The Dharma Chain – Some Kind Of Pure State – Spinda Records 2026

Von Matthias Bosenick (05.06.2026)

Unangepasst, keinen Trends folgend und nicht mal die eigenen Genreetiketten erfüllend: The Dharma Chain veröffentlichen mit ihrem zweiten Album „Some Kind Of Pure State“ ein Loblied auf den unkommerziellen Indie-Geist. Grundsätzlich machen die australischen Berliner eine Art Rockmusik, bewegen sich dabei dicht am Wave, erinnern nicht selten an die Cranes und sind auf eine zurückhaltende Art dynamisch. Wer mag, darf die von der Band genannten Genres gern zu ermitteln versuchen – aber Vorsicht, die Freude an dem Album lenkt davon ab.

Diese anderen Geres sind laut Band: Garage Rock, Krautrock, Neo-Psychedelia, Post-Punk und Shoegaze, und ganz ehrlich: nö. Jedenfalls nicht vordergründig. „Some Kind Of Pure State“ ist besser als das. Vornehmlich hat es etwas von Wave, also ließe sich der Post-Punk noch einigermaßen abnicken. Doch treibt das hier nicht nach vorn, das hier ist reduziert, beinahe leer, dabei groovt es und zaubert außerordentlich dynamisch, woran nicht zuletzt das Schlagzeug einen erheblichen Anteil hat, mit seinem gelegentlich ungewöhnlichen Snaresound, etwa direkt im Opener „Inside A New“.

Die Leere in den Songs negiert das Etikett Shoegaze, obschon die vier Musizierenden bei den Aufnahmen ohrenscheinlich nicht selten selbstversunken umeinander herumstanden. Doch den Lärm des Shoegaze generieren The Dharma Chain nie, vielmehr reichern sie ihre Musik behutsam an, mal mit Synthieeffekten, mal mit spacig solierender („Minor Prayer“) oder postrockend flirrender Gitarre („Into The Night“). Im letzteren Song bratzt einmal kurz ein dröhnender Bass durch, und dieses unerwartet bratzenden Effekts bedient sich die Band in der finalen minimalistischen Pianoballade „How Far“ abermals. Sowie weiteren Überraschungen, wie einem spacigen Synthie in „Borderline“ (nicht von Madonna) oder einem dubbigen Western-Twang in „Loves Confusion“.

Gitarren und Keyboards kommen hier von zwei Leuten, Amanda McGrath und Benjamin Rompotis, und beide wechseln sich außerdem mit dem Singen ab. Das ergibt eine zusätzliche Spannung, die im Falle der weiblichen Stimme kombiniert mit der spröden Wavemusik recht häufig an die Cranes denken lässt. Am Bass tagt Giulia Piras, am Schlagzeug Aidan Stewart, dazu gab’s Beihilfe von Gitarrist Enrico Semler sowie Pianist, Gitarrist und Geiger Jonathan Dreyfus. So dicht, wie es die Menge der Instrumente erwarten lässt, ist der Sound nicht, die von Byron Bay, Australien, nach Berlin ausgewanderte Band weiß ihre Kräfte zu dosieren und geschmackvoll, eigensinnig und unangepasst einzusetzen. Das Debüt dieser Band, „Nowhere“, hat übrigens bereits vier Jahre auf dem Buckel.