Noema – Echoes Of Four – Perma F Music 2026

Von Matthias Bosenick (08.05.2026)

Wie aus einem experimentellen Ansatz eine EP wird: Für „Echoes Of Four“ riefen die beiden schwedischen New-Wave-Helden Leif Ekman und Hans Thunberg das Projekt Noema ins Leben. Sie erstellten auf Basis von vier Akkorden vier Tracks mit vier verschiedenen Stimmungen – oder „Gedanken“, „Sinnen“, was Noema aus dem Griechischen übersetzt heißt. Und in der Tat: Man hört die vier Akkorde jeweils heraus, und doch generieren die auf dieser Basis entstandenen Tracks vier unterschiedliche Gefühlslagen. Man lernt dazu und genießt.

Eine tiefe Glocke leitet die EP ein. „Time“ ist nicht von Pink Floyd, Noema haben ihre eigene Zeit, und hier außerdem Birgitta Ekman als Gastsängerin dabei. Ihre Stimme erklingt zum entrückten Piano und ist zunächst stark verfremdet. Das Stück strahlt Ruhe aus, über leichten Synthies und einem die vier Akkorde tupfenden Piano soliert eine atmosphärische E-Gitarre im Wechsel zum Gesang, der bald klar „there is a time for all of us“ erkennen lässt, inmitten dieses beinahe sakralen, melancholischen, innerlichen Stücks, das mit einer Glocke auch endet.

„Dance“ trägt seinen Titel nicht zufällig: In diesen sechs Minuten loten Ekman und Thunberg Jahrzehnte der Clubmusik aus. Ein synthetischer Rhythmus beschleunigt die Abfolge der vier Akkorde, verzichtet aber zunächst noch auf den fetten Beat, ist eher Downbeat oder Breakbeat. Technoide Synthies treten hinzu, man spürt, dass sich das Stück steigern will. Die Stimmung wirkt nun befreit, man tanzt auf einer Wiese, über der die Wolken aufreißen und die Sonne strahlend die Welt erhellt. Noema stapeln Schichten übereinander, bis zu einem Break, nach dem der gebrochene Rhythmus wieder übernimmt und die Grundlage bietet für ermunternde E-Gitarren-Spielereien zu rhythmischen Synthieeffekten.

Das Duo bremst sich für „Dream“ wieder aus, greift zurück zum Piano und außerdem zu Gesang aus Sampledatenbanken. Zunächst männlich und weiblich gesungene Opern, später noch Gesänge aus entlegenen Weltengegenden, zuletzt hört man jemanden „ich war voll Lust und Schmerz“ singen, was vermuten lässt, dass dies aus dem von Franz Schubert vertonten Gedicht „Du bist die Ruh“ von Friedrich Rückert stammen könnte. Das Stück selbst ist kontemplativ, hat keinen Beat, lediglich dezente Synthieeffekte, dazu Elemente wie aus Entspannungs-Traumreisen, etwa gelegentlich angeschlagene Glöckchen, zwischenzeitig auch atmosphärisch passende Streicher. Mit einem Glöckchen endet das Stück auch und damit der Traum.

In „Downlands“ übernimmt eine gently weepende Gitarre die vier Akkorde. Ein Windspiel bringt helle Momente in dieses eher wavige, melancholische, zunächst beatlose Stück und erzeugt das Gefühl von Hoffnung in dunklen Zeiten. Eine weitere minimalistische Gitarre betont das Wavige, der dazu einsetzende Rhythmus indes ist eher ein chilliger Hip-Hop-Shuffle ohne Kickdrum. Mit den hellen Tönen erzeugt das Duo eine Hoffnung, die aus dem tiefen Tal herausführt.

Hier experimentieren zwei verdiente Musiker des schwedischen Undergrounds miteinander. Leif Ekman war in den Achtzigern Teil der New-Wave-Bands Att Som und Unter Den Linden und betreibt nun seit vielen Jahren mit seiner Frau Birgitta Ekman das elektronisch-experimentelle Projekt Perma F. Hans Thunberg startete als klassischer Gitarrist, und wenn jemand als Teenager seine erste Band Gollum nennt, ist naheliegend, dass er später irgendwie im Bereich Progg aktiv sein würde. Aber nicht nur, obwohl er mit den Boojwah Kids Anfang der Achtziger durchaus Wave mit Prog Rock vermengte. Zuvor machte er mit Psynkopat Rock und parallel mit Hjärnstorm Post Punk und mit Elegi New Wave. Es folgten Zon 6, Underland, Tow Truck Two, Grape und Obygden, und längst ist Thunberg als Solist und als Kooperationspartner für unzählige andere Musiker unterwegs. „Echoes Of Four“ ist nicht die erste Zusammenarbeit von Ekman und Thunberg, 2021 veröffentlichten sie als Leif Ekman & Mittnatsdjuret die Single „That’s What A Lie Is Like“; zu dem Projekt gehörte noch Helena Lennie Törnblom. Mehr von Noema ist offenbar in Arbeit – man darf sich darauf freuen.