Draken – Here Be Draken – Dark Essence Records 2026

Von Matthias Bosenick (07.05.2026)

„Irgendwo zwischen Heavy Rock und Metal“ ordnet sich das norwegische Trio Draken selbst ein. Was erstmal unschöne Vorstellungen von drittklassigen Altstadtfestkapellen evoziert, entpuppt sich auf dem dritten Album „Here Be Draken“ als in die Fresse knallende Wundertüte an allen möglichen unbequemen Substilen im Bereich der genannten Genres. Mit solcher Musik hätte man wieder Bock auf Altstadtfeste. Merkwürdig überdies, dass hier in der Info der Trondheimer das Wort „progressiv“ fehlt.

Von Progressivität spricht man ansonsten gern, wenn so viele Stromgitarrengenres miteinander kombiniert werden wie hier. Wobei, so viele wie hier ist schon wirklich außergewöhnlich. Man fragt sich ja wirklich, was das Trio nicht kann. Das geht schon mit dem Gesang los: Klar, klar kann Even Helte Hermansen, klar singt er auch. Und er shoutet. Und er growlt. Und er brüllt. Je nachdem, welche Grundlage er als (eigentlicher Jazz-)Gitarrist, Bassist Hallvard Gaardløs (unter anderem von Spidergawd) und Schlagzeuger André Drage Haraldsen, potentiell Namensgeber der Band, so zusammenstellen; dann singt er manchmal passend, manchmal exakt gegenläufig.

Und da geht’s schon weiter: Der bedächtige Opener „The Great Deceiver“ hat einen Stoner-Fuzz auf der Gitarre – und wischt schon mit dem Auftakt jede Idee von Altstadtfest und Gewöhnlichkeit beiseite. So geht es die nächsten zehn Songs weiter, keiner ist wie der andere – und keiner bleibt, wie er beginnt. Anders gesagt: Bewegten sich Draken tatsächlich lediglich zwischen Heavy Rock und Metal, wäre die Musik langweilig. Als weitere Methode gegen Langeweile reichern Draken ihre Songs nicht nur mit antagonistischen Genres an, sondern auch mit kompositorischen Spielereien, die selbst die entsprechenden Genres allein schon bereichern würden. Nochmal anders gesagt: Draken können nicht nur Riffs, sie können auch Licks. Und so einiges mehr.

Mal so als kurzer Überblick: „Jólablót“, das Opfer zum Wintersonnenwendfest Jule, treibt das Tempo vorwärts, hin zu dem Song mit dem besten Titel des Albums, „Saturday Night Head Removal Extravaganza“, der mit Death-Metal-Tempo beginnt, dann in amtliches Thrash-Kopfnicken verfällt und dann in den Doom switcht. „Crimson Sun“ beginnt mit einer Akustikgitarre, bekommt Streicher beigestellt, die zuletzt für ordentlich Opulenz sorgen, und entwickelt zwischendurch die Freude am dunklen Black Metal. „It Serves You Right“ feiert den Rock’n’Roll inklusive Gniedelsolo. Ist „Shirts Of Black (F.O.A.D.)“ eher Death oder Black Metal? Dunkel und wuchtig ist es jedenfalls. Für „Of Demise And Men“ kehren die Streicher zurück und ein Shantychor stimmt sein Schunkellied an. „Endtyme“ kombiniert liebliche Musik mit dunklem Growlen und Kitsch und das abschließende „Shit Show“ ist erweiterter Schweden-Rock’n’Roll.

Ein üppiges Kaleidoskop an dreckiger Musik, vorgetragen mit einem Druck, den man lediglich drei Leuten gar nicht so fett zugetraut hätte. Man hört, dass die drei Norweger richtig Bock auf das haben, was sie da machen. Das machen sie seit 2019, setzten 2021 ihr selbstbetiteltes Debüt in die Welt und ließen sich für den Nachfolger „Book Of Black“ ordentlich feiern. Das dürfte sich mit „Here Be Draken“ fortsetzen.