Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Tears For Fears – Scheiße angezogen, ernst gucken

Von Onkel Rosebud

Wie vermutlich viele Menschen, die sich für populäre Musik interessieren, hat meine Freundin eine Liste mit Bands, die sie unbedingt noch live sehen will. Unsere Schnittmenge für Formationen, die noch oder schon wieder am Start sind, ergab unter anderem Tears For Fears. Für sie wegen „Shout“, dem hornhautfräsenden Song, der sich der Hitformel von Abba und den Beatles bedient: nicht mit der Strophe, sondern gleich mit dem Refrain loszulegen. Für mich wegen dem Album „The Seeds Of Love“ (Fontana Records, 1989), mit dem die Band dem Synthie-Pop entwuchs und das ich für das beste Alben der 80er halte. Und glaubt mir, diese Kategorie habe ich mit summa cum laude absolviert, wenn man Joy Division aus der Wertung nimmt.

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Tracy Bryant – The Well – Taxi Gauche Records 2026

Von Matthias Bosenick (14.04.2026)

Mit seinem neuen Album „The Well“ fordert der Kalifornier Tracy Bryant die Genresucher heraus: Musikalisch und stilistisch lässt es sich nicht einordnen, so reduziert, wie es in Triobesetzung eingespielt wurde, und so wenig opulent die schwer zu identifizierenden Instrumente zum Einsatz kommen. Und trotzdem bleibt man dran, weil jeder Song etwas Neues, Eigenes bietet, was den Grundton nicht beeinträchtigt, sondern erweitert, und der liegt irgendwo im krautigen Postpunk-Indiefolk.

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Design – Faithless – Overdub Recordings 2026

Von Matthias Bosenick (13.04.2026)

Da steckt Feuer drin, und zwar ein Feuer aus mindestens zwei Welten: Electro und Rock kombiniert das Quartett Design aus Ancona auf „Faithless“, seinem dritten Album nach zehn Jahren Pause, zu einer Melange, die man in den USA möglicherweise als Industrial Rock bezeichnen würde. Starke Wave-Anteile und der Hang zur großen Geste machen aus diesem schwer googlebaren Album einen Kandidaten für Festivalbühnen und für die Rotation in abgedunkelten Clubs.

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Urluk – Memories In Fade – Pest Records 2026

Von Matthias Bosenick (12.04.2026)

Nett, dieser Doom! Auf diese Weise zubereitet, ist diese eigentlich brutal düstere Stromgitarren-Musikrichtung wohl recht exklusiv: Urluk ist ein eher so halbanonymes Duo aus Mailand, das den schleppenden Doom glättet und ihn mit in dieser Darbietung unerwarteten Zutaten würzt. „Memories In Fade“ ist bereits das zweite Album der beiden Eulen – was Urluk im mailänder Dialekt heißt.

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Brigitte Calls Me Baby – Irreversible – ATO 2026

Von Guido Dörheide (03.04.2026)

„Endlich wieder Morrissey hören, ohne danach zu duschen“, schrieb Sven Kabelitz 2024 auf laut.de über Brigitte Calls Ne Babys Debütalbum „The Future Is Our Way Out“ und machte mich neugierig auf diese neue Band aus Chicago, Illinois, USA. Und wahrlich – das Album klang sehr schön nach den Smiths, allerdings so sehr, dass ich mich nicht traute, der Band tatsächlich zu trauen.

