Drazek Fuscaldo – Fata Morgana – Odd Doo 2026

Von Matthias Bosenick (08.09.2026)

Neues aus der Krachmacherstraße: Aus den jüngsten Sessions von Drazek Fuscaldo mit Schlagzeuger Jörg A. Schneider, Trompeter Thymme Jones und Bassist Tatsu Aoki geht so viel Material hervor, dass das Chicagoer Duo es im Zwei-Wochen-Rhythmus auf diverse Labels verteilt herausbringt. Und von wegen Krach: „Fata Morgana“ ist das exakte Gegenteil, eine Chill-Out-Jazz-Session, die losgelöst die Freiheit im Traumland zelebriert.

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Muto – Muto – Davide Martiello 2026

Von Matthias Bosenick (04.09.2026)

Dieses Album erfordert Zeit, und zwar Zeit, sich fallen zu lassen, alles auszuschalten, was Alltag bedeutet, seine Gedanken zu lockern und in die Leere zu schicken, seinen Körper vom Untergrund zu lösen und Worte wie Nebel zerstieben zu lassen. Muto nennt Jazzgitarrist Davide Martiello sein Soloprojekt, „Muto“ nennt er auch sein Debüt, und auf dem spielt der wohnhafte Florentiner seine Gitarre als Chill-Out-Instrument, indem er Tracks generiert zwischen Neoklassik, Ambient und Post-Rock, und zwar ausschließlich auf seiner Gitarre.

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Vibravoid – A Reason For Now – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (03.09.2026)

Ein wichtiges Zeichen der Nachhaltigkeit kommt dieser Tage aus Düsseldorf: Vom Individualverkehr auf den ÖPNV satteln Vibravoid um, nämlich von der Kraftwerkschen „Autobahn“ auf die ureigene „Straßenbahn“. Die Fahrt geht auch noch doppelt so schnell. Auf „A Reason For Now“, ihrem neuen Album, wildern die Kraut-, Stoner- und Psychedelik-Rocker in noch mehr Gewässern als den genannten, so darf man sich auch mal in den Neunzigern in Nordengland wiederfinden. Als Bonus gibt’s den selbstgedrehten 40minütigen Stummfilm „Im Zeichen des Zwilling“ aus dem Jahr 2019 on top obendrauf, außerdem kündigt der Bandchef ein Buch über die Düsseldorfer Subkultur an.

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Hyperdump – Weird Stories From Dumptown – Octopus Rising 2026

Von Matthias Bosenick (01.09.2026)

Wie klingt eine Band, die Faith No More, Devin Townsend und Strapping Young Lad als Einflüsse angibt? Irgendwie nach Gojira, die etwas kompakter und zugänglicher unterwegs sind. Solches trifft auf Hyperdump und deren drittes Album „Weird Stories From Dumptown“ zu, und wie’s der Zufall will, sind auch diese fünf Musiker aus Frankreich, ganz wie Gojira. Hier bekommen Nackenmuskel eine besonders heftige Massage.

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Mastodon – Marrow Deep – Loma Vista 2026

Von Guido Dörheide (30.08.2026)

Mastodon liegen mir unter allen Metalbands, die ausschließlich Klargesang einsetzen, besonders am Herzen. Hier vermischen sich harter Rock, Sludge, Jazz, klassischer Heavy Metal und Progressive Metal auf eine Art und Weise, wie ich es sonst nur entfernt ähnlich bei Baroness erlebe. 2025 war ein hartes Jahr für die Band aus Atlanta, Georgia, US of A: Im März verließ mit Brent Hinds nicht nur einer von Mastodons damals drei Sängern und zwei Gitarristen, sondern mit seiner holzfällerartigen Erscheinung und seinen zwischen streitbar und erratisch schwankenden Statements („I fucking hate Heavy Metal“/„A shit band with horrible humans“) auch sowas wie das Gesicht Mastodons die Band. Im November starb Hinds in Folge eines Motorradunfalls. Ein danach erschienenes Interview mit der Band zeichnet das Bild eines psychisch schwer angeschlagenen Menschen mit einem massiven Suchtproblem, mit dem auszukommen in etwa so leicht gewesen sein musste wie mit Ginger Baker in nüchternem Zustand. Die Geschichte der Band wäre ohne Hinds und mit dem neuen Leadgitarristen Nick Johnston und dem jetzt fest zur Band gehörenden Tourkeyboarder João Nogueira (bekannt und beliebt aus keiner geringeren Band als The Claypool Lennon Deririum!!!) ohnehin weitergegangen, aber Hinds’ Tod markiert einen nochmals tieferen Einschnitt als sein bloßer Rauswurf und macht „Marrow Deep“ zu einem Album, auf dem nicht nur die Erwartung, Mastodon können musikalisch ähnlich eindrucksvoll weitermachen als zuvor, sondern auch, dass sie Hinds ein angemessenes Denkmal errichten, lastet.

