Von Matthias Bosenick (08.09.2026)
Neues aus der Krachmacherstraße: Aus den jüngsten Sessions von Drazek Fuscaldo mit Schlagzeuger Jörg A. Schneider, Trompeter Thymme Jones und Bassist Tatsu Aoki geht so viel Material hervor, dass das Chicagoer Duo es im Zwei-Wochen-Rhythmus auf diverse Labels verteilt herausbringt. Und von wegen Krach: „Fata Morgana“ ist das exakte Gegenteil, eine Chill-Out-Jazz-Session, die losgelöst die Freiheit im Traumland zelebriert.
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DNLB – PhaeOne/PhaseTwo – db2fluctuation 2026
Von Matthias Bosenick (31.08.2026)
Für sein zweiteiliges neues Programm „Phase“ – bestehend aus den Einzelveröffentlichungen „PhaseOne“ und „PhaseTwo“ – poliert Daniel Bressanutti, hier DNLB genannt, seine Synthies mit Glasreiniger. So klare Sounds, als säße der Mitgründer der belgischen EBM-Erfinder Front 242 direkt im Kopf der Hörerschaft. Und dort stellt er alles auf den selbigen: Was als Ambient beginnt, bekommt im zweiten Teil einen extrem scharfen Beat.
Drazek Fuscaldo – Mirage – Drazek Fuscaldo 2026
Von Matthias Bosenick (14.08.2026)
Der vollständige Projektname zu dieser Veröffentlichung aus Chicago lautet Drazek Fuscaldo feat. Jörg A. Schneider, Tatsu Aoki & Thymme Jones, denn dieses jüngste Album „Mirage“ entstand so etwas in der Art wie zu fünft. Zu hören gibt es die hypnotischste, entspannteste freie Jazzmusik, die man sich vorstellen kann. Nichts für das angesagte Kaffeehaus, sondern für den entspannten Genuss zu Hause. Mit unter anderem Trompeten, Piano, Gesang und einem gelösten Schlagzeug – und alles davon ganz anders, als man glaubt, wenn man das so liest. Zum Schluss gibt’s nämlich sogar Grooves!
Wolf Kadaver & Die Betrüger – Pseudologia Phantastica/Dislike – Tanzende Kadaver 2026
Von Matthias Bosenick (12.08.2026)
Ein fa-fa-fa-fantastisches neues Album allein reicht Wolf Kadaver & Die Betrüger nicht aus, falscher Genitiv im Bandnamen begründet: Die Single „Dislike“ mit zwei exklusiven Tracks gibt’s gleichzeitig zu „Pseudologia Phantastica“ dazu. Ganz nach Art der Hauptband des Braunschweiger Sängers und Bandkopfes, Tanzende Kadaver, dominiert hier der oldschoolige Uptempo-Punk, indes in allen Fassetten plus vielen anderen Sounds, von Offbeat bis zum Synthiepop. Textlich breitet sich die Band zwischen Fun, Soziologie, Horror und blutigem Ernst aus – inklusive eines feinen Popsongs gegen den Rechtsruck. Ungelogen!
Soom – Все, що я намагався сховати – Soom/Kvlt ov Ї 2026
Von Matthias Bosenick (30.07.2026)
Nahezu unbemerkt sind Soom wieder da. 2018 erschien das zweite und letzte Album „Джєбарс“ der Band aus Charkiw in der Ukraine, also sowohl noch vor der Corona-Pandemie als auch vor dem russischen Angriffskrieg, ab 2019 war Ruhe, und über Nacht und Nebel liegt mit „Все, що я намагався сховати“ plötzlich eine neue Single vor. „Alles, was ich zu verbergen versuchte“ setzt den Doom-Weg fort, den die Band seit 2013 praktizierte. Wer zur Band gehört, bleibt offen: Schlagzeuger Mykola Sostin alias Amorth starb 2024 im Verteidigungskrieg gegen Russland. Möglicherweise, auch das ist ungesagt, ist dieser Track eine Reaktion auf diese unsagbar schlimmen Umstände.
Dirk Serries – 252608 – Dirk Serries‘ Stream Of Consciousness 2026
Von Matthias Bosenick (21.07.2026)
Immer wieder begeistert es, wie Dirk Serries es schafft, seine Gitarre so klingen zu lassen, als wäre sie alles andere als eine Gitarre. „252608“ ist der neueste Teil seiner unüberblickbar reichhaltigen Reihe „Stream Of Consciousness“, in der er die Tiefen seiner eigenen musikalischen Biografie auslotet, indem er allein auf seinem Instrument mit einem Stapel Effektgeräte Ambient generiert. Mehr muss man auch gar nicht wissen, sondern einfach nur abtauchen.
Spezial: Singles und EPs (3)
Von Matthias Bosenick (16.07.2026)
Ein weiteres Spezial mit Singles oder Ein-Song-Veröffentlichungen, diese Ausgabe mit: Transnadežnost‘, Der Mord, Absent Sunday, Traum, Резина & Евгения Корсетова, The Morning Stars, Sergei Khramtcevich, Ilya Kruchinin & Dušan Petrović, Sacred Buzz, Pressor, Ciolkowska feat. Reya Rising und Lethernal Utopia.
Liyo – Ich will ganz laut schreien – Bluelion Records/The Orchard 2026
Von Matthias Bosenick (13.07.2026)
Eine Zwanzigjährige verarbeitet ihren Liebeskummer: Diese Prämisse verleitet in die Jahre gekommene Hörende außerhalb der Gen Z vermutlich eher nicht dazu, sich „Ich will ganz laut schreien“ anzuhören, die Debüt-EP der in Köln lebenden Berlinerin Liyo. Doch hört man über diese juvenile Nabelschau hinweg, bekommt man ganz ordentlichen Poprock mit Kopfnickern in Richtung New Wave, Electrogebratze, Power-Metal, Pop-Punk und – nun – schlageresker Ballade. Wenn sie künftig ihren Blickwinkel auch für andere Menschen öffnet, hört man ihr bestimmt noch lieber zu.
Spezial: addicted/noname label aus Moskau, Teil 20
Von Matthias Bosenick (08.07.2026)
So viel Neues bei unseren Freunden aus Moskau! Spacigen Post Rock mit The Invisible Machine Engine, Sludge-Punk mit Buddapropildzen, groovenden Stoner-Doom mit M/Eye, Doom mit Megalith Levitation und Dekonstruktor, Avantgarde-Noisecore mit Mrmraum, Jazzcore mit Topot Dark Trio, Breakbeat-Crossover mit Jammie Dong, Doom mit Zatvor und verspielt-progressive Musik mit Detieti.
Onenine + Myk Jung – Duress – Onenine 2026
Von Matthias Bosenick (07.07.2026)
Da wird man auf ein Musikprojekt aufmerksam, weil man einem bestimmten Musiker folgt, und entdeckt dann, dass der Betreiber dieses Projektes nur unwesentlich weniger lang aktiv ist als der, dessentwegen man darauf aufmerksam wurde. Onenine ist das Solo-Projekt von Axel Kleintjes, und man kann einfach nicht alles kennen, zum Beispiel Page 12, seine alte Electro-Band aus den Neunzigern, oder Cyber Axis, bei denen er in den Nullern einstieg. Dafür kennt man eben Myk Jung, weil man dessen Band The Fair Sex vollständig in seinem Regal stehen hat. Jener Jung singt nun auf der neuen Onenine-EP „Duress“ den Titelsong – und man reibt sich überrascht die Ohren: Dieser Dark Electro funktioniert auf allen Ebenen.











