Von Matthias Bosenick (08.06.2026)
Als Dankeschön dafür, den Newsletter abonniert zu haben, verschenken die Stick Men den mehr als anderthalbstündigen Livemitschnitt „20260403 Elkton Music Hall, Elkton, MD“; alle anderen dürfen ihn selbstredend regulär erwerben. Den Progrock hört man hier hautnah heraus: ausufernd, verschachtelt, komplex, frickelig und doch eingängig genug verzaubert das Trio sein Publikum, das auch hörbar angetan ist. Man wähnt sich auch beim Hören der Konserve hautnah mittendrin.
Archiv der Kategorie: Download/Stream
DNLB – ElletroStrada26 – db2fluctuation 2026
Von Matthias Bosenick (28.05.2026)
Der Sound echter Synthies ist einfach unübertroffen, wenn im Anschlag der Tasten Späne zu fliegen scheinen. Seit seinem Abgang von Front 242 verlegt sich Daniel Bressanutti auf Ambient alter Berliner bis Düsseldorfer Schule, dargebracht in Brüsseler Eigensinnigkeit. „ElletroStrada26“ (sic!, nicht elettro) ist sein jüngstes Output, veröffentlicht unter dem noch recht neuen Alias DNLB, verkürzt vom bereits verkürzten Daniel.B. und eigentlich eher eine Spielerei, denn der Sound dieser zwei überlangen Tracks fügt sich in sein bisheriges Oeuvre passgenau ein – und lässt mit harten EBM-Beats die Sehnsucht nach einem finalen Album von Front 242 aufkommen.
Spezial: Singles und EPs
Von Matthias Bosenick (27.05.2026)
Einen Stapel Einzel- oder Single-Veröffentlichungen aus aller Welt gibt‘s: organischen Bigbeat mit Radical Hope (Niederlande), Doom mit Sermon (Türkei), Shoegaze-Psychedelik von Black Reveries (Italien), Alternative Metal mit Godzilla In The Kitchen (Deutschland), heavy Shoegaze mit Felt (Deutschland), Chillout mit SisterLove (England), melodischen Punk mit Half Dollar Dog (Frankreich), Indie-Noiserock mit Резина & Евгения Корсетова (Russland).
Scatterwound – SC01 – Midira Records 2017/Dirk Serries 2026
Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Es ist kompliziert: Der belgische Neu-Franzose Dirk Serries und der Dortmunder N – Hellmut Neidhardt – veröffentlichten „SC01“ ursprünglich noch vor „SC00“ (oder auch „SC0.0“), ihren eigentlich ersten gemeinsamen Aufnahmen. Die waren im Zuge einer Tour mit den Microphonics und N erfolgt, die wiederum bereits 2010 stattgefunden hatte, und erblickten erst 2018 das Licht der Öffentlichkeit, nachdem das Gitarren-Noise-Drone-Duo bereits 2017 den Nachfolger „SC01“ aufgenommen und herausgebracht hatte, und dies nicht mehr unter den kombinierten Künstlernamen, sondern als Scatterwound. Und zwar als Dreifach-LP – die so gut wie vergriffen ist, weshalb diese zweistündigen Noisedrones nun auch erstmals digital verfügbar sind. Wie auch immer: In diesen Mahlstrom lässt man sich gern versenken.
Dead Tree Seeds – Toxic Thoughts – M&O Music 2024/Dead Tree Seeds 2026
Von Matthias Bosenick (20.05.2026)
Wenn einer der fünf Musiker der Pariser Band Dead Tree Seeds auf dem Promo-Foto schon ein Slayer-T-Shirt trägt, ist viel gespoilert: „Toxic Thoughts“, das frisch digital neu zugänglich gemachte, zwei Jahre alte dritte Album des Quintetts, setzt genau bei jenen alten Helden an und lässt einen genretreuen Brocken an Oldschool-Thrash-Metal über der Hörerschaft herabbrechen. Mit diesem Album präsentierte die 2009 gegründete Band ihren neuen Mann am Mikro – und der trägt den munter passenden Namen Franck Le Hard.
Noema – Echoes Of Four – Perma F Music 2026
Von Matthias Bosenick (08.05.2026)
Wie aus einem experimentellen Ansatz eine EP wird: Für „Echoes Of Four“ riefen die beiden schwedischen New-Wave-Helden Leif Ekman und Hans Thunberg das Projekt Noema ins Leben. Sie erstellten auf Basis von vier Akkorden vier Tracks mit vier verschiedenen Stimmungen – oder „Gedanken“, „Sinnen“, was Noema aus dem Griechischen übersetzt heißt. Und in der Tat: Man hört die vier Akkorde jeweils heraus, und doch generieren die auf dieser Basis entstandenen Tracks vier unterschiedliche Gefühlslagen. Man lernt dazu und genießt.
