Automat – Ostwest – Bureau B/Indigo 2016

Von Matthias Bosenick (06.01.2016)

Was bleibt eigentlich übrig, wenn man der Dubmusik den Dub langsam austreibt? Das Trio Automat begeht mit seinem dritten Album „Ostwest“ den Versuch. Das Ergebnis ist nicht weniger groovend, aber wegen der reduzierten Wiederholungseffekte deutlich minimalistischer. Es bleibt Tanzmusik für Menschen, die vor einem zur Schau gestellten Hedonismus Reißaus nehmen, sich aber doch mal rhythmisch bewegen wollen. Zudem soll „Ostwest“ auch was fürs Hirn sein, was aber bei Instrumentalmusik ein eher aufgesetztes Unterfangen bleibt. Festzuhalten ist: „Ostwest“ ist anders als die beiden Vorgänger und Stillstand ist der Tod.

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Roji – The Hundred Headed Women – Shhpuma/Clean Feed 2016

Von Matthias Bosenick (27.12.2016)

Alle Jahre wieder: Kurz vor dem Jahreswechsel schiebt noch jemand einen Anwärter für die Top-Ten-Liste der Jahrescharts auf den Markt. Dieses Mal: Roji, ein Projekt, auf das ich ohne den Schlagzeuger nicht aufmerksam geworden wäre; Jörg A. Schneider kam mir erstmals vor 20 Jahren mit Les Hommes Qui Wear Espandrillos unter. Mit Roji macht er Jazz. Und zwar so freien, dass er für manche Hörer sicherlich kaum noch als Musik erlebbar ist. Die Musik besteht hier als Grundlage lediglich aus Schlagzeug, Bass und Loops, gelegentlich garniert mit – man muss es so sagen – Tröten. Berauschend, befreiend. Lärm.

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Nothing But Noise – eXistence oscillation Past – Wool-E Discs 2016

Von Matthias Bosenick (17.12.2016)

Ist das noch Fußball? Seit 13 Jahren gibt es von den EBM-Erfindern Front 242 keine neue Studiomusik mehr, aber dafür von haufenweise Nebenprojekten. Nothing But Noise ist eines davon, mit Daniel Bressanutti alias Daniel .B. sowie seinem Seitentritt Dirk Bergen, der sogar zur Gründerbesetzung von Front 242 gehörte. Als Nothing But Noise machen sie zum zweiten Mal auf Albumlänge Ambient, durchsetzt von typischen Post-EBM-Effekten, mit denen sie auch schon bei Front 242 für eine Abkehr alter Fans sorgten. Selbst Schuld, denn „eXistence oscillation Past“ sitzt genau in der höchstspannenden Lücke zwischen Drone und Goa: beatlos, aber hektisch. Ein aufregender Trip.

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Callin Tommy – Sweet Toxin – Callin Tommy 2016

Von Matthias Bosenick (14.12.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Groovig voranpreschender Indierock mit Frauengesang und blechbläsernen Überraschungen: Callin Tommy spielen sich mit ihrem Hybridsound in eine eigene Nische. „Sweet Toxin“ ist das zweite Album der Braunschweiger Band, und wenn schon ihre Studiomusik so extrem nach Party klingt, muss es live mal so richtig brennen. Ansprechend wie der Sound ist auch das Bild: Man kann auf dem Cover eine Menge feiner Ideen entdecken. Und Play drücken und jetzt hüpfen!

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Arjomi – Sturm – Arjomi 2016

Von Matthias Bosenick (10.12.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Wer Ajomi kennt, weiß, dass sich die Musik dieses sich weltweit inspirieren lassenden Folklorequartetts nicht nur überhaupt von der anderer Bands unterscheidet, sondern auch je nach Auftrittsort differiert: auf dem Floß, in der Kirche, in der Kneipe, open air. Diese klangliche Vielfältigkeit im Studio einzufangen, ist ein entsprechend schwieriges Unterfangen, das nur eine einzelne Fassette Arjomis einfangen und abbilden kann, und zwar eine, die das Liveerlebnis ergänzt. Willkommen zur Freakhypnose.

