H. Hilker, A. Pehlemann, A. Ulrich, J. Wagner (Hg.) – Power von der Eastside: Jugendradio DT64, Massenmedium und Massenbewegung – Ventil 2025

Von Matthias Bosenick (25.04.2025)

Wir hörten DT64 damals, im Zonenrandgebiet, obschon zumeist zur Nachwendezeit erst, weil der Sender ein Musikprogramm bot, das man von den renommierten Sendern aus der Gegend nicht mehr kannte, da die sich in Richtung Formatradio verabschiedet hatten. Was wir alles nicht wussten – etwa, was der Name bedeutete, welche Rolle der Sender zu DDR-Zeiten spielte und welche phantasievollen Kämpfe es nach der Wende um den Erhalt dieser wichtigen Einrichtung gab –, das erfährt man nun in diesem Buch, nach einem Slogan des ursprünglichen FDJ-Senders „Power von der Eastside“ genannt. Und man lernt in diesem Kompendium aus bereits 1993 erschienenen und neu angefertigten Aufsätzen auch so einiges über Selbstverständnis und Selbstermächtigung im Unrechtsstaat, deutsch-deutsche Geschichte und Rock’n’Roll. Spoiler: DT64 heißt seit 1993 mdr Sputnik und ist ein Formatradio. Die Erinnerungen an DT64 indes brennen noch immer, wie dieses Buch belegt.

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Death Machine – Dawning Eyes – Celebration Records 2025

Von Matthias Bosenick (25.04.2025)

Der Bandname Death Machine generiert so ganz andere Erwartungen, als sie die Musik auf „Dawning Eyes“, dem vierten Album des Quartetts, erfüllt. Die meisten der 19 Songs sind im unteren Tempo gehalten, auch die Ausprägung der Intensität ist eher von Zurückhaltung gekennzeichnet, und dann packen die Kopenhagener da vereinzelte Songs dazwischen, die mit elektronischen Mitteln dem Akustik-Folk den Groove beibringen. Es ist genau diese Kombi, die das Zuhören zum Abenteuer macht.

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SŌON – Actions Made Audible – Electronic Sound 2025

Von Matthias Bosenick (24.04.2025)

Da denkt man gerade noch so, guckt kurz nach, hört rein, und alles, was man gerade noch so denkt, ist doch falsch, nun: SŌON ist ein Projekt von Jack Dangers und Adi Newton, also von Meat Beat Manifesto und Clock DVA, und dieses Duo veröffentlicht auf dem kleinen Label Electronic Sound mit „Actions Made Audible“ eine Kollaboration auf blauem Vinyl. Man erwartet von diesen beiden Engländern nun eine rhythmusbetonte Electro-Ballerplatte zwischen Hip Hop und Industrial-EBM, und man erwartet in Ermangelung anderer Informationen, dass dies die erste Zusammenarbeit der beiden Oldschool-Tüftler ist. Alles falsch: „Actions Made Audible“ ist Ambient-Soundscapes mit Sprachsamples, nur ausnahmsweise mal mit Downbeats, und überhaupt bereits das zweite Album als SŌON. Und es ist egal, ob dies bereits 1985 oder erst 2025 entstand – es chillt und unterhält zeitlos.

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Was meine Freundin gerne … – die Jubiläumskolumne: Behind the Scenes of Onkel Rosebud

Von Onkel Rosebud

Das ist mein 144. Text für „KrautNick – Hier kriegen Sie was gelernt“. Ich feiere das, denn die 144 ist meine Lieblingszahl, nicht die Lieblingsziffer, wohlgemerkt. Runde Zahlen kann ja jeder zelebrieren. Warum das so ist, gehört nicht hierher. Das weiß nur meine Freundin und das soll bitte so bleiben. Am 7. September 2022 erschienen hier meine ersten beiden Texte (über die TV-Serien „Shtisel“ und „Justify“). Damit setzte ich meine Karriere als Kolumnist mit der Rubrik „Was meine Freundin gerne hört“ fort, die in den 1990er Jahren für eine blaue Mensapost begann und die eine Dekade andauerte. Für KrautNick hat meine Freundin sehen und dann sogar lesen dazu gelernt. Seitdem haue ich fast Woche für Woche einen Beitrag raus und finde es beachtlich, dass ich bisher so lange durchgehalten habe und dass die Serie absehbar nicht abreißen wird. Deshalb möchte ich kurz darlegen, wie und warum ich das mache.

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Neil Young – Coastal (Soundtrack) – Reprise Records 2025

Von Guido Dörheide (22.04.2025)

„Larger Than Life: Die Filmemacherin Daryl Hannah hat ihren Mann Neil Young für ein filmisches Porträt auf seiner ersten Tour nach Corona begleitet.“ So schrieb die taz vor einigen Tagen, und ich konnte mir ein Schmunzeln, ach was, ein gröhlendes Gelächter nicht verkneifen. Wäre Daryl Hannah vor ca. 1.000 Jahren schon am Leben gewesen und wie der Autor dieser Zeilen ins Harzgebirge verzogen, um dortselbst zu heiraten, und wäre ihr Auserwählter dann der König und spätere Kaiser Heinrich der Vierte gewesen, jahaa – dann hätte sie ihn wohl auf seiner ersten Tour nach Canossa und nicht nach Corona begleitet. Mettwurst statt Bier, Schwamm drüber. Spielt keine Rolle.

