Von Matthias Bosenick (18.06.2026)
Der Titel „Die Regeninsel“ klingt romantischer als die Musik, die sich auf dem so benannten Album findet. Dronemeister Dirk Serries und Soundavantgardist Asmus Tietchens verbrüdern sich zum sechsten Mal, um auf der Gitarre generierte Geräusche in Soundscapes, Ambient, Drones und weiteres Kopfkino zu verbiegen. Für jedes ihrer gemeinsamen Alben wandten sie eine andere Herangehensweise an, dieses Mal manipulierte Tietchens die von Serries an diversen Effektgeräten erzeugten Gitarrensounds zu unheimlichen Wetterlagen. Nach Gitarre indes klingt hier gar nichts mehr – so geht das, wenn zwei Zauberer zusammenkommen.
Kategoriearchiv: Album
Vanessa Van Basten – Yes – Subsound Records 2026
Von Matthias Bosenick (17.06.2026)
Etwas Neues von Vanessa Van Basten! Das letzte Lebenszeichen war 2015 die orangefarbene 10“ mit verstonerten The-Cure-Coverversionen, die „Disintegration EP“, und bei Lichte betrachtet, klingt die auch auf „Yes“ an, dem neuen, erst dritten Album. Dabei lässt sich die Musik des Genueser Duos eigentlich gar nicht so leicht einsortieren: melancholischer Post Rock, Shoegaze, Experimentalmusik, Sludge Metal, Folk, Ambient, Stoner Rock, Downbeat-Electro, eigentlich kaum Wave Rock, aber mit dem abgedunkelten Gestus als Bezeichnung durchaus angemessen. Willkommen zurück, Vanessa Van Basten!
Nine Inch Nails – Tron Ares: Divergence/Nine Inch Noize – The Null Corporation/Interscope/Walt Disney Records 2026
Von Matthias Bosenick (17.06.2026)
Merkwürdig, woran liegt es? Am fehlenden Druck, weil die Musik dieses Mal nicht explizit in einem Disney-Film verwendet werden muss? Daran, dass andere Leute bessere Ideen davon haben, wie Musik der Nine Inch Nails im Jahre 2026 klingen könnte? Wie auch immer: Die Remix-Version „Divergence“ des Soundtracks zu „Tron: Ares“ fällt um ein Vielfaches besser aus als die reguläre Variante. Der zweite gemutmaßte Aspekt indes trifft nicht grundsätzlich zu: Die als „Nine Inch Noize“ veröffentlichten Versionen von Nine-Inch-Nails-Tracks im Kleid von Boys Noize haben eher etwas von Industrial-Schlager.
Emi Fe Ensemble – Tales Of The Realm Of Wishes – Iapetus Media 2026
Von Matthias Bosenick (16.06.2026)
Wer auf den pfiffigen Einsatz von Pfeiftönen pfeift, dürfte mit den „Tales Of The Realm Of Wishes“ einige Probleme haben. Darauf lässt das eigens zur Improvisation zusammengerufene Emi Fe Ensemble musikalische Herangehensweisen aus Nord- und Süd-Europa aufeinandertreffen und kurioserweise partiell etwas annähernd Orientalisches entstehen. Für etwas Improvisiertes wirkt dieses Album erstaunlich komponiert – so ist das, wenn Profis arbeiten.
Görl – Dark Silver Moon Light – Grönland 2026
Von Guido Dörheide (15.06.2026)
Immer, wenn ich im Stammlokal meiner selbst und des Herausgebers dieser Zeilen hier die Ruheräume benützen gehe, fällt mir das große Plakat ins Auge, auf dem es in etwa heißt:
- Haltet Abstand!
- Wascht Euch die Hände!
- Niest in die Armbeuge!
- Geht in die Knie!
- Und tanzt den Mussolini!!!
So oder so ähnlich versuchte es uns die Deutsch-Amerikanische Freundschaft (D.A.F.) unter Zuhilfenahme von Adolf Hitler und Jesus Christus (ich glaube auch in der Reihenfolge) in den 80er Jahren des vergangen Jahrhunderts aufzuoktroyieren. Der Räuber und der Prinz seien mein Zeuge. Bis Gabi Delgado dann 2020 viel zu jung starb, versuchten D.A.F. immer wieder, zu alter Relevanz zurückzufinden, mal mit mehr und mal mir weniger Erfolg („Der Sheriff“ von 2003 fand ich zumindest nicht schlecht).