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Kim Gordon – Play Me – Matador 2026

Von Guido Dörheide (03.04.2026)

Sonic Youth – die älteren Lesenden erinnern sich –, jene Noiserocklegende aus NYC, die von 1982 bis 2009 in regelmäßigen Abständen für ekstatische Verzückung sowohl bei den Kritisierenden als auch bei den Hörenden sorgte und die dann nach der Trennung von Thurston Moore (Gesang, Gitarre) und Kim Gordon (Bass, Gesang) zunächst einmal auseinanderbrach, waren ja immer irgendwie mehr vom Gesang und der Gitarre Thurston Moores geprägt – umso wunderbarer war es immer, wenn Kim Gordon den Gesang übernahm und auf Songs wie „Tunic“ (für die unvergessene Karen Carpenter) oder „Kool Thing“ (dort gemeinsam mit Chuck D von Public Enemy) mit gelangweiltem Nölen und unglaublich toller Stimme bezaubernde und urst in den Bann ziehende Großtaten auf der melodischen Seite des Noiserocks ablieferte.

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Skip Danko B-Movie Road Club – Trippin’ On A Chines Market – Aalzorp Recordz/Z-Muzic/Rasant 2026

Von Matthias Bosenick (06.04.2026)

Was verbindet Aurich mit der kalifornischen Wüste? Skip Danko! Jener Musiker nämlich machte sich auf, von Ostfriesland aus die Welt zu erkunden, traf im Südwesten der USA auf Leute aus dem Umfeld der Desert Sessions und spielte mit alten Weggefährten – darunter Milan East – und Zufallsbegegnungen – darunter R.E.M.-E-Bow-Spieler Peter Buck – als Skip Danko B-Movie Road Club flugs das Album „Trippin’ On A Chinese Market“ ein. Ein Trip, der psychedelischen Noiserock mit dem Staub der Wüste und allerlei weiteren Experimenten verbindet.

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The Notwist – News From Planet Zombie – Morr Music 2026

Von Matthias Bosenick (02.04.2026)

Wer sich auf The Notwist aus Weilheim einlässt, begibt sich seit 37 Jahren mit jedem neuen Album auf eine Reise ins Ungewisse, die aber garantiert gut ausgeht: Für „News From Planet Zombie“ veränderte die Mehr-als-nur-Indierockband die Ausgangsvoraussetzungen bei der Aufnahme, indem die Band das Album mit Gästen live einspielte, und zwar nicht in einem Studio, sondern an einem Kulturort in München, dem Import Export. Nicht nur damit knüpft dieses Album an den ersten großen Hit „12“ von vor 31 Jahren an: Es fällt außerdem weit weniger elektronisch aus als die Alben dazwischen, sondern hat wieder den warmen Sound des Handgemachten.

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Boy Witch – Boy Witch – Green Man Records 2026

Von Matthias Bosenick (01.04.2026)

Alle zehn Jahre kommt der Wahlberliner Felix Rörig mit einem neuen Projekt daher, scheint es: Boy Witch nennt er sein jüngstes, angelehnt an den Song des Unknown Mortal Orchestra, das er auch als musikalischen Einfluss nennt, und ebenso betitelt er auch sein Debütalbum. Das er bis aufs Schlagzeug komplett allein einspielte. Darauf frönt er der Dunkelheit; keiner depressiven, sondern einer nächtlichen, mit elektronisch unterfütterten Popsongs mit Crooning, die er zwischendurch mit teils heftigem psychedelischem Fuzz um sich selbst verdreht.

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Clawfinger – Before We All Die – Perception 2026

Von Matthias Bosenick (31.03.2026)

1993 krachten Clawfinger mitten in den Crossover-Hype hinein, etablierten sich mit dem Debütalbum „Deaf Dumb Blind“ in der Szene und lieferten danach noch einige weitere relevante Tanzflächenfüller ab. Nur stellte sich über Zeit heraus, dass Crossover – also jener aus Metal und Rap – nicht unbedingt das nachhaltigste Genre ist, es nutzte sich schnell ab, Neuveröffentlichungen in dem Genre klangen gestrig, so gern man die alten Kracher auch noch hörte. Wenn jetzt Clawfinger also knapp 20 Jahre nach ihrem letzten Album wieder mit einem neuen auf den Plan treten, das sie auch noch freundlichst „Before We All Die“ nennen, erneuern sie dann sich und das Genre? Spoiler: nein.

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