Von Matthias Bosenick (26.02.2026)
Was aus dem Noiserock alles so werden kann: Seit einigen Veröffentlichungen rückt die Kopenhagenerin Jomi, nunmehr ohne den Zusatz Massage, eigentlich Signe Høirup Wille-Jørgensen und ehedem Stimme von Speaker Bite Me, ihre Solo-Aktivitäten in Richtung Jazz. „Den kærlighed“, „Diese Liebe“, ist die dritte Veröffentlichung seit 2021, auf der sie fein ziselierte, wunderschöne, kontemplative bis kraftstrotzende Popmusik macht, die sehr starke Jazz-Anleihen hat. Man ist sofort gefangen von diesen 13 Stücken und Jomis Stimme.
Archiv der Kategorie: Album
Glen – It Was A Bright Cold Day In April, … – Kapitän Platte 2026
Von Matthias Bosenick (26.02.2026)
Jetzt schlägt’s 13! Wo spielt Achim Färber denn eigentlich nicht mit? Hier bringt der Schlagzeuger nicht nur seinen Dub bei Glen ein, dem Berliner Projekt der beiden Gitarre Spielenden Eleni Ampelakiotou und Wilhelm Stegmeier plus Bassist Roland D. Feinäugle. Trippigen instrumentalen Impro-Gniedel-Noise-Jazz-Dubrock gibt’s auf dem vierten Album „It Was A Bright Cold Day In April, …“ zu hören, erweitert von einigen Gästen, die unter anderem auch Keyboards und Saxophone im Gepäck hatten.
MT Gemini – Hawk Deh Near – Vlek 2026
Von Matthias Bosenick (25.02.2026)
Die Dekonstruktion und Neuanordnung jamaikanischer Musik ist das Anliegen des Brüsseler Musikers Yannick Franck unter seinem Alias MT Gemini. Auf „Hawk Deh Near“, dessen Titel er einem jamaikanischen Sprichwort entnimmt, verfährt er dergestalt zum dritten Mal. Und in der Tat: Da noch die Quellen Dub, Ska, Dancehall, Rocksteady oder Reggae herauszuhören, ist auf weiten Strecken nahezu unmöglich. Vielmehr generiert er komplett eigene elektronische Soundlandschaften, die aus Wiederholung und Nachdruck bestehen und die sich nicht einmal im Industrial einsortieren lassen.
Soft Hearted Scientists – The Phantom Of Canton – Fruits De Mer Records 2026
Von Matthias Bosenick (24.02.2026)
Zeitreise in die Sechziger, knietief und ohne Ironie oder Modernismen: Die Soft Hearted Scientists aus Cardiff in Wales kleiden sich in der klassischen britischen Folklore-Psychedelik und spielen seit fast 25 Jahren Album um Album ein. Das jüngste, „The Phantom Of Canton“, ein Konzeptalbum, hat zwar bereits einige Monde auf dem Buckel, bekommt aber via Fruits De Mer Records eine Neuveröffentlichung auf Dreifach-LP mit erweiterter Songauswahl. Das Modernste hier ist der Synthie, obschon er einen der Authentizität angemessenen Einsatz erfährt. Es fehlt: die Flöte.
Teen Prime – No. 6 (Split with Disonancia Expansiva)/No. 11 – Teen Prime 2026
Von Matthias Bosenick (23.02.2026)
Nach „Let’s Just Werewolf Them“ fällt das Duo Teen Prime in seiner Veröffentlichungsbenennung endlich wieder in die eigene Tradition zurück und nummeriert durch, was so herauskommt: Mit „No. 11“ gibt’s eine neue LP – und mit „No. 6“ füllen Sebastian Fäth und Jörg A. Schneider endlich die klaffende Lücke in der Reihenfolge, und zwar, indem sie es als Split-Tape mit Disonancia Espansiva aus Benicarló in Spanien, auf halber Strecke zwischen Barcelona und Valencia gelegen, herausbringen. Auf beide Projekte lässt sich das Etikett Impro-Noise-Jazz anheften.