Morrissey – Make-Up Is A Lie (Digital Deluxe Version) – Sire 2026
Von Guido Dörheide (30.03.2026)
Morrissey, der unsympathische ehemalige Gladiolenschwinger aus „Top Of The Pops“, hat es wieder getan: Mit „Make-Up Is A Lie“ veröffentlicht der unsympathische Künstler Stephen Patrick Morrissey aus Old Trafford, Greater Manchester, UK (former member of the EU) sein gefühlt fümmensiebzichstes Soloalbum seit Auflösung der The Smiths, an deren Auflösung der unsympathische britische Sänger nicht unbeteiligt war, im Gegenteil, er war ursächlich dafür. Seitdem kämpft er für den Brexit, setzt sich für Rassismus ein und alle paar Jahre kommt er um die Ecke geschissen und beschuldigt in den mehr oder weniger sozialen Medien den ehemaligen Smiths-Gitarristen Johnny Marr, einer Smiths-Reunion im Wege zu stehen. Was dieser jedes Mal sinngemäß damit pariert, von SPM nicht gefragt worden zu sein und ohnehin für so einen Mumpitz nicht zur Verfügung zu stehen.
WeiterlesenSteve Albini Spezial: Killing Joke und Fugazi – Albini-Demos – 2026
Von Matthias Bosenick (26.03.2026)
Die Relevanz Steve Albinis für den Noiserock ist unabschätzbar, und selbst über dieses schmale Genre hinaus hinterließ der dereinst ebenso schmale Musiker und Produzent tiefe Spuren. Einige erblicken erst posthum – er verstarb 2024 – das offizielle Licht der Welt, zwei aus anderen Genres als dem Noiserock dieser Tage parallel: Interims-Drummer Martin Atkins bringt die „Black Cassette“ der Post-Punks Killing Joke mit einigen Live-Aufnahmen auf der B-Seite als „Extremities: The Albini Demos And Live Beginnings ‘88“ auf Vinyl heraus, die Post-Hardcorer Fugazi reichen ihr späteres Album „In On The Kill Taker“ rein digital als „Albini Sessions (Benefit For Letters Charity)“ nach. Beide Aufnahmen entstanden in Chicago bei Albini.
Dirk Serries – Live Oude Klooster Chapel 2025 – Dirk Serries 2026
Von Matthias Bosenick (24.03.2026)‘
Dieses Album markiert einen besonderen biografischen Punkt im Leben des vielsaitigen Gitarristen Dirk Serries: „Live Oude Klooster Chapel 2025“ war am 16. Oktober das letzte Konzert des Antwerpeners, bevor er ins Nachbarland Frankreich umsiedelte. Ausgestattet mit seiner E-Gitarre und Effektgeräten, machte er sich den ihm bereits mehrfach vertrauten Hallraum der Klosterkapelle in Brecht zunutze und ließ die Töne eine Stunde lang frei schweben. Man darf gespannt sein: Wie setzt er seinen künstlerischen Weg in der meeresfernen Fremde fort?
Bruce Springsteen – Streets Of Minneapolis – Columbia 2026
Von Guido Dörheide (01.02.2026)
Springsteen ist für mich einer der Künstler, der am meisten die USA repräsentieren. Von allen. Dran am Seien. Punkt. Springsteen gibt seit meinem Geburtsjahr den gutherzigen, hart arbeitenden und/oder mit den Widrigkeiten ihres Daseins ringenden Menschen, denen der amerikanische Traum mit Schmackes seinen Arsch ins Gesicht kloppt (Tom Joad aus John Steinbecks „Früchte des Zorns“ ist zum Beispiel so einer), eine Stimme. Man muss sich nur mal die auf der im letzten Jahr erschienenen Expanded Edition des 1982er Albums „Nebraska“ enthaltenen Versionen von „Born In The USA“ anhören: Die aus dem Radio bekannte Version klingt musikalisch nach einem Loblied auf die USA und wurde ja auch schon von hinlänglich bekannten Verbrechern und Vollidioten als solche missunterfehleingeschätzt und als Wahlkampfhymne missbraucht, während der Text den amerikanischen Staat kritisiert.
Weiterlesen










