Kuhn Fu – Chain The Snake – Berthold Records 2019

Von Matthias Bosenick (25.03.2019)

Ist Musik nicht eindeutig in eine Schublade packbar, fallen als erstes Begriffe wie Jazz oder Progressiv, wenn nicht Avantgarde. Auf Kuhn Fu trifft alles davon zu: Ihre bassklarinettendominierte Fusion verleiht der Rockmusik auf dem vierten Album „Chain The Snake“ unerwartete Winkel und nimmt ihr herkömmliche Popsongstrukturen. Einige Analogien liegen nahe, von Zappa bis Mr. Bungle. Wie oft bei solch abstrakter Komposition bestaunt das Gehirn das Handwerk und zuckt die Seele mit den Schultern. Zunächst: Kuhn Fu – nicht nach Paul benannt – legen Wärme in ihre Musik, darin fühlt sich alsbald auch die Seele wohl.

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The Claypool Lennon Delirium – South Of Reality – ATO Records 2019

Von Michael „Schepper“ Schaefer (08.03.2019)

Moin,

wie schreibt man eine Rezi, wenn eigentlich schon vorher klar ist, dass wir hier mein persönliches Lieblingsalbum des Jahres vorliegen haben?
All meine Erwartungen wurden sogar noch weit übertroffen.
Mal ehrlich – was soll denn da jetzt noch kommen? Außer vielleicht, die Herren Claypool und Lennon sind noch kreativer als jetzt und legen dieses Jahr noch ein Album nach…

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LCD Soundsystem – I Used To (Dixon Retouch)/Electric Lady Sessions – DFA/Columbia 2018/2019

Von Matthias Bosenick (07.03.2019)

Natürlich kann James Murphy nicht stillhalten, und natürlich beschränkt er seine Aktivitäten nicht aufs Labelbetreiben. Mit den vor drei Jahren reaktivierten LCD Soundsystem wirft er nun eine 12“ nach der nächsten auf den Markt und spielte in Jimi Hendrix‘ berühmten Studio einige alte eigene und drei Coversongs neu ein. Bei „I Used To“ ist die B-Seite relevant und bei „Electric Lady Sessions“ sind es eher die Coversongs. Gibt’s beides ausschließlich auf Vinyl, wo nicht als Download.

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De Staat – Bubble Gum – Caroline International 2019

Von Matthias Bosenick (25.02.2019)

Das dürfte das größte Rätsel der Menschheit sein: Da veröffentlichen De Staat Ende 2018 als Download mit „Kitty Kitty“ den besten Song des dritten Jahrtausends, und das Album dazu, „Bubble Gum“, enthält nur Scheiße. Man bleibt fassungslos zurück. Die Grätsche aus Sperrigkeit und trotzdem Kommerz gelingt den Niederländern einfach mal gar nicht, nicht nur das, beide Komponenten bedienen sie auch noch jede für sich unhörbar. Der große Hit ist es wert, den Preis eines Albums dafür zu zahlen, aber zu allem Übel ist der hier auch noch um fast eine Minute gekürzt und somit physikalisch nicht in der vollen Pracht zu haben. Eine grandiose Enttäuschung.

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Der Finger – Le Cinqve Stagioni – Toten Schwan Records 2019

Von Matthias Bosenick (21.02.2019)

Herrliche Entspannungsmusik! Sofern man dafür offen ist: Der Finger aus Moskau legen einen Teppich aus Lärm, über den sie mit einem Saxophon spazieren und um den herum wilde Tiere brüllen. Sie schmeißen Maschinen an, ergehen sich im Experiment und malen riesig das Wort „Jazz“ über ihre Drones. In fünf überlangen Tracks arbeitet sich die Band an der „Illuminatus!“-Trilogie von Robert Shea und Robert Anton Wilson ab. Aber nicht unstrukturiert, das Trio geht rhythmisch und bisweilen sogar mit einem am Krautrock orientierten Groove vor. Wundervoll!

