Schizo Fun Addict – Desolate Ecstasy – Fruits de Mer Records 2026

Von Matthias Bosenick (08.06.2026)

Da geht die Sonne auf – zumindest temporär, denn da steckt doch weit mehr Dunkelheit in „Desolate Ecstasy“, dem neuen Album von Schizo Fun Addict. Ungefähr so wie der Bandname gestaltet sich auch die Musik des Quintetts aus New Jersey: Licht und Schatten bilden eine Einheit, Psychedelik, Pop, Fuzz, Wave und Kraut landen in einem Hut, und bei aller Vielfalt liegt kein Druck auf den Musizierenden, der Sound ist leicht, auch wenn er angerauht ist. An dieser Tränke finden viele Individuen ihr Labsal.

Dichte Rockmusik muss nicht fett und schwer sein, die von Schizo Fun Addict ist beides nicht. Dafür ist sie umso vielfältiger, der Eindruck, den der erste Song „Pasteline Dream“ erzeugt, trifft auf den Rest des Albums kein Bisschen zu: Zunächst geht nämlich die Sonne auf, man wähnt sich in einem sonnigen, dennoch unterschwellig melancholisch grundierten psychedelischen Sixties-Pop mit einer dominanten Frauenstimme und richtet sich darauf ein, die nächste Dreiviertelstunde in Kalifornien zu verbringen, wie man es von vor 60 Jahren kennt. Aber nix da!

Denn bereits der zweite Song „Cathedral Sunshine“ ist dunkler, hat einen krautigen Rhythmus, einigen Fuzz auf der Gitarre und männlichen Gesang im Vordergrund. Alles verdichtet sich in „The Line Is Gone“, das stoisch fordert und treibt und das insbesondere mit dem Sprechgesang sogar an The Fall erinnert. Für „Scent Of Heather“ kehrt die weibliche Stimme zurück, der Song schleppt sich hallend voran. Für „Coming To You“ bemüht die Band plötzlich einen elektronischen, wenn auch chilligen, aber doch tanzbaren Beat, der unter dem psychedelisch-verhallten Song liegt. „Strange Theaters“ erinnert mit der Kombination aus Ordnung und Chaos dezent an The Jesus And Mary Chain, das Stück hat einen poppig rasselnden Rhythmus unter leichten Dissonanzen und einem schönen „Uh“-Chor. „Believe“ ist eine Art schamanischer Folklore, zuletzt hat „Tease Murderes“ sogar einen wavigen, postpunkigen Einschlag.

Schizo Fun Addict brachten im Jahr 2000 ihr Debüt „… Just A Dimension Away“ heraus, das vorliegende dürfte das neunte Album sein, abgesehen von Splits und Compilations. Erst im vergangenen Jahr rührte das Label Fruits de Mer Records eine Sammlung im Rahmen seien Reihe „An Introduction To“ an, um Neuhörenden einen Überblick zu verschaffen. Angesichts dieses neuen Albums dürfte der sich lohnen – es gibt viel zu entdecken. Heute besteht die Band aus: Jayne Gabriel (Gesang, Gitarre), Jet Wintzer (Gesang, Synthesizer), Rex John Shelverton (Gitarren, Gesang), Ilona „V“ Virostek (Gesang, Bass, Gitarre, Keyboards) und Daniel „Dan“ Boivin (Schlagzeug, Perkussion). Die Band selbst führt zur Kategorisierung übrigens noch Shoegaze und Dreampop an, und das kann man so stehen lassen.