Von Onkel Rosebud
Seitdem ich die außergewöhnliche Serie vor circa fünf Jahren zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich unbedingt, dass auch meine Freundin die Serie schaut. Damals begriff ich schnell, dass ich gern über „Rectify“ mit ihr reden möchte. Mit fortschreitendem Alter wird man immer mehr berührt von Menschen mit traurigen Schicksalen, die es offenkundig schlimmer getroffenen hat als man selbst. Das gilt physisch wie psychisch. „Rectify“ habe ich neulich noch einmal gesehen – ohne sie, weil ihr das Thema der Serie zu traurig ist. Aber mich hat es erneut emotional mitgerissen, so wie es kaum andere Familiengeschichten aus Film, Fernsehen, Literatur oder Musik je geschafft haben.
Archiv der Kategorie: Was meine Freundin gerne
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Die Wege des Herrn – Beten ist besser als Sex
Von Onkel Rosebud
In der religiösen Pfarrer-Familiengeschichte aus Dänemark geht’s um Glaube und Gott sowie maskuline Konflikte. Damit die Nicht-Christen auch am Ball bleiben, wird auch viel gevögelt. Johannes, der dominierende, alkoholkranke Vater, treibt‘s mit seiner Frau und Ursula, der Geliebten aus der Pfarrei. Elisabeth, die spirituelle Mutter, entdeckt ihre Bisexualität und wird regelmäßig von der norwegischen Untermieterin Liv vernascht. Sohnemann Nummer eins, das schwarze Schaf Christian, pendelt aus Sicht der Penetration zwischen Amira und Nara. August, der hauptdarstellende Drama-Sohn und auch Pfarrer, missioniert in Stellung gerne mal Emilie, seine Frau, die dann später mit ihrem Arbeitskollegen …
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Justified – Wir haben zusammen Kohle geschürft
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin mag den Schauspieler Jacob Pitts. Dieser wiederum ist recht menschenscheu und deshalb kennt ihn kaum jemand, hätte er nicht eine Nebenrolle als Deputy U.S. Marshal Tim Gutterson in „Justified“ gehabt. Er spielt einen sardonischen ehemaligen Army-Scharfschützen, der für jedes Ziel immer „das passende Objektiv“ dabei hat und auch trifft. Und meine Freundin mag es, wenn er das ganz große Teleobjektiv auspackt …
WeiterlesenWas meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Shtisel – Ein Fest für Misophoniker
Von Onkel Rosebud
Misophonie in Verbindung mit Nahrungsaufnahme ist der Ekel auf die Geräusche dabei, eine Empfindlichkeit auf Schmatzen, Kauen mit offenem Mund, lautes Würge-Schlucken, Nase hochziehen und wiederholtes Klicken der Zähne beim Essen – und der Klassiker: Reden mit vollem Mund. Also all‘ das, was Eltern ihren Kindern am Tisch heutzutage bewusst oder unterbewusst vermitteln, neben „Nimm die Ellenbogen vom Tisch“ oder „Zieh‘ die Hausschuhe an“.
Die israelische Drama-Serie „Shtisel“ (3 Staffeln 2013 bis 2021) ist ein vier Generationen umfassendes Familiendrama, dass im Milieu ultraorthodoxer Juden in Ge‘ula, einem Stadtviertel von Jerusalem, spielt. Es wird nicht nur ständig geraucht, sondern auch sehr oft gegessen. Beim ungeliebten sonntäglichen Suppe-Essen werden die Probleme der einzelnen Familienmitglieder ausgekippt. Dazu schlürft Shulem Shtisel, der Patriarch, sehr laut bis an die Grenze der Unerträglichkeit. Wenn er den obligatorischen Essig-Gurken-Salat katscht und dabei seinen Spätgeborenen, Akiva Shtisel, runtermacht, dann stehen einem die Nackenhaare zu Berge. Trotzdem die Sprache der Serie fast ausschließlich Hebräisch oder Jiddisch ist, und nur Untertitel einem erschließen, worum es inhaltlich geht, hält man die Misophonie aus, weil alles drin ist in der Serie, was ein gutes Familiendrama ausmacht: Liebe, Eifersucht, Geborgenheit, Aufopferung, Verlust, Angst, Untreue, Rebellion, Coming of Age, Abtreibung, Inzest, Vater-Sohn-, Mutter-Tochter- oder Bruder-Bruder-Kampf.
Neu auf KrautNick ist fortan die Kolumne „Was meine Freundin gerne …“ von Onkel Rosebud. Das diesem Titel folgende Verb ist alternierend „sieht“ oder „hört“, je nachdem, mit welchem Thema sich Onkel Rosebuds Freundin gerade befasst, also Bewegtbilder in TV-Sendungen, Streamingangeboten, DVD-Boxen oder eben Musik in allen Erscheinungsformen – Onkel Rosebud protokolliert es und lässt uns daran teilhaben.
Onkel Rosebud mag auf KrautNick neu sein, aber seine Kolumne ist es nicht: Zwischen 1995 und 2004 veröffentlichte er „Was meine Freundin gerne hört“ in der Dresdner Studentenzeitung „ad-rem“, mit einer Reichweite von 30.000 gedruckten Exemplaren und einer kaum weniger großen Fangemeinde. Nun kommt er nicht einfach zu KrautNick, sondern KrautNick kommt zu ihm: Onkel Rosebud trug – wie auch Matthias Bosenick und Guido Dörheide – bei beiden bisherigen Ausgaben der geplanten Buchtrilogie „Ich liebe Musik“ Texte bei, ist mit den beiden Schreibern mithin seit 1999 verbunden. Umso mehr freut es KrautNick, ihm diese Zusammenarbeit anbieten zu dürfen und künftig von Onkel Rosebud erzählt zu bekommen, was seine Freundin so gerade sieht. Oder hört.
Der erste Teil von „Ich liebe Musik“ ist bedauerlicherweise vergriffen, aber Vol. 2 ist nach wie vor im Windlustverlag von René Seim erhältlich! [07.10.2022, Red.]
