The Perc – The Best Of Carola (Electric Kindergarten Vol. 7) – Tribal Stomp 2019

Von Matthias Bosenick (08.05.2019)

Diese Compilation klingt nicht wie eine, sondern wie ein Konzeptalbum: Der Sound seiner „Carola“, wie er seine Casiotone MT 400V nennt, steht im Mittelpunkt der Zusammenstellung von Tom „The Perc“ Redecker. Der einheitliche Sound kann indes auch zum Nachteil werden, wenn er die Nerven strapaziert: Es klingt halt doch alles sehr ähnlich und der Dudelfaktor ist hoch. Gottlob hatte Redecker schon auf diesen Aufnahmen aus Ende der Achtziger bis Anfang der Neunziger eher dunkle Wolken über dem Kopf, was die Songs wie einen psychedelischen Mix aus Alleinunterhalter und The Sisters Of Mercy wirken lässt. Auch drauf, zweimal sogar: der kleine Radiohit „Rock The Widow“.

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Devin Townsend – Empath – Inside Out 2019

Von Matthias Bosenick (07.05.2019)

Ein Mammutwerk, das man entweder für seine Vielseitigkeit feiert oder es weit von sich schiebt: Devin Townsend, erklärter Tausendsassa, kann alles und macht auf seinem neuen Solowerk „Empath“ auch alles, und zwar durcheinander. Sicherlich ist es staunenswert, was Dev da auftischt, aber stringent geht anders, catchy Tunes bekam er auch schon mal besser hin. Man braucht ewig, um durch den Stilmix durchzusteigen, und freut sich, dass er auf der limitierten Bonus-CD doch eher auf so etwas wie Songs setzt. Die Gästeschar ist so üppig wie die Orchestrierung. Ist das noch Metal?

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Nac/Hut Report – Wszystko Jeszcze Jest – Crunchy Human Children Records 2019

Von Matthias Bosenick (29.04.2019)

Ein einfacher Zugang klingt deutlich anders: Man hat es auf Nac/Hut Reports vierten Album „Wszystko Jeszcze Jest“ vielmehr mit Soundcollagen zu tun als mit Songs. Einer schönen Gitarrenmelodie und einem lieblichen Gesang stellt das Duo aus Krakau flirrende elektronische Störgeräusche zur Seite, konkrete Rhythmen vermittelt höchstens die Wiederkehr mancher Sounds. Um Lärm wiederum handelt es sich nicht, Nac/Hut Report veranstalten ihre Experimente reduziert, aber dadurch nachdrücklich. So entsteht eine Schönheit, die bewusst nervt, anstrengt, herausfordert. Bezaubernd!

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Front Line Assembly – Wake Up The Coma – Metropolis 2019

Von Matthias Bosenick (17.04.2019)

Da ist Bandchef Bill Leeb sowas von stolz auf das neue Album seines musikalischen Hauptbetätigungsfeldes, insbesondere auf die erste Coverversion in der Geschichte von Front Line Assembly, holt sich Mitgründer Rhys Fulber zum dritten Mal zurück und garniert sich mit Gästen aus allen Dunkel-und-düster-Richtungen, und dann ist das Album so merkwürdig durchwachsen. Da kann der Herr Fulber sonstwas in seiner Biografie gerissen haben – der Tod von Jeremy Inkel wiegt schwer, den Zauberer kann er nicht ersetzen, seitdem schwächelt die alte EBM-Institution. Einmal mehr.

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Cameraoscura – Quod est inferius – Toten Schwan Records 2019

Von Matthias Bosenick (12.04.2019)

Das Vorhaben darf man als erfolgreich gescheitert betrachten: Besonders evil und dark und gruselig und böse erscheinen will das Duo Cameraoscura mit seinem Debütalbum „Quod est inferius“ – und dann entpuppt sich deren Drone-Industrial als so wunderschön harmonisch, dass man es sich beinahe im Radio gespielt imaginieren mag. Damit entfernen sich die beiden Musiker von dem Klischee, das sie rein über die gruftigen visuellen Anteile des Albums selbst initiierten, und bieten vielmehr etwas Eigenes, indem sie Lärm und Schönheit in dieser überraschenden Weise eingängig verquicken. Will man dringend öfter hören.