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Project Pitchfork – Look Up, I’m Down There – Trisol/Soulfood 2016

Von Matthias Bosenick (08.12.2016)

Bei einem Preis von 50 Euro plus P&V für die limitierte Doppel-CD und mit Blick auf die eher mittelmäßigen Alben seit über zehn Jahren fragt man sich, ob man das neueste Album von Project Pitchfork wirklich braucht. Aus dem einst Skinny-Puppy-infizierten, geräuschlastigen Elektro ist längst wohlklingender Pop geworden, die Eigenständigkeit blieb nach zaghaften Erfolgen vor den Charts hängen. Andererseits sind solche limitierten Ausgaben von Project-Pitchfork-Alben recht schnell recht wertvoll. Na, gut, einmal noch. Und dann die Überraschung: Inmitten vertrauter Standardkompositionen funktioniert offenbar der Verzerrer wieder. Kann man gut hören, das Album. Châpeau!

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Deine Lakaien – XXX: The 30 Years Retrospective – Chrom/Soulfood 2016

Von Matthias Bosenick (01.12.2016)

Pünktlich zu Weihnachten werden Deine Lakaien 30 Jahre alt und feiern ihren Geburtstag mit einer Mischung aus Best-Of und Greatest Hits (ja, da gibt es einen Unterschied). Die gibt es wahlweise als Doppel-CD und als Doppel-Doppel-CD, und für den gewöhnlichen Fan ist eher die zweite Variante interessant, mit seltenem Live- und Studio-Material nämlich. Die chronologische Zusammenstellung verdeutlicht, was beim Durchhören der Alben längst klar ist: Bei den Lakaien verbirgt sich die musikalische Eingenwilligkeit zusehends hinter einer milden Gefälligkeit. Immer noch sind Alexander Veljanov ein guter Sänger und Ernst Horn ein guter Komponist, doch fehlt dem Gothic-Wave-Synthie-Band-Pop längst der Biss.

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Devin Townsend Project – Transcendence – HDR/InsideOut 2016

Von Matthias Bosenick (23.11.2016)

Nein, dieser Devin! Im Sekundentakt haut er uns die Lieblingslieder in spe nur so um die Ohren. Gerade erst ist seine Autobiographie „Only Half There“ mit Bonus-CD („Iceland“) und -Tape („Ancient“) erschienen, schon legt er parallel das Doppel-Album „Transcendece“ nach. Im Vergleich zu noch kürzlich benutzte Dev hier weniger Weichspüler und Grauschleier, er entzog seinem Gospelmetal das Wattige. Wie anders er noch kann, belegt er auf der Bonus-CD. Muss das schön sein, seine Depressionen überwunden zu haben! Nur dafür extra erstmal welche bekommen? Och nö, lieber nur die Therapieergebnisse anderer Leute. Wie dieses.

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Theatre Of Hate – Kinshi – Kirk Brandon/Pledge 2016

Von Matthias Bosenick (19.11.2016)

Man fragt sich, woran Kirk Brandon es festmacht, dass er mal Spear Of Destiny und mal Theatre Of Hate reaktiviert. Bis man die jeweiligen Alben hört: Die früheren Wavepopper Spear Of Destiny sind längst eine mitreißende Rockband geworden, als Theatre Of Hate macht er deutlich kargeren Waverock mit Saxophon. Und beweist: Es gibt keine schlechten Instrumente, man muss sie nur zu nutzen wissen. Wie auch die Triangel. Vom amateurhaften Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen: „Kinshi“ ist Kirk Brandon auf dem seit 35 Jahren andauernd hohen Niveau.

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Yello – Toy – Polydor/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (15.11.2016)

Ein Spielzeug zwischen „Bostich“, „The Rhythm Divine“, „Desire“ und „Planet Dada“: Yello präsentieren sich 2016 mit einem Album, das Elemente aus allen Schaffensphasen kombiniert, und das auch noch schlüssig. Welten werden sie damit sicherlich nicht mehr bewegen, fügen aber zumindest ihrem eigenen Universum etwas Brauchbares hinzu, und das ist ja auch schon eine Menge wert. Heißt: Den Techno erfinden sie kein zweites Mal neu, machen aber trippiges Elektrozeug mit Jazzhaltung. Dazu grummelt Dieter Meier wie gewohnt und lässt sich manches Mal von Frauenstimme begleiten. Das ist sehr chic.

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