Emi Fe Ensemble – Tales Of The Realm Of Wishes – Iapetus Media 2026

Von Matthias Bosenick (16.06.2026)

Wer auf den pfiffigen Einsatz von Pfeiftönen pfeift, dürfte mit den „Tales Of The Realm Of Wishes“ einige Probleme haben. Darauf lässt das eigens zur Improvisation zusammengerufene Emi Fe Ensemble musikalische Herangehensweisen aus Nord- und Süd-Europa aufeinandertreffen und kurioserweise partiell etwas annähernd Orientalisches entstehen. Für etwas Improvisiertes wirkt dieses Album erstaunlich komponiert – so ist das, wenn Profis arbeiten.

Das Pfeifen ist aber eine Herausforderung. Und weckt sofort stapelweise Assoziationen: „Die Arnoldskinder reißen aus, Teil 1“ von Carsten Bohn’s Bandstand, Eingeweihten bekannt als eine der ersten Titelmelodien der Hörspielserie „Die drei ???“, „A Fistful Of Dollars“ von Ennio Morricone, „Twisted Nerve“ aus „Kill Bill“, „Young Folks“ von Peter Bjorn & John, „Alpha Beta Gaga“ von Air, „Always Look At The Bright Side Of Life“ von Monty Python, naja, „Wind Of Change“, „Don’t Worry, Be Happy“, „Patience“, Ilse Werner, da kommt doch mehr zusammen, als man zunächst denkt. Und auch, wenn das Pfeifen hier dem Spaghettiwestern näher ist als dem Schmockrock, muss man es schon mögen, um das Album durchzuhören.

Das wiederum lohnt sich, das Ensemble improvisiert ein entspanntes, einer nicht näher identifizierbaren Folklore nahes Album, mit minimalistischen perkussiven Rhythmen, freundlich gezupften Saiteninstrumenten, leichten Synthies, gelegentlichen unverständlichen Gesängen – und eben dem Pfeifen. Die Musik, die so entsteht, ist frei von gewohnten Strukturen, also ohne Strophen und Refrains, vielmehr episch, uferlos, assoziativ. Manche Stücke erinnern an den Regenwald, manche an den Orient, manche an Sergio Leone. Trotz behutsam gesteigerter Intensität eignet sich die Musik zur Entspannung, jedenfalls, sofern man das Pfeifen genießen kann.

Dieses Pfeifen nun Steuert Elena Somarè (andere Quellen schreiben, offenbar fälschlich, Somaré) bei, und bei ihr handelt es sich um eine weltberühmte Pfeiferin aus Mailand. Ihr gelingt es, ihre gespitzten Lippen ganz in den Dienst der Musik zu stellen, die ihre drei Kollegen um sie herum generieren; auch wenn ihr angeborenes Instrument auffällt, fügt es sich doch ein. Diese Instrumentalisten sind Mats Hedberg aus Stockholm mit akustischen wie elektrischen Gitarren, Oud und E-Bow, Giovanni Imparato aus Neapel an den Percussions und am Mikro sowie der Berliner Bernhard Wöstheinrich mit den Synthies und Soundscapes.