Von Matthias Bosenick (02.06.2026)
Das sind unerwartete Brücken: Über meinen Freund Egon „Noge“ Bloch aus Ravensburg und dessen im benachbarten Weingarten angesiedelten Musiktonträgerhandel mit dem treffenden Namen Plattenzimmer ist mir die ursprünglich lokale, heute Freiburger Stoner-Band Father Ed vertraut, ich habe zwei ihrer Doppel-Alben in meiner Sammlung. Deren Percussionist Volker Lankow ist nun Mitglied der spontanen Berliner Zusammenkunft Zwischenklang, die auf „Forgive Me I‘m Back“ minimalistisch jazzend improvisiert. Mit Bernhard Wöstheinrich, als Pianist und Elektroniker ebenfalls Teil dieses Quartetts, arbeitet Lankow aber ohnehin schon länger zusammen.
Außer den beiden dabei sind Schriftsteller David Rothenberg, Bassklarinette und Elektronik sowie der Vermittler des Quartetts, und Fotografin Hanna Mattes, die auf Englisch verfasste Texte vorträgt, also sprechend, nicht singend, außer einigen lautmalerischen oder gesummten Passagen. Bedauerlicherweise ist es gerade ihre Stimme, die etwas zu weit im Vordergrund liegt und in ihrer gekünstelten Vortragsart die Musik überdeckt. Jene beschreibt das Projekt unter anderem als Bigbeat, kurioserweise, das muss ein Witz sein, denn das hier ist freier Jazz, nahe an der Neoklassik, mit der Kombination aus Klarinette und Piano, unterlegt mit Percussion.
Die drei Musizierenden lassen mehr Lücken, als sie Flächen bilden, trotz gelegentlicher elektronischer Soundscapes unter den anderen Instrumenten. Während die angenehm tiefe Bassklarinette überwiegend den Jazz anklingen lässt, indem sie freie Melodien erträumt, lässt das ansonsten im Jazz ja nicht unübliche Piano zwar auch jenes Genre andenken, indes nicht selten auch eine Art von modernisierter Klassik, was die Klarinette dann bereitwillig aufgreift. Dazu wiederum passt eine Percussion ja nun eher nicht, und die generiert außerdem eher selten gerade Rhythmen, sondern trägt vielmehr Effekte, Sound gewordene Architektur bei. Auch wenn sich das Trio nicht vorrangig um Melodien müht, ist die Musik hier nicht atonal oder anstrengend, obschon herausfordernd. An vertraute Strukturen jedenfalls hält sie sich nicht, strahlt aber dennoch eine angenehme Wärme und Ruhe aus. An mancher Stelle hat die Musik, die überdies fließend ineinander überzugehen scheint, etwas Cineastisches, wie für einen Arthaus-Film, oder auch etwas Orientalisches. Auch ohne die – übrigens nicht durchgehend eingesetzten – Texte lassen die Töne Bilder im Kopf entstehen.
Obschon die Musik durchgehend Ernsthaftigkeit ausstrahlt, ist dem Quartett ein gewisser Humor sicherlich nicht abzusprechen. Dafür sprechen so manche Tracktitel: „Do Not Expect Much From The End Of The World“ etwa, zauberhaft, oder auch „Khhkkhkkhkhkh“. Das muss ein Kichern sein.
