Von Matthias Bosenick (04.05.2026)
Oh Gott, orchestraler Bombast-Progressive-Folk-Metal! Genau all das steckt auch in „Cairn“, dem vierten Album von Parallel Minds aus Frankreich. Irgendwo zwischen Nightwish-Kitsch und Death Metal gibt’s Augenblicke, in denen Devin Townsend anerkennend nickt, und die bettet die Band in Szenen aus theatralisch gereckten Fäusten, angenehmer Folklore und nackenstrapazierendem Groove-Metal ein. Dieser keltische Steinhügel steckt so sehr voller Ideen, dass man Schwierigkeiten hat, die für sich selbst anstrengenden rings um die ansprechenden auszuhalten.
Grundsätzlich ist das hier schon Metal, ja. Es groovt, es speedet, es thrasht, es deatht, und allem voran: es proggt, weil Parallel Minds alles verschachtelt miteinander kombinieren. Zudem nicht nur die Metal-Spielarten, sondern auch den Rest des Instrumente-Arsenals, das ihnen zur Verfügung steht, und das ist riesig. So eine Akustikgitarre ist da noch naheliegend, doch gibt’s da auch allerlei Folklore-Instrumente, saiten- wie blasbasierte, dazu entsprechende Arrangements, die man auch in der Mittelaltermucke und der Folklore findet. Angesichts des Titels – ein „Cairn“ ist ein keltischer Steinhügel – liegen Musikstrukturen aus keltischen Gegenden ja auch nahe.
So liest es sich erstmal spannend, ist es auf weiten Strecken auch, etwa in den Sequenzen, die wie Zwischenspiele wirken, mit Harfe, Chorgesang und Melancholie beispielsweise. Nur gibt’s da ja noch den Kitsch-Aspekt, dem die Parallel Minds erliegen: Der Gesang etwa hat diverse Ausprägungen, von angenehm dem Death Metal nahe gegrowlkeift über klar gesungen bis piratenhaft geshantyt. Man fühlt sich dann zum Schunkeln gezwungen und zudem etwas orientierungslos, weil diese teils sogar streicherfette Opulenz nicht so recht mit den Bretter-Passagen harmonieren mag. Oder dem eigenen Geschmack, das kann auch sein.
Man kann indes nicht behaupten, die Parallel Minds könnten nix, im Gegenteil. Sie können so richtig viel. Und das stellen sie hier auch alles zur Schau. „Cairn“ ist das vierte Album der Band seit der Gründung 2013, der Vorgänger „Echoes From Afar“ ist bereits vier Jahre alt. Die Köpfe dieser Band sind Sänger Stéphane Fradet und Gitarrist Grégory Giraudo, zum Quartett wird Parallel Minds mit Bassist Antoine Moutet und Schlagzeuger Eric Manella. Sie selbst geben als Orientierungshilfe Bands wie Blind Guardian, Testament, Symphony X oder Nevermore an; wer sich dort zu Hause fühlt, hat vermutlich weniger Schwierigkeiten, sich diesem „Cairn“ zu nähern.
