Die Toten Hosen – Trink aus, wir müssen gehen/Alles muss raus! (Bonus) – JKP / Warner Music Central Europe 2026

Von Guido Dörheide (28.06.2026)

Seit 1988 bin ich Hosenfan, das 1987er Livealbum „Bis zum bitteren Ende“ war damals mein Einstieg und binnen weniger Wochen legte ich mir fast alles zu, was die Hosen bis dahin veröffentlicht hatten – inklusive der „Bommerlunder“-Single. Nach „Auf dem Kreuzzug ins Glück (125 Jahre Die Toten Hosen)“ 1990 nahm mein Interesse dann ab, bereits mit „Ein kleines bisschen Horrorschau“ (1988 – jahaa, bereits in dem Jahr, in dem mein Hoseninteresse begann) hatten sie sich für meinen Teenagergeschmack ein wenig zu weit vom brachialen, aber nie schmerzhaften Sauf- und gehobenen Primitivhumorpunk entfernt. Inzwischen weiß ich aber am 1990er Album zumindest die kabarettistischen Beiträge von Gerhard Polt sehr zu schätzen („Wenn a Sochn genetisch versaut ist, dann kann man das allein durch Prügel net korrigier’n!“).

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Cowards – Can You Hear Me? – Bloody Sound 2026

Von Matthias Bosenick (26.06.2026)

Die Cowards selbst lassen wissen, ihr Noiserock sei rückwärtsgerichtet, da an den Neunzigern orientiert. Das mag ja sein, aber da man dem Noiserock schwerlich unter Einhaltung der Genrespezifikationen Modernismen verabreichen kann, lässt sich Musik aus dieser Schublade eben grundsätzlich schlecht zeitlich verorten. „Can You Hear Me?“, das zweite Album des italienischen Trios, ordnet eben die Parameter individuell an: das Laut-Leise-Schema, die Drones, die Feedbacks, die unkonventionellen Strukturen, und lässt damit einen hinreichend jetzigen Noiserock entstehen.

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Taihr – Allicanto – Cargo Records 2026

Von Matthias Bosenick (25.06.2026)

Der Bandname ist gut: Taihr lässt sich mit eindeutigen Ergebnissen googeln, da dieses Wort sonst gar nicht verwendet wird. Was natürlich Fragen nach dessen Bedeutung aufwirft. Die beantwortet das in Köln ansässige international besetzte Septett indes nicht, was nicht schlimm ist: Lässt man halt das zweite Album „Allicanto“ auf sich prasseln. Darauf vermengen Taihr Sounds aus aller Welt, die irgendwie auf Indierock basieren und sich vor lateinamerikanischen Rhythmen nicht fürchten. Eine gehörige Schippe Pop lässt die Sonne aufgehen. Heiß!

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Smokemaster – In The Temple – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (24.06.2026)

Alles drin, was die psychedelische Musik gegen Ende der Sechziger braucht: Orgel, entrückten Harmoniegesang, schöne Melodien, ein Anflug von Rock. Mit „In The Temple“ unternehmen Smokemaster aus Köln zum dritten Mal eine Zeitreise um 60 Jahre zurück. Was sie mitbringen, erweitert das Bewusstsein, indes weniger den Horizont: Sie bleiben der Tradition treu und ignorieren die Moderne. Das Alte indes ordnet das Quintett attraktiv an.

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Liegengeblieben! (10)

Von Chrisz Meier (23.06.2026)

Hallo. Ich bin Chrisz Meier und arbeite bei einem Bürgerradio in Südwest-Niedersachsen. Der Sender bekommt ständig Promo-CDs zugeschickt, die niemand verlangt hat und um die sich niemand kümmert. Diese CDs landen dann mitsamt ihrem Beipackzettel der Plattenfirma, auf der die jeweilige Band stets als die Neuerfinder der Musik gepriesen wird, in einer schmucklosen Ablage, beschriftet mit „Zum Mitnehmen“. Einige der bei dem Sender ehrenamtlich Tätigen, Betreiber ihrer eigenen Radioshows, bedienen sich daraus, vieles bleibt aber dennoch liegen. Diese Liegengebliebenen durchforste ich in unregelmäßigen Abständen, immer auf der Suche nach unentdeckten Perlen – nicht zuletzt deswegen, weil ich, selbst Teil einer Band, der keinerlei Beachtung entgegengebracht wird, es ungerecht finde, diese mit viel Herzblut und Zeit hergestellte Musik einfach zu ignorieren.

