Von Matthias Bosenick (02.07.2026)
Die verrückten Römer sind wieder da! „Drops Of Sunshine In The City Of Spectres“ liest sich beinahe länger, als es braucht, diese zweie EP des maskierten Kollektivs zu hören. Darauf machen Fiesta Alba hypernervösen Frickelkram, den man nicht mal konkret der Rockmusik zuordnen kann. Jazz, Afrobeat, Art-Pop, Folk, weit mehr als das ist drin, und anstatt das satte Gebräu zu übersättigen, richten die Musizierenden es behutsam und zurückgenommen aus. Erstaunlich genug bei all der Frickelei, dass dabei anspruchsvolle, aber dennoch leicht zugängliche Musik entsteht.
Fiesta Alba selbst führen noch Schlagworte wie Progressive oder Math Rock ins Feld, aber so sehr Rockmusik ist das hier doch gar nicht. Den Frank Zappa oder den Les Claypool kann man hier in ihrer Versponnenheit durchaus heraushören, nicht indes als Vorbilder für irgendeine Art von Rock’n’Roll. Das ist eben der Pluspunkt für Fiesta Alba: Die Reminiszenzen liegen woanders, bei Vertretern des Afrobeat, bei Fela Kuti oder „My Life In The Bush Of Ghosts“ von Brian Eno und David Byrne, oder auch bei IDM-Experten vom Warp-Label, wenn etwa die Frickelei im Quasi-Titeltrack „The City Of Spectres I“ elektronisch generiert ist. „Kinder Egg Surprise“ ist sogar ein waschechter Popsong, indes einer, der sich zeitlich gar nicht verorten lässt – er ist so retro, wie er modern ist.
Die Band hätte jetzt beigehen können und alle Tracks in Unübersichtlichkeit und Noise ertränken, um das Experimentelle und Eigensinnige hervorzuheben. Aber diese Form von Aufsehen liegt Fiesta Alba nicht, im Gegenteil, experimentell sein geht auch ohne Gebrüll, denn dann ist man als konsumierende Person zum genaueren Zuhören aufgefordert und nimmt die Feinheiten besser wahr, die die Band hier einbaut. Zu denen gehört durchaus, wie in „Uncontacted“, auch mal eine Bratzgitarre, aber die überdeckt das Verspielte nicht. Eine Geige darf sich auch in den Sound mogeln, und selbst die passt.
So geheimnisvoll wie die Musik ist auch die Band dahinter. Seit der selbstbetitelten Debüt-EP im Jahr 2023 halten die mit Wrestlermasken anonymisierten Musizierenden ihre Identitäten bedeckt und geben lediglich Pseudonyme preis, die da lauten: Octagon, Dos Caras, Fishman, Sangre Azteca und Paltamayo. Man vermisst Pyerroth, der noch auf der ersten EP und dem Debüt „Pyrotechnic Babel“ dabei war, dafür sind die letzten beiden neu. Und es gibt Gesangsgäste: Jazzrocker Diego Pandiscia von der Band Underdog, Electropunkjazzerin Tiziana Lo Conte von Bands wie Gronge, Goah, Roseluxx oder Il Wedding Kollektiv sowie Alessandra Plini, die mit dem Duo Clessidra und der Band Mi Mancha Chiunque Bereiche zwischen traditionell und progressiv auslotet und nicht zum ersten Mal mit Fiesta Alba zusammenarbeitet.
