Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Es ist kompliziert: Der belgische Neu-Franzose Dirk Serries und der Dortmunder N – Hellmut Neidhardt – veröffentlichten „SC01“ ursprünglich noch vor „SC00“ (oder auch „SC0.0“), ihren eigentlich ersten gemeinsamen Aufnahmen. Die waren im Zuge einer Tour mit den Microphonics und N erfolgt, die wiederum bereits 2010 stattgefunden hatte, und erblickten erst 2018 das Licht der Öffentlichkeit, nachdem das Gitarren-Noise-Drone-Duo bereits 2017 den Nachfolger „SC01“ aufgenommen und herausgebracht hatte, und dies nicht mehr unter den kombinierten Künstlernamen, sondern als Scatterwound. Und zwar als Dreifach-LP – die so gut wie vergriffen ist, weshalb diese zweistündigen Noisedrones nun auch erstmals digital verfügbar sind. Wie auch immer: In diesen Mahlstrom lässt man sich gern versenken.
Archiv des Autors: Van Bauseneick
Punktò – 2237 Sad Bols – Antibody Label 2026
Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Wenn es für Beschreibungen wie „experimentell“, „durchgeknallt“, „nicht zu kategorisieren“, „verspielt“ und „Synthiepop“ in dieser Kombination einen Hörbeleg braucht, taugt „2237 Sad Bols“ von Punktò perfekt dazu. Dieses zweite Album des litauischen Konzeptkünstlers Jonas Šarkus erzählt eine Geschichte, ist mithin ein Konzeptalbum, und zwar eines, auf dem sich Wahnsinn und Discofox verliebt die Hände reichen. Wie sollte es auch anders sein angesichts der Mär eines Jungen, der seine Zukunfts-Laster eliminiert, um ein perfekter Mensch zu werden. Šarkus selbst spricht von Hot Wave, das kann man kopfschüttelnd bestätigen.
Mauna Sol – The Calling – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (21.05.2026)
Was für eine Schatzkiste! Mauna Sol debütieren mit „The Calling“ nicht einfach als nächste Black-Metal-Band, nicht einmal einfach nur in der Sub-Schublade Post Black Metal: Dieses Album macht Spaß, weil es so großartig ist, ein so todesbejahendes Genre derartig voller Lebensfreude zu spielen, das ringt mehr als Respekt ab und steckt an. Mit diesem Einstand setzen die Rumänen einen Pflock, aus dem uns sicherlich noch ein gewaltiger Baum wachsen wird.
Hin- und weggesehen. Filme und Serien (20)
Von Chrisz Meier (20.05.2026)
Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.
Mittlerweile muß ich sagen, daß mich aber immer weniger Filme wirklich interessieren. Dann kann es schon mal vorkommen, daß ich schon kurz nach dem Betrachten eines Films nicht mehr weiß, um was es überhaupt ging.
WeiterlesenWas meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Beastie Boys – Ewigkeit oder Bedeutungslosigkeit
Von Onkel Rosebud
Unter den vielen Dingen, die für meine Freundin das Leben verändern können, sind Basslinien sicher nicht die häufigsten, aber wenn sie den Lauf der Dinge mal bestimmen, hat das doch eine ganz eigene Schönheit. Beispiel gefällig? „Sabotage“ von den Beastie Boys. Das mächtig losprustende Bass-Riff dauert nur drei Minuten, die sich wie eineinhalb anfühlen, auch weil der Song ziemlich genau in der Mitte kurz endet. Und, wenn dann der Euphorieschub durch Adam Yauchs hysterischen Pogo-Befehl einsetzt… ach, herrlich, und seit über 30 Jahren enorm wohltuend.
WeiterlesenRemmel & Rattlesnakes – Little Western Songs From The North – Inverse Music Group 2026
Von Matthias Bosenick (20.05.2026)
„Humppa is a serious thing“, mahnten bereits andere finnische Merkwürdigkeitsmusiker, nämlich Eläkeläiset, und deren Mitstreiter Steve’n’Seagulls verfahren ähnlich, wenn sie Rock- und Pop-Klassiker als Country und Bluegrass – oder auch Newgrass – neu interpretieren. Das sieht lustig aus, ist eine lustige Idee, aber geschähe die Umsetzung nicht bierernst, fiele sie nicht so gut aus. Tomi Tajakka von Steve’n’Seagulls debütiert nun als Remmel & Rattlesnakes mit der EP „Little Western Songs From The North“, und die meint das modernisierte Genre sehr, sehr ernst.
Dead Tree Seeds – Toxic Thoughts – M&O Music 2024/Dead Tree Seeds 2026
Von Matthias Bosenick (20.05.2026)
Wenn einer der fünf Musiker der Pariser Band Dead Tree Seeds auf dem Promo-Foto schon ein Slayer-T-Shirt trägt, ist viel gespoilert: „Toxic Thoughts“, das frisch digital neu zugänglich gemachte, zwei Jahre alte dritte Album des Quintetts, setzt genau bei jenen alten Helden an und lässt einen genretreuen Brocken an Oldschool-Thrash-Metal über der Hörerschaft herabbrechen. Mit diesem Album präsentierte die 2009 gegründete Band ihren neuen Mann am Mikro – und der trägt den munter passenden Namen Franck Le Hard.
Faded Remembrance – The Blessing Of Downfall – Bitume Prods 2026
Von Matthias Bosenick (19.05.2026)
Was am Vorgänger „Dying Age“ unschön war, behebt Tamás Géza Albert aus Győr auf dem vierten Album „The Blessing Of Downfall“ seines Projektes Faded Remembrance bedauerlicherweise nicht: Die Idee, Doom-Metal mit Blasinstrumenten und Synthies zu kombinieren, erfährt Punktabzüge aufgrund der schmerzhaft sägenden Gitarre und der technischen Holprigkeit. Manchmal ist es offenbar doch besser, wenn einem Bandmitglieder die grundsätzlich guten Ideen mal im Detail etwas korrigieren.
Doppler – Pourquoi ce Disque? – Bigoût Records/Atypeek Music 2026
Von Matthias Bosenick (19.05.2026)
Hard- und Mathcore schreiben Doppler (Eigenschreibweise: DOPPLeR) aus Lyon auf ihre Schublade, aber hört man sich „Pourquoi ce Disque?“ an, das erst dritte Album in fast 30 Jahren Bandgeschichte, öffnen sich noch ganz andere Horizonte. Die Mucke frickelt, bratzt, noiset, gönnt sich aber auch mal Ruhe. The shape of Sleepytime Gorilla Fugazi to come, möglicherweise.
Stefano Panunzi – Caravaggio – SP Music/Burning Shed 2026
Von Matthias Bosenick (18.05.2026)
Der Mann meint’s ernst: Zweieinhalb Stunden dauert „Caravaggio“, das fünfte Solo-Album von Stefano Panunzi. Auf 24 Tracks beleuchtet der Römer mit prominenter Hilfe die barocke Hell-Dunkel-Ästhetik des titelgebenden Malers und befleißigt sich dafür maßgeblich der Gestaltungsform des – wie passend – Art-Rock. Freunde von Marillion mit Steve Hogarth oder von Steven Wilson dürften hier ihre größtmögliche Freude erfahren, für alle anderen sind hier immer noch einige tolle Momente verteilt. Man braucht aber eine Menge Sitzfleisch, um diese Flut zu bewältigen.









