Eno • Hyde – Someday World – Warp/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (21.06.2014)

Dieses Album hätte vermutlich weit weniger Aufmerksamkeit erhalten, stünden nicht drei Buchstaben in einer bestimmten Kombination auf dem Cover: E, N und O. Von Bryan Eno erwartet man Qualitätsmusik, egal, in welchem Genre. Also scheut man sich auch, ein Eno-Werk schlecht zu finden, oder auch nur egal. Dabei wäre einem „Someday World“ dies eigentlich, wäre da nicht die andere Buchstabenkette: Underworld-Stimme Karl Hyde singt nämlich. Das zwar in gewohnt einnehmender Art, aber zu teilweise erschreckend banaler Popmusik mit cheesigen Sounds.

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Casualties Of Cool – Casualties Of Cool – HDR 2014

Von Matthias Bosenick (11.06.2014)

Was ist das, Ambient-Country? Es ist schon erstaunlich, was Devin Townsend den Metalheads alles unterjubelt. Und was sie alles durchgehen lassen, wenn nur Devin draufsteht. In diesem Falle ist es eine Kooperation mit Ché Aimee Dorval, der Sängerin, die auch schon auf „Ki“ zu hören war. „Casualties Of Cool“ stellt nun auch so etwas wie den Link zwischen „Ki“ und „Ghost“ dar, mit Anflügen von beiden Richtungen: Country und Western. Das Ergebnis klingt erstaunlich zwingend nach einer logischen Fortsetzung von dem, was man von Devin kennt, und somit vertrauter als befürchtet. Die limitierte Auflage hat eine Bonus-CD mit Stücken, die auf dem verworfenen „Ghost 2“ hätten landen sollen.

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Collapse Under The Empire – Sacrifice & Isolation – Finaltune Records 2014

Von Matthias Bosenick (01.06.2014)

Umtriebig sind die beiden Hamburger Martin Grimm und Chris Burda, gefühlt ständig kommt etwas Neues heraus. „Sacrifice & Isolation“ stellt die Fortsetzung des Albums „Shoulders & Giants“ von vor drei Jahren dar (dazwischen gab es ein anderes Album und eine EP), was ein hübsches Konzept sein mag, aber nicht ernsthaft ins Gewicht fällt, arbeitet das Duo bei seinem Elektro-Postrock doch komplett ohne Texte; lediglich am Cover erkennt konkret man die Analogie. Heraus kommt ein trippig-rockiges Album, das nach Soundtrack klingt und insgesamt angenehme Stimmungen erzeugt, auf Distanz aber bisweilen zu stark am Pathos schabt. Nichts desto trotz sind Collapse Under The Empire eine in ihrer Einfachheit vergleichbar innovative Band.

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Vi sidder bare her – Ingen regning til mig – Target Records 2014

Von Matthias Bosenick (29.05.2014)

Das ist wirklich mal weitgehend außergewöhnlich: Regisseur Jørgen Leth erzählt vor sich hin, dazu machen Mikael Simpson und Frithjof Toksvig Musik, zumeist elektronisch, stets reduziert. Das ist kein Rap, das ist kein Ambient, das ist auch kein Hörbuch. Es klingt vielmehr wie eine experimentelle Reportage. Wenn man nur Dänisch verstünde.

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Monno – Cheval Ouvert – Idiosyncratics 2014

Von Matthias Bosenick (01.05.2014)

Sicher, Musik wie diese gibt es einige, aber selten gebündelt bei einer Band oder gar auf einer Platte wie dieser. Monno aus Lausanne sind mit den Melvins, den Swans, John Zorn, Bohren & der Club Of Gore, Neurosis und deren Epigonen wie Isis, Boris, SunnO))), Zu sowie Black, Doom, Sludge und sonstigen schleppenden Metal-Arten bestens vertraut. Vorliegendes Album enthält vier Stücke, die allesamt klingen wie Intros, die einen anderen Weg als den erwarteten einschlagen, und die dann zehn bis 15 Minuten dauern und davon nicht eine Sekunde lang langweilen. Und wer hat’s aufgenommen? Roli Mosimann, nicht das einzige Kaufargument, aber eine schöne Referenz. Und ein Zirkelschluss.

