Von Onkel Rosebud
Meine Freundin hat mich genötigt, diesen Text über die Serie „Alphamännchen“ zu schreiben. Eigentlich hatte ich das nicht vor, weil der Verriss über eine deutsche Komödie, die sich mit dem Thema toxische Männlichkeit und Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzt, überflüssig ist. Doch wegen des Schauspielers Moritz Führmann, der einen zweifacher Vater, der in der Kluft zwischen Familienalltag und libidinösen Dauerbegeisterung seiner Frau Silke (auch toll Franziska Machens) nicht klarkommt, darbietet, mache ich eine Ausnahme.
Herr Führmann hat eine Hauptrolle als Postbote und Schützenkönig in der Krimireihe „Harter Brocken“, worüber ich Anfang 2025 schon auf dieser Plattform berichtet habe.
Und nun hole mal etwas weiter aus: Der Begriff Alphamännchen kommt aus der Tierwelt, in der das stärkste Männchen der Gruppe einer Spezies in meist nicht lebensgefährlichen Kämpfen an die Spitze einer Hierarchie gelangt, die danach so stabil ist, dass Feindseligkeiten in der Gruppe abnehmen oder ausbleiben. Was in der Fauna durchaus Sinn macht, funktioniert bei Homo sapiens sapiens nicht. Hier sind die Alphas der Stoff des Instabilen, aus dem Krisen, Konflikte und Kriege gemacht sind. Man muss nicht pathologisch sein und über 40 Jahre alte Texte von Hebbet Grönemeyer bemühen, um zu wissen, dass Männer es schwer haben und leichtnehmen, außen hart sind und innen ganz weich. Dass sie verletzlich sind und mit dem Kopf durch die Wand müssen. Dass sie ständig unter Strom stehen, am Telefon lügen und allzeit bereit sind.
In dem achtteiligen Remake der spanischen Serie „Los hombres de Paco“, mit jeweils gut halbstündigen Folgen, geht es um vier beste Freunde, die sich seit der Jugend kennen und sich immer noch beim Fußball versammeln, um im Anschluss im Umkleideraum Reden zu schwingen, sich gegenseitig hochnehmen und manchmal auch tiefer in die Karten blicken lassen als beabsichtigt, wenn sich männliches Wunschdenken und die bittere Realität mal wieder nicht richtig übereinbringen wollen. Schöne Menschen, wo man immer hinsieht, sind so oberflächlich, dass man fast froh ist, dass von den Hauptfiguren einer sich als unsäglicher Boomer entpuppt, der andere ein fürchterlicher Langweiler ist, der dritte ein alter Schisser und der letzte ein oberflächlicher Angeber.
Das alles wäre nicht so schlimm wegzugucken, wenn die eh schon dürftigen Handlungsstränge von abseitigen Drehbuchideen zusammengehalten werden. Zum Beispiel, wenn die Eltern im Swingerklub getroffen werden oder die Tochter den Papa zum Tindern nötigt und der muss zehn Dates absolvieren, um über die Ex hinwegzukommen.
Generell hätte ich mir gewünscht, dass sich diese verfilmten Betrachtungen zum bemitleidenswerten Zustand des bewegten Mannes im heute etwas mehr zu Momenten echter Erkenntnis verdichten. Da haben auch Gaststars wie Jasna Fritzi Bauer oder Lukas Podolski nicht weiterhelfen können.
Onkel Rosebud
