New Model Army – Winter – Attack Attack 2016

Von Matthias Bosenick (03.09.2016)

New Model Army sind eine der wenigen langlebigen Bands dieser Erde, die noch kein einziges schlechtes Album veröffentlicht haben, und auch das 14. Album „Winter“ ist wieder gut geworden. Anders als die Vorgänger „Between Dog And Wolf“ und „Between Wine And Blood“ sind auf „Winter“ die seinerzeit erstmals starken perkussiven Anteile wieder zurückgenommen, an ihre Stelle tritt der Wille zum reinen Rock. Nicht heavy, aber mit der gewohnten gebremsten Heftigkeit und einem Hang zur Atmopshäre; die 13 Stücke sind mehrheitlich im gehobenen Midtempo gespielt. Zur Sache geht es vielmehr in den Texten, auch das ist vertraut. Und Justin Sullivan (60) hat einfach eine geile Stimme.

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Harri Kauppinen – Helvetin laulut – Concorde Music Company/Inverse Records 2016

Von Matthias Bosenick (31.08.2016)

Ein einsamer Mann mit langen, dünnen schwarzen Haaren, die unter einer schwarzen Wollmütze hervorsprießen, sitzt im herbstwinterlich kahlen Wald und tippt murmelnd auf seiner Schreibmaschine herum. Zwischendurch holt er seine Klampfe heraus und intoniert dunkle, doomige, folkige Gothicrocksongs auf halblustigem Finnisch. „Höllenlieder“, wie der Albumtitel „Helvetin laulut“ übersetzt heißt. Harri Kauppinen war einst Sänger der Darkmetaler Beyond The Dream, von denen auch keiner je etwas gehört hat. Sein Debyyttialbumi indes überrascht: Besonders der harte finnische Zungenschlag, den man dank Eläkeläiset eher in Lustig kennt, kontrastiert den gar nicht so stark klischeebeladenen schleppenden Gruftrock sehr angenehm.

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The Tubes – The Musikladen Concert 1981 – Sireena 2016

Von Matthias Bosenick (21.08.2016)

Niemand kennt The Tubes, außer Nina Hagen, und die will wiederum niemand kennen. Sie coverte den Tubes-Song „White Punks On Dope“ nur drei Jahre später, also 1978, als „TV-Glotzer“; das dürfte zumindest für einen Aha-Effekt reichen. Davon jedoch sollte man nicht auf das vorliegende Konzert schließen: Nicht nur fehlt „White Punks On Dope“ offiziell in der Setlist, die Band gebar sich zudem 1981 vorrangig als Show- und Theatertruppe mit Musikuntermalung, die mit Punk möglicherweise die Haltung, weniger jedoch die Musik gemein hatte. Am ehesten ist der Sound vergleichbar mit dem der Talking Heads aus der Zeit, und als Vertreter der CBGB-Szene gehörten die ja irgendwie doch noch zum Punk. Inspiriert haben dürfte die Show Musiker wie Deichkind oder Wayne Coyne, der vieles davon mit seinen Flaming Lips exponenzierte.

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The Claypool Lennon Delirium – Monolith Of Phobos – Prawnsong 2016

Von Michael „Schepper“ Schaefer (19.08.2016)

Moin.

Ui, die kreativen Tausendsassas Les Claypool (Bass, Gesang) und Sean Lennon (Gesang, Gitarren, Mellotron, Drums) auf einem Album? Das könnte ja interessant werden. Und das wurde es auch.

Währen man Herrn Claypool als Bassisten extraordinaire von u.a. „Primus“ oder „Oysterhead“ kennt (übrigenz einer der wenigen Bassisten, bei denen mir die Slap-Technik nicht auf den Sack geht), ist Sean Lennon als Sohnemann berühmter Eltern als Musiker u.a. bei der „Plastic Ono Band“ und bei „the ghost of a saber tooth tiger“ unterwegs. Auch das coole Artwork von CD-Cover und Booklet gehen auf sein Konto.

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Rosi – Grey City Life – In A Bad Mood 2016

Von Olaf Krautwurst (27.07.2016)

Als erstes muss ich mich bei Guido Wein aus Hameln bedanken, der mir in unserem Gespräch auf dem Owls’n‘Bats-Festival die Band Rosi empfohlen hat. Ohne Guido würde es entsprechend die Rezension nicht geben. Als ich nun sah, dass das Album „Grey City Life“ bestellbar war, wurde spontan mein Interesse geweckt und ich bestellte ein Exemplar der LP, welches auch zwei Tage später bei mir eintraf. Wie ich am Empfangstag erfuhr, bekam ich die LP durch meine Direktbestellung als einer der ersten und weit vor dem offiziellen VÖ im September 2016.