Also werde ich an dieser Stelle hin und wieder ein paar dieser Liegengebliebenen vorstellen. Und ja, dieser Text steht am Anfang jeden Teils dieser Reihe. Der letzte Beitrag ist nämlich schon vier Monate alt und niemand guckt nach „älteren Beiträgen“, oder?

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Through The Fractures – Beyond The Scars – Through The Fractures 2026

Von Matthias Bosenick (23.06.2026)

Den für den Metalcore üblichen klaren Gesang bringen Through The Fracturss erst im dritgen Track ihres Debütalbums „Beyond The Scars“ ein, ansonsten kombiniert die Band aus Frankreich das Gebrüll vom Hardcore mit dem Sound diverser Metal-Subgenres, wie Post Black, Djent oder Death. Auf weiten Strecken hört man also dichten Lärm, durchsetzt mit heruntergebrochenen Passagen. Gut, dass sie den Metalcore weit nach hinten stellen, der hätte diesem Album nur geschadet.

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Petrolio – Club Atletico Voces Y Gritos – Petrolio 2026

Von Matthias Bosenick (23.06.2026)

Fünf lange Tracks mit fünf Gästen sammelt Enrico Cerrato aus Asti unter seinem Alias Petrolio auf dem neuen Album „Club Atletico Voces Y Grita“ zusammen. Vier der fünf Stimmbeitragenden sind Frauen. Kombiniert mit den düsteren synthetischen Soundscapes und den wenigen, dann langsamen Beats ergibt dies eine dem Industrial nahe Ritualmusik, einen zerbrochenen Dreampop, verdunkelte Sakralgesänge.

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Godes Yrre – Feelings Can Burn You – Godes Yrre 2025/Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (19.06.2026)

Es ist, als beobachtete man einen Haubentaucher: Er schwimmt vor einem, taucht ab und tritt ewig später an einer völlig anderen Stelle des Teiches wieder an die Oberfläche. Der Kubanische Multiinstrumentalist Abel Oliva hob 1994 für ein Demo das Projekt Godes Yrre aus der Taufe, verschwand sofort und trat erst 2017 in Zürich wieder in Erscheinung. Nach diversen Alben erschien im vergangenen Jahr „Feelings Can Burn You“, das wiederum drei mit zahlreichen Gästen eingespielte EPs vereint und das das Label Bitume Prods nun physisch unter die Leute bringt. Olivas Gothic-Doom hat Merkmale, die das Genre sprengen – um eine merkwürdige gute Laune, wie bei Rob Zombie.

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Front 242 – Black Out – Alfa Matrix 2026

Von Matthias Bosenick (19.06.2026)

Einmal noch die Hütte anzünden, bevor es in den Live-Ruhestand geht. Einen letztgültigen Abschied nehmen die EBM-Erfinder Front 242 noch nicht, lassen aber offen, was das zu bedeuten hat. Selbst längst alte Belgier, fackelten sie am 25. Januar 2025 im Ancienne Belgique zu Brüssel ein Hitfeuerwerk ab, das ihre 40 Jahre währende Existenz abdeckt, inklusive dreier bislang unveröffentlichter Stücke, die es auf dem in diversen Formaten vorliegenden Mitschnitt „Black Out“ zu haben gibt. Die neuen Songs machen Lust auf mehr – aber wie gesagt: Wer weiß, was das Nicht-Ende der Band für Folgen haben wird. Feuer haben sie jedenfalls noch hinreichend.

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Durchströmungen 5: Stromschnellen – Separated Beats 2026

Von Matthias Bosenick (18.06.2026)

Zum fünften Mal wechselt Benjamin „Ben“ Bekeschus seine Aliasse, um eine Schein-Compilation unter dem Titel „Durchströmungen“ zu erstellen. Die „Stromschnellen“ führen vorbei an Dub, Trance, House und Techno und legen im Verlaufe an Tempo und Energie zu. Um wieder runterzukommen, empfiehlt es sich, das Album einfach rückwärts zu hören. Die „Stromschnellen“ machen, wie die anderen vier Teile, auch außerhalb von Clubs gute Laune.

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