Von Matthias Bosenick (15.07.2026)
Hätten die Dead Kiwis ihr neues Album mit „Christian Gothic Country“ oder so etwas betitelt, käme das sicherlich lustiger, denn der tatsächliche Titel „Extreme Metal“ trifft einfach nur zu. Geht aber mit dem in Neonfarben gehaltenen Covern mit futuristischen Rittern oder Dinosauriern eine durchgescheuerte Liaison ein, man denkt an vergleichbare Vertreter wie Electric Callboy. Nur dass die Dead Kiwis aus Lyon (und nicht aus Neuseeland) kompromisslos im extremen Metal verbleiben, den sie auf Punk und Hardcore errichten und mathematisch präzisieren.
Archiv der Kategorie: Album
Colonel Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade – Return Of The Live Frogs: Volume 1 – ATO Records/Prawn Song 2026
Von Matthias Bosenick (14.07.2026)
Les Claypool schafft es, auch den Progrock-Verächtern den Progrock nahezubringen – indem er ihn auf seine Weise spielt und sämtliche Grenzen ignoriert. Seine Weise beinhaltet sehr viel Bass, selbstverständlich, so kennen wir es von seiner Hauptband Primus, und neben den genrespezifischen Ausuferungen auch solche mit Charaktereigenschaften, die der gewöhnliche Progrock nicht hat, wie Funk, Reggae, Walzer, Krautrock. 25 Jahre nach den ersten beiden Live-Würfen kehrt er nun mit Colonel Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade zurück, sagt auch der Titel: „Return Of The Live Frogs: Volume 1“, und der lässt zudem auf eine Fortsetzung hoffen.
Reichenhall – Konzert für Zikaden – Iapetus Media 2026
Von Matthias Bosenick (10.07.2026)
Reichenhall behalten ihren Turnus von alle vier Minuten ein neues Zwei-Stunden-Album bei: Ein „Konzert für Zikaden“ ist das neueste Werk dieses Berliner Projektes, abermals eines mit einem Konzept. Dieses Mal bastelte Bandmitglied Lukas Radiomodul im Rahmen eines Aufenthaltes in Šibenik in Kroatien diese knapp 40 Minuten Musik aus bereits erfolgten Aufnahmen des gesamten Teams zusammen, und zwar analog zur Frequenz, in der die Zikaden in den umliegenden Bäumen ratschten. Die sind zwar bedauerlicherweise kaum zu hören, dafür aber mosaikartiges Chill-Out-Electro auf 91 BPM.
Omnitrocy – States Of Conscious Matter – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (10.07.2026)
Hier gibt’s eine halbe Stunde lang auf die Fresse. In ihren groovenden Brutal Death Metal bauen Omnitrocy aus Rumänien auf ihrem Debüt „States Of Conscious Matter“ zwar Brüche und Gimmicks ein, doch überrollt einen hier ein Hybrid aus Speed-Mähdrescher und sämtlichen Teilnehmern einer Box-Weltmeisterschaft. Mehrmals. Und hinterher fühlt man sich erfrischt, so geht das!
Red Sun – Songs From Hidden Places – Subsounds Records 2026
Von Matthias Bosenick (09.07.2026)
Das ist schon interessant: Auch ohne Kenntnis, dass es sich bei Red Sun um eine italienische Band handelt, käme man allein angesichts des Gesangs auf die Idee, dass dies der Fall sein könnte. Denn der Gesang von Elisa Brusati erinnert in Ausdruck und Intensität stark an den Italopop der Achtziger, man ahnt „Ti sento“ von Matia Bazar, beispielsweise. Da steckt ein Feuer drin, das noch heller lodert als die Musik drumherum, und die siedelt das restliche Trio im psychedelischen Spacerock an. Restlich deshalb, weil Gesang auf dem vierten Album „Songs From Hidden Places“ erstmals zum Einsatz kommt, es also bereits drei Alben zu dritt gibt. Und es gibt noch mehr Entwicklungen hier.
Spezial: addicted/noname label aus Moskau, Teil 20
Von Matthias Bosenick (08.07.2026)
So viel Neues bei unseren Freunden aus Moskau! Spacigen Post Rock mit The Invisible Machine Engine, Sludge-Punk mit Buddapropildzen, groovenden Stoner-Doom mit M/Eye, Doom mit Megalith Levitation und Dekonstruktor, Avantgarde-Noisecore mit Mrmraum, Jazzcore mit Topot Dark Trio, Breakbeat-Crossover mit Jammie Dong, Doom mit Zatvor und verspielt-progressive Musik mit Detieti.
PigFace with Genesis P-Orridge – Howler: An English Breakfast – Overdrive Records/PPIM 2026
Von Matthias Bosenick (06.07.2026)
Vorsicht: Sammler sämtlicher Alben von Pigface haben diese Musik bereits, nämlich auf der zweiten CD des vierten Albums „A New High In Low“. Nicht indes haben sie sie auf Vinyl, schon gar nicht im launigen Splatter. Ansonsten lässt sich zu „Howler: An English Breakfast“ feststellen, dass eine Impro-Session mit dem bekloppten Genesis P-Orridge immerhin chilligen Dub ergibt, über den ein Kasper quasselt. Freunde von Mick Harris (Napalm Death, Scorn) dürfen sich über dessen Beteiligung an der Session freuen.
BalashToth – Equation II: The Antithesis Of Life And Free Will – Pest Records/Metal Ör Die Records/ Not Even Music 2026
Von Matthias Bosenick (06.07.2026)
Nicht schlecht: Mit dem zweiten Teil der „Equation“-Reihe veröffentlicht die irische Ein-Personen-Band BalashToth ihr Debütalbum, sieben Jahre nach der Gründung. Darauf zu hören gibt es Melodic Death Metal Göteborger Art, darauf zu lesen gibt es, analog zu einem anderen Musiker aus Irland, mathematische Zeichen in den Titeln, aber anders als bei jenem anderen Musiker aus Irland kann man sich „Equation II: The Antithesis Of Life And Free Will“ schadlos anhören.
Breeding Chaos – Distant Planets – Breeding Chaos 2024/Great Dane Records 2026
Von Matthias Bosenick (01.07.2026)
Weil die nachgereichte Single „Legion Of The Dead“ von Breeding Chaos aus Marseille im vergangenen Jahr so viel Staub aufwirbelte, kommt das selbstveröffentlichte Debüt „Distant Planets“ aus dem Jahr 2024 jetzt nochmal via Label heraus. Nach all den Jahrtausenden, die es Musik gibt, erfinden die vier Franzosen ein neues Genre: Cosmic Death Metal. Heißt: Die Musik ist brutal und böse, dunkel und auf die Fresse, aber birgt progressive Anteile und behandelt gegrowlte Weltraumthemen. Für so viel gewitzten Einfallsreichtum nimmt man manche Holprigkeiten grinsend und matteschüttelnd in Kauf.
Голуби и Безумные Кашевары – Сердце – addicted/noname label 2026
Von Matthias Bosenick (01.07.2026)
Auf seinem neuen Album „Сердце“, „Herz“, steigert sich das riesengroße Kollektiv Голуби и Безумные Кашевары, Tauben und verrückte Porridge-Köche, in Sachen Tempo und Energie im Verlauf der Spielzeit. Mit einer erheblichen Bläserfraktion und diversen Stimmen inklusive Chor generiert die Band aus St. Petersburg eine gottlob schwer sortierbare, in jedem Fall mitreißende Musik, psychedelisch grundiert und zur ausgelassenen Party neigend. Mag man gar nicht glauben, dass dies ein Livemitschnitt ist!