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Sonic Wolves – Before The End Comes – Taxi Driver Records 2016

Von Matthias Bosenick (09.07.2016)

Verdammt: Indianer! Extrem tief verwurzelt in psychedelisch heavyrockenden Siebzigern, hieven die vier Musiker aus Alessandria bei Genua den Stoner Rock ins Classic-Rock-Regal, nur rotziger. Man hört diesem Debüt an, dass sie allesamt schon zum Teil langjährige Erfahrungen in anderen Bands haben; genannt seien hier unter anderem Pentagram und Ufomammut. Das gibt auch grob die Spannweite dieses gut halbstündigen Albums wieder.

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Swans – The Glowing Man – Young God Records/Mute 2016

Von Matthias Bosenick (02.07.2016)

Überraschend unlärmig ist der – ja, auf das Wortspiel kommt jeder – Schwanengesang der jüngsten Swans-Inkarnation. Leichte Kost wird dieses zweistündige Album dennoch für die meisten Menschen kaum sein. „The Glowing Man“ klingt, als hätten Michael Gira und seine nicht mehr lange um ihn kreisenden Mannen das Vorgängeralbum „To Be Kind“ entkernt und hier die herausgearbeiteten Kerne neu verfugt. Repetetives Ausufern ist die Basis der meisten Stücke, mit flirrenden, nur latent dissonanten Semimelodien darüber. Selbst das Tempo bleibt reduziert, die musikalische Wucht dadurch aber kaum. Was man mit den herkömmlichen Bandinstrumenten nicht alles selbst im Jahre 2016 noch Unerhörtes kreieren kann. Respekt, ihr alten Männer!

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Lassigue Bendthaus – Matter – Dark Entries 2014 (Original 1991)

Von Olaf Krautwurst (30.06.2016)

Eigentlich wollte ich aus Zeitgründen keine Rezensionen mehr schreiben. Warum ich dies nun doch wieder mache, ist einfach erklärt. Ich habe angefangen, mir wieder Schallplatten, ja Vinyl, zu kaufen und da ich mich daran so erfreue, möchte ich euch hier ein paar Sahnestücke meiner Einkäufe vorstellen.

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Gojira – Magma – Roadrunner Records 2016

Von Matthias Bosenick (21.06.2016)

Magma ganich glaum, dass sich Gojira von Album zu Album weiterbewegen. Zwar benennt die französische Metalband ihr sechstes Album nach der wichtigsten französischen Progband, doch nimmt sie den Proganteil in ihrem Death Metal bedauerlicherweise weit zurück. Noch nie waren Gojira-Songs eines ganzen (hier nicht mal 45-minütigen) Albums so kompakt wie auf „Magma“. Stattdessen arbeiten sie ihre anderen Qualitäten aus: Harmonien, Melodien, Instrumentenbeherrschung, Wucht, Most, Atmosphären, Fingerfertigkeit, Stilmix. Es gibt im zeitgenössischen Metal kaum eine bedeutsamere Band als diese. Das untermauert „Magma“. Punkt.

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Tribute – Terra Incognita – Sireena Records 2016 (Original 1990)

Von Matthias Bosenick (19.06.2016)

Nicht Totengräber, sondern Schatzsucher sind die Leute von Sireena: Hiermit veröffentlichen sie den Schwanengesang des schwedischen Progkonglomerats Tribute (ungeschickter Name aus der Prä-Google-Zeit). Interessanterweise klingen viele zeitgenössische Progalben so ähnlich, „Terra Incognita“ (nicht zu verwechseln mit dem grandiosen Debüt von Gojira) könnte genau so auch von heute sein. Das sagt einerseits etwas über das vermeintlich Neue im Biz dieser Tage aus und andererseits über die offenbar nicht flächendeckend ausgefallene Berücksichtigung der Band im weltweiten Progkosmos. Zumindest mir sind sie vorher nicht untergekommen. „Terra Incognita“ ist so abwechslungsreich, dass im Wortsinne für fast jeden etwas Ansprechendes dabei ist – aber auch etwas, das er vielleicht nicht so mag.

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