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Dinosaur Jr. – There Near – Jagjaguwar 2026

Von Guido Dörheide (29.08.2026)

Mit „Freak Scene“ vom 1988er Album „Bug“ katapultierten sich Dinosaur Jr. auf (oder heißt es „in“?) den Olymp des US-Amerikanischen harten Indie-Rocks, bereits ein Jahr zuvor veröffentlichten sie mit „Just Like Heaven“ eine der wohl besten Coverversionen eines Songs überhaupt (Okay – falls sich diese Aussage im Nachhinein als nicht haltbar herausstellen sollte, grenze ich den Vergleich ein wenig ein: die wohl beste Coverversion eines im selben Jahr erschienenen The-Cure-Originals). Dann folgte die Trennung, Bassist Lou Barlow konzentrierte sich auf seine wunderbare Lo-Fi-Kapelle Sebadoh und Gitarrist und Sänger J Mascis machte mit Murph und Mike Johnson am Bass bis 1993 weiter, dann ging auch Murph und Dinosaur Jr. wurde eigentlich zu einem J-Mascis-Soloding mit Johnson unverändert am Bass und gefühlt 50 weiteren Mitstreitenden. Das hielt aber nur für ein Album an („Hand It Over“ von 1997), dann war für 10 Jahre Schluss.

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S.U.G.A.R. – III – Alien Snatch! Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.08.2026)

Garagigen Turbo-Rock’n’Roll einer so alten Schule, dass sie keiner Zeit mehr angehört, machen S.U.G.A.R. aus Berlin. Zu dritt, daher wohl auch der Titel „III“ für ihr drittes Album, kann aber auch andere Hintergründe haben. Das rockt, das gniedelt, das rollt, das fetzt und das hat catchy rauhe Melodien. Kommt einem irgendwie bekannt vor, aber aus so vielen verschiedenen Töpfen, dass das schon wieder ein eigener wird. Aber Vorsicht: Die Punkte im Bandnamen nicht vergessen, sonst landet man bei Bob Mould. Auch fein, klar!

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Was Guido gehört hat… im Juli 2026

Von Guido Dörheide (28.08.2026)

Moonspell – Deep Purple – The Rolling Stones

Dieses Mal erscheint meine Monatsrückblickskolumne wieder folgerichtig im Folgemonat, aber ohne das „sonst noch“ im Titel, da ich es bisher nicht hinbekommen habe, eine der zahlreichen schönen Juli-Neuerscheinungen einzeln zu rezensieren. Der August im Hause Dörheide ist überschattet vom Unfall unseres dreijährigen Katers Fritz: Am Morgen des 7. August fand die Liebste den kleinen schwarzweißen Kater reglos auf dem Grundstück unseres heruntergekommenen Mehrfamilienhauses zu liegen. Er blutete stark. Unsere Tierärztin in Goslar fertigte ein Innenporträt mittels X-Strahlung an und schickte uns sofort in die Tierärztliche Hochschule Hannover. Dort folgten weitere Aufnahmen, Ergebnis: Höchstwahrscheinlich hat ihn ein Fahrzeug hinten rechts angefahren, beidseitiger Beckenbruch, komplett überdehnte Bänder in den hinteren Sprunggelenken und zahlreiche Hautabschürfungen, Wirbelsäule zum Glück OK. Nach Operation und knapp einwöchiger Nachsorge haben wir ihn wieder nach Hause holen können. Seitdem lebt Fritz in einen Käfig und muss uns Bescheid sagen, wenn er mal aufs Klo möchte. Das ist kein Leben für eine Katze. Wenn die Hinterbeine nichts mehr werden, müsse er eingeschläfert werden, sagte die Goslarsche Tierärztin; zum Glück bemüht sich der Kleine seit einigen Tagen eifrig, sich aufzustellen, hinzuhocken und innerhalb des Käfigs ein paar Schritte zu gehen. Die Liebste und ich hoffen, dass er damit über den Berg ist und es nun nur noch aufwärts geht. Das Haus verlassen wird er nie wieder, da sind wir uns einig. Er war eh immer so selten und nur ganz kurz draußen, und dann geht er mal über Nacht raus und dann sowas.

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Coal & Crayon – Coal & Crayon – Teilchensturm 2026

Von Matthias Bosenick (28.08.2026)

Selbstbetitelt, aber nicht das Debüt von Coal & Crayon, deren neues Album „Coal & Crayon“ den selben Titel trägt, wie die Band heißt. Wommama ernstbleim: Unter Progressive Post-Metal firmiert das Quintett aus Bergen auf Rügen, was sich hier anhört wie Alternative Rock bis Metal mit Anwandlungen zwischen Verschachtelt und Harmonisch, und das – Gott sei’s gedankt – unter Unterlassung des Tappens in die Popfalle. Es tut der Musik sogar gut, dass sie nicht wirklich vorrangig richtig heavy ist – gut ist sie allemal.

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