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Der Weg einer Freiheit – Live in Berlin – Season Of Mist/Viva Hate 2019

Von Matthias Bosenick (10.04.2019)

Nach vier Alben in zehn Jahren Bandgeschichte kann man ruhig mal ein Konzert als Doppel-LP veröffentlichen, oder? Die Songs klingen ungefähr ziemlich sehr so wie auf Platte – das kann man gut finden, weil die Band damit belegt, wie gut sie ihr Handwerk beherrscht, oder auch schlecht, weil man die Studio-Platten ja auch schon im Regal stehen hat. Egal: Konzerte von Der Weg einer Freiheit sind kompakt und intensiv, ihr Black Metal trägt das Präfix Post und überhaupt hat man es mit einer herausragenden Band zu tun. Außerdem ist das Vinyl einfach hübsch.

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The Young Gods – Data Mirage Tangram – Two Gentlemen 2019

Von Matthias Bosenick (09.04.2019)

Seit 34 Jahren dabei, die Schweizer Erfinder dessen, was in den USA später als Industrial bezeichnet wurde und was die Young Gods selbst schon lang nicht mehr machen: Auf „Data Mirage Tangram“ setzen sie vielmehr ihre drogeninduzierten Soundtrips fort, obgleich mit Gitarreneinsatz, so doch weniger auf Härte ausgelegt als auf ein akustisches Vorankommen. Dringlich und zwingend untermauert auch dieses Album, dass die Young Gods noch nie in ihrer Laufbahn enttäuscht haben. Von solchen Musikern gibt es nicht viele, zumindest mit mehr als ein, zwei Alben im Köcher.

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Kuhn Fu – Chain The Snake – Berthold Records 2019

Von Matthias Bosenick (25.03.2019)

Ist Musik nicht eindeutig in eine Schublade packbar, fallen als erstes Begriffe wie Jazz oder Progressiv, wenn nicht Avantgarde. Auf Kuhn Fu trifft alles davon zu: Ihre bassklarinettendominierte Fusion verleiht der Rockmusik auf dem vierten Album „Chain The Snake“ unerwartete Winkel und nimmt ihr herkömmliche Popsongstrukturen. Einige Analogien liegen nahe, von Zappa bis Mr. Bungle. Wie oft bei solch abstrakter Komposition bestaunt das Gehirn das Handwerk und zuckt die Seele mit den Schultern. Zunächst: Kuhn Fu – nicht nach Paul benannt – legen Wärme in ihre Musik, darin fühlt sich alsbald auch die Seele wohl.

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The Claypool Lennon Delirium – South Of Reality – ATO Records 2019

Von Michael „Schepper“ Schaefer (08.03.2019)

Moin,

wie schreibt man eine Rezi, wenn eigentlich schon vorher klar ist, dass wir hier mein persönliches Lieblingsalbum des Jahres vorliegen haben?
All meine Erwartungen wurden sogar noch weit übertroffen.
Mal ehrlich – was soll denn da jetzt noch kommen? Außer vielleicht, die Herren Claypool und Lennon sind noch kreativer als jetzt und legen dieses Jahr noch ein Album nach…

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LCD Soundsystem – I Used To (Dixon Retouch)/Electric Lady Sessions – DFA/Columbia 2018/2019

Von Matthias Bosenick (07.03.2019)

Natürlich kann James Murphy nicht stillhalten, und natürlich beschränkt er seine Aktivitäten nicht aufs Labelbetreiben. Mit den vor drei Jahren reaktivierten LCD Soundsystem wirft er nun eine 12“ nach der nächsten auf den Markt und spielte in Jimi Hendrix‘ berühmten Studio einige alte eigene und drei Coversongs neu ein. Bei „I Used To“ ist die B-Seite relevant und bei „Electric Lady Sessions“ sind es eher die Coversongs. Gibt’s beides ausschließlich auf Vinyl, wo nicht als Download.

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