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Müller & die Platemeiercombo: Das verschollene Interview

Von Walter Sparwicz für „Arschhose – für Menschen mit Sitzfleisch im Beinkleid“ (November 2012) / Fotos von Fritz Aly

Dieses Interview mit Müller & die Platemeiercombo, der besten Band aus Ostfalen, führte im Herbst 2012 ein Mitarbeiter des schon kurz darauf wieder eingestellten Magazins mit dem sympathischen Namen „Arschhose – für Menschen mit Sitzfleisch im Beinkleid“. Über eine Dekade lang war diese Gesprächsmitschrift verschollen, tauchte auf abenteuerlichem Weg wieder auf und erfährt hier nun mit Abnicken des Bassisten und KrautNick-Kolumnisten Chrisz Meier nach turbulenter Irrfahrt seine erste Veröffentlichung.

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Dirk Serries – Zonal Disturbances II – Zoharum 2025

Von Matthias Bosenick (17.04.2025)

Verrückt: Allein mit seiner E-Gitarre und einem unüberblickbar hohen Stapel an Effektgeräten, verliert sich Dirk Serries selbst und lässt dazu das Aufnahmegerät laufen. Seine „Zonal Disturbances“ enthalten eine Art Ambient, die Musik mäandert ohne rhythmische Konturen durch den Raum und nimmt die Hörenden mit zwar dunklen, aber durchaus entspannenden Sounds auf eine Reise. Die auch was länger dauert: Aktuell liegt „Zonal Disturbances II“ vor, und der Antwerpener kündigt an, dass dies eine Serie aus fünf Teilen werden soll. Nur zu!

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Trip – Circadia – Trip 2025

Von Matthias Bosenick (17.04.2025)

Diese Band bricht wunderbar mit den Gepflogenheiten: Im Prinzip machen Trip (Eigenschreibweise TRIP) aus Sarrewerden in Frankreich eine Art klassischer Bluesrockmusik, doch stecken die vier Köpfe zu voll mit Ideen, um es bei der Kopie der Kopie zu belassen – das vierte Album „Circadia“ ist ein Freak-Album geworden, mit einer überbordend guten Laune gepaart mit Verspieltheit und leicht ins Aggressive tendierender Power. Deep Purple trifft Frank Zappa irgendwo zwischen Zirkus und Raubtiergehege – und heraus kommen mit großem Ernst vorgebrachte Rocksongs mit unerwarteten Wendungen und ansteckender Energie. Ein farbenfroher Trip!

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Was meine Freundin gerne liest – die Literaturkolumne Bonusfolge: Ich möchte lieber nicht – Bartleby, der Schreiber

Von Onkel Rosebud

Bei allem, was die Weltliteratur so hergibt, findet meine Freundin neben Kafkas Verwandlung die Geschichte „Bartleby, der Schreiber“ von Herman Melville am abgefahrensten.

Die Handlung geht so: Ein namenloser New Yorker Anwalt in den 1850ern erzählt die Geschichte seines überaus seltsamen Schreibers Bartleby. Zuerst stellt er sich selbst, seine Kanzlei, die Angestellten namens „Puter“, „Beißzange“ und „Pfeffernuß“ mit ihren Eigenheiten vor. Eines Tages erscheint ein junger Mann in der Kanzlei: Bartleby, „sauber, erbarmungswürdig, achtbar und einsam“. Anfangs kopiert dieser Tag und Nacht mit stillem Fleiß und einsiedlerischer Ausdauer. Doch dann beginnt er, die Arbeit ohne Angabe eines Grundes mit den Worten „Ich möchte lieber nicht“ zu verweigern: Bartlebys passiver Widerstand löst in der Runde Rätselraten aus. Wie kann man mit ihm umgehen? Puter meint, gutes Bier könne helfen. Alle diskutieren darüber, während sich Bartleby hinter seinem Wandschirm einrichtet. Der Erzähler versucht, von Bartleby etwas über dessen Leben zu erfahren, um seine Motivation zu verstehen. Aber Bartleby „möchte lieber nicht“ mehr seine Arbeit machen.

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Lt. Salt’s Shitty Liver Pool Rope – „Pschyrembel“-Rezension + Bandbio + Interview

Von Guido Dörheide & Matthias Bosenick (15.04.2025)

Was kaum jemand weiß: Guido und Matze bestreiten seit über 30 Jahren die Band Lt. Salt’s Shitty Liver Pool Rope. Es gibt halbverschollene Demo-Tapes sowie einen Livemitschnitt auf Video, der es bei Youtube zu herrlich vernichtenden Reaktionen schaffte. Angesichts neuer Perspektiven durch neue Technologien baten wir ChatGPT, eine Rezension zum inexistenten LSSLPR-Album „Pschyrembel“ zu verfassen. Die Bandbio und das Interview gab’s obendrauf. Wollen wir euch nicht vorenthalten:

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