Von Matthias Bosenick (10.06.2026)
Sein neues Album „The Night Electronic“ – eine Neubearbeitung früherer Stücke – steckt der Schwede Hans Hjelm bei Progressive Rock und Art Rock in die Schubfächer, und wenn das hier Prog sein soll, dann wird es umgehend Zeit, Fan zu werden. Vielmehr trifft nämlich der Albumtitel zu: Dunkelheit und trippige Elektronik bestimmen den Sound, garniert mit Gesang von Hildur Ottilia und ein Bisschen auch von Viktor Westerlund. Der Stockholmer Hjelm ist wieder so einer, der sich nix um Genrezuschreibungen schert und einfach überzeugend zusammenbringt, worauf er Bock hat.
Neu ist hier nämlich der vermehrte Einsatz von Elektronik, der dem Prog-Etikett die Berechtigung raubt und die Musik sogar auf das nächsthöhere Level verbessert. Was auch dadurch geschieht, dass Hjelm hier aus ursprünglichen Instrumentalstücken nun solche mit Gesang machen lässt, und der rückt das Gesamtbild in eine entspannte, aber ausdrückliche Tri-Hop-Ausrichtung. Nicht ausschließlich, kein spontan beim Hören herangezogenes Genre lässt sich hier ausschließlich anwenden.
Die ersten fünf Stücke – digital gesehen die ausschließlichen fünf – stammen vom Vorgängeralbum „Into The Night“, die CD bietet zwei weitere Neubearbeitungen von Stücken seines Solo-Debüts „Factory Reset“. Los geht es komplett triphoppig, der Titel „Mantra“ passt da ganz gut. „I Feel Like Fire“ lässt die Idee von Rockmusik erstmals zu, ungefähr so wie von den Norwegern Oak, die ja auch im Prog-Fach lagern, neben den gefälligeren Sachen von Opeth. Dennoch ist hier alles sanft, im Verlauf sogar smooth angejazzt.
Das dunkle „Waiting For The Zone“ wird dann wieder elektronisch, gar downbeat-clubbig, bis zur Pause – dann setzt das echte Schlagzeug ein und man wird von einer Glückswelle überrollt, weil die Kombination solch diverser Elemente so gelungen funktioniert. Ein wahrer Wow-Moment. Bestimmt zunächst Hildur Ottilia den Gesang, übernimmt im fünften Track „Drive Until Dawn“ ihr Kollege Viktor Westerlund das Mikro und unterstreicht den gruftig-trippenden Eindruck. Auf CD wertet Hjelm noch „Woods“ und „Lights Turn Red“ vom 2021er Album „Factory Reset“ auf.
Neben den Singenden holte sich der Gitarrist und Keyboarder Hjelm, selbst ansonsten bei Kungens Män und Automatism, weitere Musiker ins Studio: Jesper Skarin (Fingerspitzengefühl, Switch Opens, VAK), Henrik Sunbring (Agent Side Grinder, Domus), Mikael „Van“ Tuominen (Fingerspitzengefühl, Automatism, Kungens Män, Switch Opens und mehr) sowie Per Wiberg (Spiritual Beggars, Opeth und mehr).
