Neneh Cherry – Blank Project – Smalltown Supersound/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (13.03.2014)

Phänomenal: Von jetzt auf eben kommt Neneh Cherry wie aus dem Nichts mit Musik an die Öffentlichkeit zurück, die vermutlich all denjenigen, die in den 90ern „Seven Seconds“ und in den 80ern „Buffalo Stance“ in die Charts brachten, eher weniger gefallen dürfte. Einen größeren Kontrast hätte sie nicht setzten können als vor zwei Jahren mit dem Jahrzentalbum „The Cherry Thing“. Da setzt „Blank Project“ an: Nicht mehr wirklich Freejazz, aber von dort aus geht es in eine teilweise elektronische Richtung. Im Zentrum steht ihre Stimme – rauh, fordernd, einnehmend.

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Alcest – Shelter – Prophecy 2014

Von Matthias Bosenick (21.02.2014)

Da gleitet er dahin: Was einst im Black Metal startete, fließt nun träumerisch ins Licht. Angesichts der ansonsten allerorts drohenden Apokalypse ist dies womöglich eine abwechslungsreich positive Wendung, angesichts ausbleibender Originalität ist „Shelter“ allerdings annähernd entbehrlich. „Shelter“ tut nicht weh, aber ein bisschen Schmerz hätte dem Werk gutgetan.

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Booze Control – Heavy Metal – Booze Control 2013

Von Matthias Bosenick (20.02.2014)

Es ist nicht ganz so einfach mit dem jungen Quartett Booze Control. Die Braunschweiger lassen die Mittachziger-Variante der NWoBHM stilecht aufleben, allerdings so traditionell, dass es fast überflüssig ist. Sie sind technisch perfekt, die Songs sind authentisch, die Mähne schüttelt sich wie von allein, aber: Es kommt wenig Originalität dabei herum, geschweige denn – trotz des humorigen Alkohol-Themas – so etwas wie Ironie. Live wiederum ist es vermutlich die pure Partymucke.

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Bohren & der Club Of Gore – Piano Nights – Play It Again Sam/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (14.02.2014)

Hörgewohnheiten können eine entlarvende Sache sein: Für den einen ist die Musik von Bohren & der Club Of Gore das Deprimierendeste, Finsterste, Langsamste oder bestenfalls Langweiligste, was er je gehört hat, für den anderen ist es nette Begeleitunterhaltung oder die weltbeste Entspannungsmusik. Wer sich bereits ausgiebig in das Oeuvre der Mülheimer hineingehört hat, wird sich über „Piano Nights“ freuen, denn es ist ein munterer Freund in allen Lebenslagen, ideal für Frühstück, Fiesta, Feierabend. Düster geht jedenfalls anders.

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Volker Sassenberg – Gabriel Burns (40) Livrare opt – Decision/Sony 2013

Von Matthias Bosenick (17.01.2014)

Mit einem Soundtrack motzt Volker Sassenberg die Reihenfolge seiner Hörspielserie „Gabriel Burns“ um eins auf. Die Musik von ihm und Matthias Günthert ist eine Mischung aus Klassik und Electro, die die wüste Horror-Geschichte atmosphärisch treffend untermalt, als reines Musikalbum jedoch wie fast jeder Score höchstens den entsprechenden Fans gefallen wird. Das Drama und der Pathos, die bisweilen sehr stark durchdringen, funktionieren vermutlich am besten, wenn man die Ereignisse dazu im Ohr hat. Allerdings ist „Livrare opt“ leider auch eine ziemliche Frechheit.

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Eläkeläiset – Humppakalmisto – Nordic Notes/Broken Silence 2013

Von Matthias Bosenick (15.01.2014)

Einmal wie immer in den vergangenen 20 Jahren: Eläkeläiset verwursten Songs, die irgendwie jeder kennt, und machen daraus Humppa. Es hat viele Gründe, warum sich ausgerechnet dieser Witz nicht abnutzt: die musikalische Virtuosität der Rentner etwa, oder die Auswahl der Originale. Die erstreckt sich dieses Mal auf Folklore, Blues, Oldies, also deutlich älteres Liedgut, weswegen das Album auch „Humppa-Friedhof“ heißt.

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Apocalyptica – Wagner Reloaded: Live in Leipzig – BMG/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (31.12.2013)

Es war Zeit, dass Apocalyptica einmal unter ganz anderen Voraussetzungen musikalisch aktiv wurden. Es ist nicht die erste Entwicklung, die die Cellisten aus Finnland in den vergangenen 20 Jahren durchmachen, und sicherlich auch nicht der Ausblick in die Zukunft der einstigen Metal-Klassiker, sondern ein einmaliges Projekt. Denn im Wagner-Jahr erweisen Apocalyptica dem Komponisten auf ihre Weise Tribut, indem sie Songs spielen, die sie an seine angelehnt komponierten, und sich dabei unter anderem von einem Orchester begleiten lassen. Und das alles live. Respekt!

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Nick Cave & The Bad Seeds – Live From KCRW – Bad Seed Ltd. 2013

Von Matthias Bosenick (30.12.2013)

Das Jahr 2013 ist für Nick Cave ein Jahr, in dem er zur Ruhe kommt. Krachen lassen hat er es vorher zur Genüge, mit „Dig!!! Lazarus Dig!!!“, dem vorletzten Bad-Seeds-Album, und den beiden Grinderman-Werken. Damit hat er sich offenbar genug ausgetobt, denn auf dem Album „Push The Sky Away“, das Anfang des Jahres erschien, zog er die Bremse mal mächtig an. Filigran und folkig, reduziert und ätherisch, aber genauso intensiv, wenn auch ein bisschen langweiliger gestaltete er die Musik dieses Mal. Diesen Stil übernahm er für das vorliegende dritte Live-Album der Bad Seeds, das auch ältere Stücke in diesem Gewand beinhaltet, und zwar nicht nur solche, die von Natur aus schon ruhiger waren.

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Jomi Massage – Primitives – The Being Music 2013

Von Matthias Bosenick (22.12.2013)

Anders als gewohnt und damit als erwartet präsentiert sich Signe Høirup Wille-Jørgensen in ihrer Solo-Inkarnation Jomi Massage auf ihrem strenggenommen erst dritten Album „Primitives“. Die früheren Noise- und Indie-Rock-Ausbrüche bleiben aus, sie zieht sich in eine Kammer zurück, und das sowohl musikalisch als auch inhaltlich. „Primitives“ ist karg, klaustrophobisch, schwarz und, fast wie ein Kontrapunkt dazu, doch ausgesprochen kraftvoll. Im Zentrum der Aufmerksamkeit liegt ganz klar Jomis Stimme. Wer nun zu Weihnachten leicht in düstere Stimmungen gerät, sollte sich das Album vielleicht besser erst im Frühjahr zulegen, wenn wieder die ersten Häschen über die bunten Blumenwiesen hüpfen. Alle anderen dürfen sich von Jomi in den Abgrund mitreißen lassen.

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Sebadoh – Defend Yourself – Domino Recording 2013

Von Matthias Bosenick (05.12.2013)

Lou Barlow scheint unterfordert zu sein. Trat er zuletzt der reformierten Urbesetzung von Dinosaur Jr bei, reaktiviert er nun seine eigene Band Sebadoh, ebenfalls in Urbesetzung. Mit Sebadoh macht er einfach da weiter, wo er 1999 aufhörte: bei typischem 90er-Indie-Rock. Rotzig, melodieselig, nicht zwingend virtuos, aber so nachdrücklich, dass man ihm zuhören muss, und so sehr im eigenen Stil, dass man sich wieder zu Hause fühlt.

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