: Mehr als einen Euro pro Minute. Aber das ist es wert.