WeiterlesenPaul McCartney – The Boys Of Dungeon Lane – Capitol Records 2026
Von Guido Dörheide (14.06.2026)
Ja oh Hammer – der mittlerweile 83jährige Paul McCartney ist nicht nur angeblich seit Jahrzehnten tot, er wird auch nicht müde, mit immer besser werdenden Veröffentlichungen auf sich aufmerksam zu machen.
Aufgewachsen in einem rockmusikfernen Haushalt, habe ich mit Paul McCartney erstmals 1993 mit „Hope Of Deliverance“ so richtig Bekanntschaft gemacht. Natürlich kannte ich viele seiner Beatles-Großtaten vom Hörensagen und Schonmalgehörthaben, aber diese Musik lief „zu meiner Zeit“ nicht ständig im Radio und hatte zuhause weniger Stellenwert als sagen wir mal Rondo Veneziano, Hermann Prey und James Last. Also dann 1993 „Hope Of Deliverance“ in Heavy Rotation auf Music Television, und ich dachte, „Was für ein abgeschmackter Scheiß!“ Allein schon Sir Paul ihm seine Haarfrisur – aber es wurde ja auch nicht sein Hairstylist zum Ritter geschlagen, sondern Paul himself, und außerdem geschah das ja auch erst wenige Jahre darauf.
WeiterlesenNeurosis – An Undying Love For A Burning World – Neurot Recordings 2026
Von Matthias Bosenick (11.06.2026)
Bei manchen Bands will man auch gar nicht, dass sie sich großartig verändern. Und hört man dann deren neue Alben, stellt man fest, wo sie dennoch Veränderungen enthalten, Erweiterungen, Verschiebungen, Neuerungen, und ist dann nochmal eins glücklicher darüber, auch den drölfzigsten Tonträger in den Fingern zu halten. „An Undying Love For A Burning World“ ist dann auch noch ein unerwartet herzenswarmer Titel für ein Album einer solchen Sludge-Metal-Lärmband wie Neurosis – strenggenommen ihr erst zwölftes, zudem das erste nach zehn Jahren Pause.
Devin Townsend – The Moth – Inside Out Music 2026
Von Matthias Bosenick (11.06.2026)
Überambitionierter Kleistermeister: Seit zehn Jahren schwirrt „The Moth“ bei Devin Townsend im Kopf herum, jetzt auch auf Tonträger. Auf diesem Mammutwerk geht der kanadische Gitarrengott ™ die unheilige Allianz von Metal und Klassik ein, und er bringt darauf tatsächlich alles unter, was selbst einem Laien einfallen würde, und noch zwei Dutzend Ideen obendrauf. Eines Nur nicht: wiedererkennbare Songs, die man sich als jahrzehntelanger Devinfan gern ein weiteres Mal anhören mag. Um es mit Guido Dörheide zu sagen: Opulenz in Hülle und Fülle.
Buy Jupiter – Earth – Buy Jupiter 2026
Von Matthias Bosenick (10.06.2026)
Eindeutig: Buy Jupiter kennen Meshuggah, das lässt sich auf dem Debüt- Album „Earth“ aus dem Stand ermitteln. Gottlob hat die Band aus Lyon mehr auf der Pfanne, zum Beispiel den Hardcore, den man hier mit etwas Spielraum auch als Metalcore auffassen könnte, sowie komplett sanfte Seiten. Doch insgesamt sind die Tracks auf eine brutale Weise progressiv (und auf eine progressive Weise brutal), das lässt das Haupt-Merkmal Djent durchaus anbringen.
Hans Hjelm – The Night Electronic – Kungens Ljud & Bild 2026
Von Matthias Bosenick (10.06.2026)
Sein neues Album „The Night Electronic“ – eine Neubearbeitung früherer Stücke – steckt der Schwede Hans Hjelm bei Progressive Rock und Art Rock in die Schubfächer, und wenn das hier Prog sein soll, dann wird es umgehend Zeit, Fan zu werden. Vielmehr trifft nämlich der Albumtitel zu: Dunkelheit und trippige Elektronik bestimmen den Sound, garniert mit Gesang von Hildur Ottilia und ein Bisschen auch von Viktor Westerlund. Der Stockholmer Hjelm ist wieder so einer, der sich nix um Genrezuschreibungen schert und einfach überzeugend zusammenbringt, worauf er Bock hat.