Kabasse – About Sitting On Fences – Kapitän Platte 2026
Von Matthias Bosenick (19.02.2026)
Von Miles Davis bis Les Claypool, von TV-Bigband bis Rage Against The Machine, und alles zu sechst mit klassischem bis Jazz-Instrumentarium: Was die zwischen Augsburg und München angesiedelte Band Kabasse auf ihrem Debütalbum „About Sitting On Fences“ zusammenrührt, rührt an, denn die Musiker locken erstmal mit vertrauten Jazz-Klängen und überrumpeln mit allerlei anderen Einflüssen, von kontemplativ bis zum Mithüpfen. Die fünf instrumentalen Tracks schlagen mehr Haken, als man erfassen kann.
Ciolkowska – Bomba Nastoyashchego – addicted label/Look At That! 2026
Von Matthias Bosenick (18.02.2026)
Nach der „Maxi-Single“ mit dem Titel „Bomba Nastoyashchego“ („Бомба Настоящего“) folgt nun das gleichnamige Album der progressiven Psychedelic-Space-Rocker Ciolkowska aus St. Petersburg. Die nach dem Erfinder Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski (Константин Эдуардович Циолковский) benannte Band macht sich seit gut zehn Jahren musikalisch auf in den Kosmos, passend zu ihrem Namensgeber. Der Kosmos auf diesem Album ist dabei nicht von der Leere bestimmt, die man von der Erde aus beim Blick nach oben wahrnimmt; wer in diese Raumkapsel steigt, bereist üppige Welten – die zudem im eigenen Inneren liegen.
Yo La Tengo – Old Joy – Mississippi Recods 2025
Von Matthias Bosenick (18.02.2026)
Knapp zehn Jahre nach dem Film gibt’s jetzt den instrumentalen Soundtrack zu „Old Joy“, quasi live eingespielt von der Indierock-Instanz Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey, plus Gitarrist Smokey Hormel. Zumindest erstmals separat und auf Vinyl, denn die Tracks waren – in kürzerer Fassung – bereits 2008 auf der Soundtrack-Sammlung „They Shoot, We Score“ zu haben. Aber pinkes transparentes Vinyl kickt einfach mehr.
Petyaev-Petyaev/Пётр Петяев – Incomparable Greatness/Раскалённая любовь Бога (к самому Себе) – addicted label/Artbeat Music 2026
Von Matthias Bosenick (17.02.2026)
Auf ihrem neuen Album „Incomparable Greatness“ huldigen die beiden Moskauer Petyaev-Brüder Peter und Pavel ihrem Idol John Coltrane – musikalisch wie inhaltlich. Das Album folgt einer Narration, wie bei Coltrane einer biblisch-christlichen Basis entsprechend, und kombiniert komponierten und improvisierten freien Jazz, von Ruhe zu Chaos. Parallel macht Saxophonist Peter Petyaev (Пётр Петяев) – Pavel ist Gitarrist – mit dem Soloalbum „Раскалённая любовь Бога (к самому Себе)“ separat auf sich aufmerksam. Auch darauf huldigt er, und zwar noch weiteren Göttern des Saxophons.
Sum Of R – Spectral – WV Sorcerer Productions 2026
Von Matthias Bosenick (16.02.2026)
Spooky hypnotischer Doom, versetzt mit Experimenten, Growls, Jazz, Noise und Ambient: Auf „Spectral“ tobt sich das schweizerisch-finnische Projekt Sum Of R auf eine Weise aus, die der Dunkelheit und dem Abgrund noch schwärzere Dimensionen entgegensetzen. Dabei zeigt das Trio, dass es auch Humor hat; anders wäre diese Welt ja auch nicht zu ertragen, und „Spectral“ klingt wie eine Reflexion jener Zustände.












