Anne Clark & Thomas Rückoldt – Homage: The Silence Inside – After Hours Productions 2018

Von Matthias Bosenick (21.02.2019)

So ganz still und heimlich wirft Anne Clark nach zehn Jahren Scheinpause ein neues Album auf den Markt, vertrieben ausschließlich über ihre Webseite. Als Verbündeten suchte sie sich das unbeschriebene Blatt Thomas Rückoldt aus Jena, die Texte stammen zum zweiten Mal nicht von ihr: Mit Soundscapes oder Piano unterfüttert, rezitiert Clark Lieblingsgedichte von Lieblingsdichtern. Verglichen mit dem Vorgängeralbum „The Smallest Acts Of Kindness“ beinahe enttäuschend minimalistisch, Tanzflächenfüller sind gar nicht enthalten. Doch gibt man dem Album eine Chance, öffnen sich die positiven Seiten und man gewinnt es lieb.

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Carsten Bohn’s Bandstand – Brandnew Oldies Vol. IV – Big Note 2018

Von Matthias Bosenick (16.01.20019)

Der Gott der Hörspielmusik, der Bert Brac der Rechtsstreitereien, der Ex-Schlagzeuger von Frumpy: Carsten Bohn bündelt viele Attribute, die sich sämtlich in der 2004 mit dem eigens reaktivierten Bandstand gestarteten Reihe „Brandnew Oldies“ niederschlagen. Nach neunjähriger Pause und dem Rauswurf aller Begleitmusiker legt Bohn nun den vierten Teil seiner neu eingespielten Hörspielmusiken vor, die er ursprünglich bis zum Rechtstreit 1983 für das Europa-Label komponierte und die bei den meisten Hörern der entsprechenden Serien – von Die Drei Fragezeichen über Gruselserie und Fünf Freunde bis TKKG – noch heute ein heimeliges Gefühl erzeugen. Doch dieses Mal enttäuscht Bohn: Entweder ist das Erinnerungsvermögen des Hörers sehr schlecht – oder er veränderte die Stücke wirklich bis zur Unkenntlichkeit.

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Dead Can Dance – Dionysus – PIAS 2018

Von Matthias Bosenick (07.01.2019)

Wenn man die Interviews mit Brendan Perry zuerst liest und dann das Album „Dionysus“ hört, fällt dieses maßlos enttäuschend aus. Der intellektuelle Überbau ist größer als der Inhalt, den diese musikalische Auseinandersetzung mit dem griechischen Partygott mitbringt, zumal rein instrumental. Die einst so fragil groovende Musik ist hier ein Versatz aus von Dead Can Dance Bekanntem, nur kitschiger zusammengefügt. Letztlich entpuppt sich „Dionysus“ außerdem als Solo-Album von Perry, bei dem die ach so unbeugsame Lisa Gerrard nur mal lautmalerisch mitträllern darf. Nicht sehr sympathisch, das Zusammenspiel der beiden. Es sei geraten, auf die alten Alben von bis vor 22 Jahren zurückzugreifen.

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Alien Sex Fiend – Possessed – Cherry Red 2018

Von Matthias Bosenick (03.01.2019)

Den Sound der Snare kennen wir seit 35 Jahren, ansonsten liefern Alien Sex Fiend mit „Possessed“ ein Album ab, mit dem wohl weder Fans noch Skeptiker gerechnet hätten. Am ehesten noch scheint es an „Open Head Surgery“ anzuschließen, und das war 1992 schon reichlich umstritten; die Songs tragen heute endlich wieder Strukturen, also diese undefinierte Abfolge von irgendetwas wie Strophe kombiniert mit etwas Wiedererkennbarem, das keinen klassischen Popkonzepten folgt, und die an Unhörbarkeit grenzenden Technik-Experimente der jüngeren Vergangenheit sind gottlob ebendies. Nie klangen die Batcave-Helden erwachsener als hier, nie uneindeutiger einem Genre zuzuordnen: Goth-Rock ist dies nicht, Pop sowieso nicht, kein Dark Ambient, noch am ehesten elektrorockende psychedelische Avantgarde. Grandios! Aber mit einem unschönen Verkaufskniff.

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Sun Temple Circus – Sun Temple Circus – Tribal Stomp/Cargo 2018

Von Matthias Bosenick (02.01.2019)

Sun Temple Circus? Nie gehört. Und es dauert auch bis mitten ins zweite Stück, bis man den Aha-Effekt hat: Das dunkle Gegrummel, das da der Gesang ist, kommt doch von Tom Redecker! Noch ein Projekt also von „The Perc“, dieses Mal ein Live-Album, das deutlich an die Zeit der Krautrocker erinnert, seine besten Musikerfreunde teilhaben lässt und dem Zuhörer das Gefühl vermittelt, den Künstlern beim Jammen zuhören zu dürfen. Das ist als kreative Analyse spannend, musikalisch ist es indes so verstiegen wie auch der landläufige echte Krautrock. Egal, das groovt an den meisten Stellen, und die Sitar von Harry Payuta haut sowieso alles raus. So zeitlos wie aus der Zeit gefallen.

