Sauvageoness – A Maze Deep In – Araki Records/Atypeek Music/Charogne Records/Table Basse Records/Urgence Disk Records 2026

Von Matthias Bosenick (20.04.2026)

Gitarre, Bass, Drumcomputer und ganz viel Emotion von melancholisch bis stinksauer im Gesang: Auf ihrem zweiten Album „A Maze Deep In“ verbindet die Schweizer Künstlerin Sauvageoness unzählige Musikstile miteinander, nacheinander, umeinander herum, wie Gothic Rock, Post Punk, Wave, Punk und was so zwischen all jenem liegt. Vielseitig und gleichzeitig homogen, weil sich die Unterschiede nicht widersprechen.

Es ist nicht einfach nur Gitarre, Bass, Dumcomputer, Gesang, das wäre zu simpel: Sauvageoness schichtet Schichten übereinander, lässt die knirschenden Gitarren duellieren, sich fett ergänzen, treiben, sich flächendeckend strecken. Ähnlich verfährt sie mit ihrer Stimme, indem sie der Hauptlinie selbst gesungene Nebenlinien zur Seite stellt; in der Regel singt sie, bisweilen schreit sie Wut aus sich heraus. Dazu groovt der Bass und – nun – pluckert der Drumcomputer. Dem sie an ausgewählten Stellen einen Sound wie von einem alten Demo verleiht, einfach nur, damit das, was darauf folgt, umso fetter klingt.

Die 14 Songs dieses Albums haben Spieldauern zwischen anderthalb und viereinhalb Minuten – das lässt bereits auf der kurzen Seite der Skala an Punk denken, und damit liegt man dann auch richtig. Der macht es sich in dem sehr vielfältigen Stilmix gemütlich, der über Gothic und Dreampop bis zum Doom reicht. Manche Passagen erinnern an frühe Synthetic-Gruftis wie The Sisters Of Mercy oder Red Lorry Yellow Lorry, andere wie The Cure, das bleibt nicht aus. Man mag im Verbund mit der wechselvollen Art zu singen noch an andere Künstlerinnen denken, wie Jarboe, Cranes, Siouxsie, Sinéad O’Connor, Chelsea Wolfe, The Breeders, um nur einige Assoziationen aufzuführen. Sauvageoness gelingt es, all dies zu einem schlüssigen Album zusammenzuführen.

Wer nun aber ist Sauvageoness? Das lässt die Schweizerin auf ihren Kanälen unbeantwortet. Sie startete 2022 mit der Cover-EP „Black Book“, ihr Debütalbum „Phoebe“ erschien 2024. Wer nun davon auf ihren Klarnamen rückschließen möchte, liegt vermutlich daneben: Das Internet lässt ahnen, dass es sich dabei um Carole Obère alias Carro Loubère handelt, Sängerin und Gitarristin der Noiserock-Band Torpedo aus Lausanne.