The The – Hyena – Lazarus 2015

Von Matthias Bosenick (27.03.2015)

Umtriebig ist er ja nach wie vor, der Matt Johnson. Er lässt nur sein Projekt The The in der Form als songorientierte Band etwas auf der Strecke bleiben. Seit 1999 gab es kein reguläres Album mehr, offenbar deshalb, weil er sich mit dem ausbleibenden Erfolg von „NakedSelf“ unzufrieden sieht. Stattdessen nutzt er den Projektnamen, um darunter experimentelle Soundtracks zu nicht minder experimentellen Filmen zu veröffentlichen. „Hyena“ ist bereits der dritte in dieser Reihe. Es dominieren stille und noisige Sequenzen – und erstmals auch technoide Dancetracks. Auf Johnsons Stimme muss man indes weiterhin verzichten, leider.

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Murder At The Registry – Notsorry – Murder At The Registry 2014

Von Matthias Bosenick (11.03.2015)

Wie aus dem Nichts ist es da: Das seit sieben, acht Jahren unveröffentlichte Album „Notsorry“ von Murder At The Registry, Braunschweigs berühmtester Gothic-Rock-Band. Zumindest als CDr macht Sänger und Bandchef Tom Stach alias Tomasz das Werk nun zugänglich, mit der Option auf eine offizielle Veröffentlichung. Ein Schicksalsschlag hatte die Bandaktivitäten 2007 torpediert und stillgelegt, doch seit einiger Zeit ist Tomasz wieder mit neuen Mitstreitern unter dem Banner Murder At The Registry unterwegs – in diesem Zuge will er auch „Notsorry“ nicht länger zurückhalten. Der Hörer soll nun wissen: Das ist auch gut so, denn Freunde klassischen Gruftrocks mit Schlagseite zum Post Punk werden hier klischeefrei mit zumindest für sie überwiegend neuem Material von hoher Qualität bedacht.

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NFD – Waking The Dead – Jungle Records 2014

Von Matthias Bosenick (30.01.2015)

Ganz überraschend stellen die Gothicrocker NFD kurz vor Jahreswechsel das eigentlich bereits für 2012 angekündigte und danach fast schon vergessene neue Album „Waking The Dead“ in die Plattenläden. Und überraschen damit auch musikalisch: Bleiben sie zwar in Sachen Gitarre, Bass und dunkelrauher Stimme ganz klar der alten Fields-Schule treu, werden ihre Songs indes progressiver und reichern NFD ihre Musik auch mal mit opulenten Streichern und Chören an, das wiederum auch ganz so, wie es die Fields Of The Nephilim schon vormachten. Wischt man die extrem selten und nur zaghaft um die ein oder andere Ecke schielenden Klischees des Gruftrock beiseite, kann man das neue Album nur und in höchsten Tönen loben. Gut gemacht!

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Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes – Landgrab 2014

Von Matthias Bosenick (05.01.2015)

Bei Thom Yorkes zweitem Soloalbum steht die Diskussion um den Vertriebsweg vor der um die Musik. BitTorrent, Bandcamp, Gratis-Downloads – und eine LP-Version für mindestens satte 40 Euro, das sind die Eckdaten zum Jahreswechsel. Damit sattelt Yorke auf den Coup um das Radiohead-Album „In Rainbows“ auf und macht sogar so ähnliche Musik, nur ohne Band dahinter, also rein elektronisch vertrackt mit seiner Stimme drin. Das Ergebnis ist jedoch eher Stimmung als Song – und damit latent enttäuschend, wenn auch auf hohem Niveau.

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Ethernet Orchestra – Diaspora – Pueblo Nuevo 2014

Von Matthias Bosenick (29.12.2014)

Dieser Text ist auch in Stefanie Krauses Magazin Kult-Tour Braunschweig veröffentlicht.

Uha, die wissen, wie man Angst und Beklommenheit in Musik verpackt, und das auch nur nebenbei, unbeabsichtigt. Das Ethernet Orchestra improvisiert sich live mit internationaler Besetzung eine Musik zurecht, die von Formatradiohörern als solche sicherlich nicht mehr zu erkennen ist. Rhythmen entstehen, wenn überhaupt, dann nur rein zufällig, Melodien beinahe gar nicht, stattdessen flirren Sounds aus allen erdenklichen Quellen umeinander herum: Trompete, arabische Percussion, Obertongesang, Drones, Samples, Singende Säge, Gesang, diverse Saiteninstrumente, Field Recordings und vieles mehr, das man als Laie nicht einmal zu erkennen vermag. Zum vollständigen Genuss ist es vermutlich nicht unerheblich, zu wissen, wie die Stücke entstanden sind: live und virtuell nämlich, per Internet vernetzt, als vom Orchester so genante Tele-Improvisation. Damit ist in gewisser Weise weniger das Ergebnis als vielmehr die Entstehung die Besonderheit an „Diaspora“.