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Laibach – The Sound Of Music – Mute 2018

Von Matthias Bosenick (28.12.2018)

Was für eine Entwicklung: Wie aus der stumpf-martialischen Electro-Krawall-Combo eine rücksichtsvoll agierende Politgruppe wurde. Laibach liefern mit ihrer Version des Musical-Soundtracks „The Sound Of Music“ quasi den Soundtrack zu ihrer eigenen Dokumentation „Liberation Day“, die davon handelte, wie die Band, die einst von Slowenien aus loszog, autoritäre Regimes ironisch zu kopieren und sie damit bloßzustellen, ins autoritäre Nordkorea reiste, um dort überraschend rücksichtsvoll als erste Band aus dem Westen (und das als Band aus dem früheren Ostblock!) ein Konzert zu geben. Das Alpenmusical „The Sound Of Music“ stellt dabei den Score zu einem Nordkoreanischen Lieblingsfilm dar, dem sich Laibach ebenso behutsam nähern wie der Bevölkerung vor Ort. Respekt!

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Soulfly – Ritual – Nuclear Blast 2018

Von Matthias Bosenick (19.12.2018)

Maxe hat schlechte Laune. Wie immer. Und schon zum XI. Mal unter dem Namen Soulfly, macht bei 20 Jahren Bandgeschichte im Schnitt alle zwei Jahre ein neues Brett. Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass die nicht alle so richtig doll unterscheidbar sind, aber druckvoll in die Fresse gibt’s jedes Mal mit Garantie und dieses Mal deutlicher vernehmbar Spaß an der Sache. Und irgendwelche kleinen Gimmicks fallen Max Cavalera auch immer ein. Brasilianische Tribals sind jetzt zwar auch nicht mehr so die Neuerung, aber ein Saxophon zum Beispiel ist im Metal doch eher selten zu hören, da sind Flamencogitarre und Flöte schon beinahe gewöhnlich gegen. Ein Gruß an Lemmy steckt übrigens auch mit drin, im „Ritual“.

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Oak – False Memory Archive – Karisma Records 2018

Von Matthias Bosenick (18.12.2018)

Warmweicher Progpop ertönt vom zweiten Album der norwegischen Band mit dem verwechselbaren Namen Oak. Unaufgeregt, und doch aufregend, gemessenen Schrittes, aber immer spannend, latent komplex, dabei überraschend eingängig: „False Memory Archive“ überzeugt auf ganzer Linie. Überraschend kerzenhelle Entdeckung für die dunklen, kalten Monate.

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Thom Yorke – Suspiria – XL/Beggars/Indigo 2018

Von Matthias Bosenick (06.12.2018)

Schwierig, den Soundtrack zu einem Film zu beurteilen, den man nie gesehen hat, und der auch noch ein Remake eines Films ist, den man auch nie gesehen hat, und dessen Musik sich an dem Original-Score orientiert, den man auch noch nie gehört hat. Heißt: Man hört „Suspiria“ einfach mal als Thom-Yorke-Album mit dem Wissen im Hinterkopf, es mit Horrorfilmmusik zu tun zu haben. Das funktioniert sehr gut: Die Post-Neunziger-Radiohead sind allgegenwärtig, Yorke wimmert wie gewohnt und die scheinbar elektronische und durchgehend recht progressive Mucke erzeugt beklemmende Gefühle. Hexerei!

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Sir Collapse – Walk To The Moon – Sir Collapse 2018

Von Matthias Bosenick (12.11.2018)

Wer seine Digipak-CD mit einem persönlich adressierten handgeschriebenen Waschzettel versehen in den Briefkasten wirft, hat schon mal jede Aufmerksamkeit. Sir Collapse aus Neuss verdienen sie aber auch akustisch: Puren Noise machen sie indes nicht, sondern schwer abgehangenen Indie-Rock mit Stoner-Einschlag. Hier dienen Monster Magnet kaum weniger als Referenz als die Foo Fighters – nur dass Sir Collapse gottlob deutlich weniger angepasst und kommerziell sind. Ihre musikalische Wucht erzeugten sie, indem sie die Musik live im Studio einspielten. Klingt nicht nach einem Debüt, da steckt mehr drin.

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