Tamikrest – Assikel – Glitterbeat 2026

Von Matthias Bosenick (04.06.2026)

Die Musik der Wüstenbluesrocker Tamikrest (ⵜⵎⴾⵔⵙⵜ), ehedem aus Mali, aus politischen Gründen seit über 15 Jahren in Europa beheimatet, ist schon lang kein reiner Wüstenbluesrock mehr. Das liegt sicherlich an der langen Zeit, die die Musiker Einflüssen ausgesetzt sind, die die Grenzen ihrer Tuareg-Traditionen weit überschreiten, sowie daran, dass die Band inzwischen auch Musizierende unterstützen, die aus anderen Gegenden dazustießen. „Assikel“, „Reise“, Studioalbum Nummer sechs, bündelt die diversen Erfahrungen zu einer Musik, die vertraut und exotisch, beruhigend und aufmunternd ist.

Trance, Mantra, Hypnose: Man schreitet gemächlich auf den perkussiven nordafrikanischen Rhythmen der Band durch die Wüste, begleitet von sich wiederholenden Figuren auf vertrauten Instrumenten wie akustischer und elektrischer Gitarre und Bass sowie dem entspannt-beschwörenden Gesang, dargebracht in der Tuaregsprache Tamascheq. Dabei muss sich die Band gar nicht an westliche Songstrukturen halten, um westliche Hörgewohnheiten zu erreichen: Der Zugang fällt leicht, und natürlich fließen ja längst auch Strukturen in die Musik ein, die die Band von außerhalb der Sahara in ihren Kosmos einband. Ein Song wie „Iman Derhan Nasn“ etwa hat enorm experimentelle Anteile, in „Imanin“ dreht die E-Gitarre amtlich frei. In die Rhythmen dieser Band lässt man sich ohnehin gern fallen.

Begann die Europareise der Band seinerzeit noch mit Unterstützung von Dirtmusic, dem Projekt von Chris Eckman, Hugo Race und Chris Brokaw, lösten sich Tamikrest bald von ihren Mentoren und gingen eigene Wege. Auf dem neuen Album ist im Song „Eillal“ als prominenter Gast Ibrahim Ag Alhabib zu hören, Gründer und immer noch Mitglied von Tinariwen, der Mutter aller Wüstenbluesrockbands, die bereits 1992 ihr Debüt veröffentlichte. Ein weiterer Gast ist Schlagzeuger Wouter Van Asselbergh als Belgien, der in „Imanin“ indes ein Keyboard spielt.

Seit beinahe zwei Jahrzehnten existiert diese Band nun, seinerzeit gegründet von Ousmane Ag Mossa und Cheikh Ag Tiglia, die auch immer noch dabei sind. Ersterer spielt akustische und E-Gitarren und singt, zweiterer übernimmt den Bass, zweiten Gesang, Akustikgitarren und diverse Percussioninstrumente. Für noch mehr Percussion arabischer Art ist Cédric „Momo“ Maurel dabei, als vierter spielt Paul Salvagnac E-Gitarre, Lapsteel sowie weitere Percussion. Diese vier sind seit 2013 der Kern der einst mehrköpfigen Band.