The Citadel – Dawns On Mental Highways – Subsound Records 2026

Von Matthias Bosenick (02.06.2026)

Musikalisch sind The Citadel aus Erlangen tief in den Sechzigern anzusiedeln, im psychedelischen Rock, der ohne Riffs auskommt, dafür mit Gniedeln und verträumten Verspieltheiten, selbstredend inklusive Flöte und Orgel. „Dawns On Mental Highways“ ist das zweite Album der Band, die die Sixties-Pastiche überzeugend hinbekommt – indes am Gesang gern etwas arbeiten darf.

Schaltet die Lavalampen an, tragt Hemden mit Paisley-Muster, blickt entrückt in die Ferne oder ins Innere – und reist mit nach Haight-Ashbury, San Francisco, 60 Jahre zurück. Abwechselnd gestalten The Citadel fragil-zerbrechliche Folklore-Stücke und fettere Rocksongs; erstere ließen sich sicherlich auch im eher auf Folklore ausgerichteten England jener Zeit hören, zweitere vermitteln eine Energie, die der Band gut zu Gesicht steht, zumal darin die Stimme der Sängerin besser aufgeht. Denn jene scheint nicht so ganz durchgehend notensicher zu sein, was dann an einigen reduzierteren Stellen etwas für Unbehagen sorgt.

Die Rockmusik hier ist nicht auf Riffs ausgelegt, sondern verbleibt, auch mit der Neigung zum Blues, in der psychedelischen Anmutung, der man durchaus das Attribut Pop zuordnen kann, jedenfalls jenen mit dem Kontext der Zeit, denn vor 60 Jahren war solche Musik Pop. Bisweilen rocken die vier Musizierenden echt angenehm dicht, die minimalistischeren Stücke wirken vielmehr wie eine Spielwiese, und wenn sie beide Eigenschaften kombinieren, etwa in „Limited Company Hymn“, kommt dabei angenehm verspielte Rockmusik heraus, mit „Beggin Pleasure“ sogar etwas Experimentelleres, Mutigeres. Nur der Gesang!

2024 veröffentlichten The Citadel mit „The Foundation Cycle“ ihr Debüt, „Dawns On Mental Highways“ ist ihr zweites Album. Das Quintett besteht aus: Sängerin Eva Koch, Gitarrist und Keyboarder Leonardo Aiello, Gitarrist und Flötist Nounou Frament, Bassist Gabriel Schmitt und Schlagzeuger Alessandro Rehefeld.