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Ethan Silk – Fractured Parts Of A Rotten World – Silk Industry Recordings 2014

Von Matthias Bosenick (28.12.2014)

Ab und zu geschieht es dann doch noch, dass einem abseits des Mainstreams – und ja, den gibt es auch und ganz besonders in den vermeintlich alternativen Musikrichtungen – ein neuer Künstler seine Arbeiten in die Musikabspielgeräte spielt, die einer eigenen Linie folgen, frei von Anbiederung und Kommerz. Ein solcher Künstler ist der Kanadier Ethan Silk, der mit seinem dark-ambient-lastigen rein instrumentalen Electro-Debüt selbst die finstersten Nächte noch dunkler zu machen weiß.

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Primus – Primus & The Chocolate Factory with The Fungi Ensemble – Prawn Song/ATO Records 2014

Von Matthias Bosenick (27.12.2014)

Alle Skepsis beiseite: Das Cover-Album zum ursprünglichen Willy-Wonka-Film von 1971 ist deutlich mehr Primus, als es das Comeback-Album „Green Naugahyde“ vor drei Jahren war. Jenes war zu durchdesignt im Primus-Stil, ohne eine Fortentwicklung; auf dem vorliegenden Album gelingt dem Trio in Urbesetzung das Kunststück, Fremdkompositionen wie eigene Werke klingen zu lassen. Dieses Album will man öfter hören.

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Einstürzende Neubauten – Lament – Mute 2014

Von Matthias Bosenick (11.12.2014)

Erst hört man sechs Jahre lang von den Einstürzenden Neubauten keinen Ton, und zwar nachdem sie ihr wegweisendes Supporters-Projekt als gescheitert betrachten mussten (wobei den Supporter ärgerte, dass die exklusiven Download-Extras später als „Jewels“ auch auf CD veröffentlicht wurden und somit keine Extras mehr blieben), und dann befassen sie sich musikalisch mit dem allseits medienüberfütternden Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Doch gottlob fegen die neuen Feuilletonslieblinge alle Bedenken beiseite: „Lament“, die Umsetzung eines Projektes über den Fall von Diksmuide, Belgien, von ebenjener Kommune als Performance in Auftrag gegeben (und damit quasi ein Schwesterwerk zu „Ypres“ von den Tindersticks), ist ein Album, das sowohl als eigenständiges Werk im Neubauten-Oeuvre besteht als auch dem Reigen der in ihrer Qualität weit voneinander abweichenden WWI-Veröffentlichungen etwas Nachhaltiges hinzufügt.

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Machine Head – Bloodstone & Diamonds – Nuclear Blast 2014

Von Matthias Bosenick (03.12.2014)

Hymnen in hart, aber sowas von. Die Entwicklung der Thrasher ist interessant: Nach drei progressiven Monolithen greifen sie auf ihrem achten Album auf den Sound ihrer erfolgreichsten (aber, anders als jetzt, kreativ enttäuschendsten) Zeit zurück und binden darin ihre Experimentierfreude ein. So finden sich nun allerlei interessante Elemente in diesen eher eingängigen brettharten neuen Metal-Songs. Ist man zunächst enttäuscht, die Komplexität der Vorgänger nicht im erwarteten Maße erfüllt zu bekommen, kriegt man dann aber nach einigem Hören große Lust auf die heavy Grooves und die anderen attraktiven Ideen von Bandchef Robb Flynn.

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Qntal – VII – Drakkar/Soul Food 2014

Von Matthias Bosenick (02.12.2014)

Ein weiterer Fall, an dem man als Davongeschrittener überprüfen kann, inwieweit man den Zurückgelassenen mach einiger Zeit wieder folgen kann: Die Elektro-Mittelalterer Qntal veröffentlichen nach sechs Jahren Pause ihr siebtes Album. Jenem ging ein gewisser kreativer Stillstand voraus, mit der Konsequenz, dass auch die Band dies bemerkte und sich von Keyboarder Philipp Groth alias Fil trennte. Mit dessen Nachfolger Leon Rodt soll nun alles besser werden. Festzustellen ist, dass „VII“ kompakter und schlüssiger ausfällt als die Vorgänger. Damit einher geht jedoch ein Übermaß an Poppigkeit, das die anspruchsvolleren experimentellen Passagen überlagert.

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