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New Model Army – Night Of A Thousand Voices – Attack Attack 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2019)

Anstatt sich einen Chor mit auf die Bühne zu holen, verpflichten New Model Army kurzerhand ihr eigenes Publikum dazu, ihre Songs mitzusingen. Heraus kommt ein Livealbum, wie es dies vermutlich bislang vorher noch nie gab: Die Band spielt, aber der Gesang kommt nicht (ausschließlich) von Justin Sullivan und den anderen Musikern, sondern von den Fans. Die sind ohnehin textsicher und verwandeln das zweiabendige Konzert in eine Heilige Messe mit Stadionflair. Die ausgelassene Stimmung wirkt sogar zu Hause, die Songs sowieso. Was für ein Spaß!

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Pree Tone – Kiddy – (abhängig label)/Geertrudia 2018

Von Matthias Bosenick (06.02.2019)

Das ist Janusmucke: Der Blick von Pree Tone geht zeitgleich auf die eigenen Schuhe und ins All. Die Ukrainer machen auf ihrem neuen Album „Kiddy“ einen in den Neunzigern verwurzelten Indie-Noiserock, aber strukturiert genug für harmonische Ausflüge zwischen Effektpedalen und Unendlichkeit. Das ist eskapistischer Wall-Of-Sound-Lärm, der trotzdem rockt und groovt. Rund 30 Jahre nach Erfindung solcher Sounds ist es natürlich schwierig, noch etwas Neues zu kreieren, aber: Etwas Eigenes gelingt Pree Tone auf jeden Fall.

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Mirrors For Psychic Warfare – I See What I Became – Neurot Recordings 2018

Von Matthias Bosenick (31.01.2019)

Bei den ganzen Projekten, die der umtriebige Scott Kelly neben Neurosis so betreibt, kann man schon den Überblick verlieren, besonders, wenn man spät versucht, da noch einen Einstieg zu finden. Den sucht man dann vielleicht am besten über ein Projekt, das erst das zweite Album vorweist: Mirrors For Psychic Warfare, zusammen mit Sanford Parker (unter anderem bei Buried At Sea). Und was man da bekommt! Neurosis-Sludge-Drone durch den Industrial-Fleischwolf gedreht, also schleppenden Noise, aber mit Harmonien, Melodien und einem unerwartet klaren Gesang. Zählt zum Besten des vergangenen Jahres.

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NothingButNoise – Formations Magnétiques et Phénomènes D’incertitude – db2fluctuation 2018

Von Matthias Bosenick (30.01.2019)

Das ist Redundanz auf hohem Niveau: Wer viel macht, wiederholt sich bisweilen, und die beiden (zur Hälfte früheren) Front-242-DBs Daniel Bressanutti und Dirk Bergen produzieren sowohl für sich (Daniel .B. Prothèse) als auch unter dem Alias Nothing But Noise (hier indes mal ohne Leerzeichen) so viel Musik, dass es sich für das Jahr 2018 auf mindestens circa vielleicht acht Veröffentlichungen summiert. Die allesamt jedoch eeeeetwas spannender sind als das vorliegende Doppel-Album, auf dem sich das Duo mit analogem Equipment in blubberndem Ambient nach alter Berlin-Schule mit Jean-Michel-Jarre-Einschlag ausschläft. Das machen sie schön und angenehm hörbar, aber so sehr nicht zum ersten Mal, dass man leider nicht das Gefühl hat, das Album dringend zu brauchen. Außer für die vollständige Sammlung und mal zum Einschlafen, wenn Justus, Bob und Peter gerade keine Zeit haben.

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Wolfskull – Wolfskull – Wolfskull 2018

Von Matthias Bosenick (25.01.2019)

Eine Mischung aus Klassik und Free Jazz, könnte man sagen, macht das Duo Wolfskull: Während Yvonne Nussbaum lieblich das Klavier oder die Orgel betupft, randaliert Jörg A. Schneider dezent auf seinem Schlagzeug herum. Liest sich merkwürdig, passt aber perfekt: Trotz der nervösen Drums hat dieses Debüt etwas Entspannendes. Spannend, was die einstigen Wegbegleiter von Les Hommes Qui Wear Espandrillos aus Hückelhoven inzwischen so miteinander fabrizieren!

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