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No Hay Banda – Deadly Songs – Pigslide Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.04.2014)

Die beiden Kopenhagener von No Hay Banda fügen dem klassischen Konstrukt Synthie-Duo im Jahre 2014 tatsächlich eine neue Ebene hinzu. Als erstes haut einen die Stimme von Louise Tækker um: dunkel, kraftvoll, geradlinig, fordernd – und erfreulich frei von chartskompatiblem Tralala. Die Musik von Jonas Linnet bedient sich zwar bei den 80ern, kopiert sie aber nicht; weder ist der Synthie dominierend – Gitarre und andere Instrumente unterfüttern die Atmosphäre –, noch ist die Produktion dergestalt auf komprimierte Fettheit angelegt, dass es einem die Ohren zudrückt. Vielmehr weiß das Duo filigran zu arrangieren und die Musik nicht zu überfrachten: reduziert, aber nicht leer, und es gibt immer etwas zu entdecken. Das vorliegende zweite Album „Deadly Songs“ nun ist zudem deutlich weniger tanzorientiert als noch das Debüt „Wow & Flutter“ von 2011. Adé CD: Erhältlich ist das halbstündige Werk als LP, Download – und Kassette.

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Gojira – Les enfants sauvages – Roadrunner 2014

Von Matthias Bosenick (09.04.2014)

Roadrunner, das Label der besonders limitierten Sondereditionen, veröffentlicht das dritte Live-Dokument von Gojira. Kann man verstehen, denn die Franzosen brachten in 20 Jahren erst fünf Studioalben heraus, da hat man es als Label schon schwer, die Kuh zu melken, insbesondere, wenn sie bei der Zielgruppe so einen guten Ruf hat. Den hat sie berechtigt: Gojira machen abwechslungsreichen und (man muss das Industriewort hier verwenden) innovativen Death-Black-Metal mit Groove, Tapping, Melodien und Umweltschutzthemen. „Les enfants sauvages“ belegt das in aufwändiger Verpackung.

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Purgamentum – Aschewelt – Purgamentum 2014

Von Matthias Bosenick (31.03.2014)

Black Metal soll es sein. Das sagt die Band selbst jedenfalls und gibt sich auch die entsprechenden optischen Insignien, aber mal ehrlich: Es stimmt nicht. Und das ist auch gut so. Wer den puren Black Metal erwartet, wird enttäuscht, und wer offen ist für jede Art von Erweiterung, wird belohnt. Das Wolfsburger Quintett spielt sauber auf hohem Niveau, vermeidet den Soundbrei, kann komponieren, mag schöne Melodien, beherrscht mehr als nur die eine genannte Musikrichtung und hat Humor. Mit diesen Fähigkeiten kreiert die Band ein Album, das man gerne immer wieder hört, auch wenn man Black Metal vielleicht nicht als sein favorisiertes Genre nennt.

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Killing Joke – In Dub – Pledge 2014

Von Matthias Bosenick (15.03.2014)

Zum dritten Mal lassen sich Killing Joke ein Album via Pledge vorfinanzieren, zum zweiten Mal ist es eine Compilation (das dritte war ein Live-Mitschnitt). Diese Sammlung hat es sicherlich in sich: Dub-Versionen von Killing-Joke-Songs all über die drei Jahrzehnte, überwiegend sogar eigens angefertigte. Wie immer stellt sich die Frage, was genau den „Dub“ so ausmacht, wird das Wort doch bisweilen sozusagen lediglich synonym für „Mix“ verwendet. Nichts desto trotz ist die Qualität der vorliegenden Musikstücke wie gewohnt exorbitant hoch und die Bandbreite an Stilrichtungen trotz des titelgebenden Etiketts enorm breit gefächert.

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Neneh Cherry – Blank Project – Smalltown Supersound/Rough Trade 2014

Von Matthias Bosenick (13.03.2014)

Phänomenal: Von jetzt auf eben kommt Neneh Cherry wie aus dem Nichts mit Musik an die Öffentlichkeit zurück, die vermutlich all denjenigen, die in den 90ern „Seven Seconds“ und in den 80ern „Buffalo Stance“ in die Charts brachten, eher weniger gefallen dürfte. Einen größeren Kontrast hätte sie nicht setzten können als vor zwei Jahren mit dem Jahrzentalbum „The Cherry Thing“. Da setzt „Blank Project“ an: Nicht mehr wirklich Freejazz, aber von dort aus geht es in eine teilweise elektronische Richtung. Im Zentrum steht ihre Stimme – rauh, fordernd, einnehmend.

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