Cavalera Conspiracy – Pandemonium – Napalm Records 2014

Von Matthias Bosenick (26.11.2014)

Opa macht mal einen auf Jugendkultur: Max Cavalera (45) postuliert, dass das dritte Album seiner Conspiracy mit Bruder Ig(g)or und zwei Gästen Grindcore enthalte. Hört man „Pandemonium“, bekommt man den Eindruck, der Mann wisse nicht, worum es sich bei Grindcore überhaupt handelt. Man mag vielleicht entsprechende Einflüsse heraushören, aber die Grenzen sind wie üblich fließend. Und das Ergebnis ist vielmehr temporeicher Thrash-Metal mit gelegentlichen Spielereien. Schade nur, dass sich das Vorabgerücht nicht bewahrheitete, James Murphy von LCD Soundsystem würde das Album produzieren. Tat er nicht, aber das klingt nach einer extrem spannenden Konstellation. Bitte nicht aus den Augen verlieren.

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Nils Koppruch + Fink – Werkschau – Trocadero 2014

Von Matthias Bosenick (23.11.2014)

Der traurige Anlass für dieses opulente 12-CD-Boxset ist der Tod des Geehrten: Nils Koppruch starb 2012 mit nur 46 Jahren. Der Hamburger Sänger war ein Meister des uneindeutig beschriebenen Gefühls, das er zumeist mit von Country durchsetzter Rockmusik vermittelte. Einige der Alben seiner früheren Band Fink waren zuletzt nicht mehr erhältlich, da kommt diese „Werkschau“ mit allen CDs im Pappschuber gerade recht. Bonus sind eine Raritäten-Compilation sowie eine Tribute-Doppel-CD. Letztere wäre nicht nötig gewesen, erstere ist gleichzeitig erstaunlich vollständig und unvollständig. In Summe ein wundervolles Wiederhören, das den großen künstlerischen Verlust verdeutlicht.

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Pink Floyd – The Endless River – Parlophone/Warner 2014

Von Guido Hörster (12.11.2014)

Da ist sie nun doch noch – die definitiv letzte PF-Platte. Dies galt doch bislang für die 1994 erschienene „The Division Bell“, welche mit dem abschließenden „High Hopes“ auch einen stimmungsvollen Schlußpunkt gesetzt hatte. Über die Entstehung dieses „neuen“ Oeuvres haben sich andere schon genug ausgelassen, ich möchte lieber den (sicherlich subjektiven) Versuch starten, zu beschreiben, was der geneigte Hörer von diesem Album erwarten darf (und was evtl. nicht).

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Devin Townsend Project – Z² – HDR/Insideout 2014

Von Matthias Bosenick (10.11.2014)

Der Mann mutet dem Fan einiges zu. Nicht nur an Output allgemein, sondern mit diesem Speziellen auch: Das Doppel-Album ist so komprimiert produziert, dass es stresst. In den zwei Stunden Programm lässt er keine Lücken, er fegt über den Hörer hinweg. Zwar wechseln die Tempi, doch bleibt man letztlich völlig außer Atem zurück, weil man glaubt, von einem Soundtsunami überrollt worden zu sein. Dabei fällt es einem schwer, inmitten des Getöses die tatsächlich guten Ideen zu honorieren. Devin trägt im Wortsinne zu dick auf.

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Simple Minds – Big Music – Embassy Of Music 2014

Von Matthias Bosenick (06.11.2014)

Da machen die alten Stadionrocker jetzt also auf Dancefloor. Elektronische Musik ist man als Fan der ersten Stunde deutlich eher gewohnt als jener, der erst mit dem „Breakfast Club“ einstieg, aber die alte Form, mit der die Schotten zuletzt sogar auf Tour waren, war monotoner, kühler, dunkler. „Big Music“ ist – auch das alberne Cover mit den Lautsprechern unterstreicht das – genau das, big music nämlich, für das große Publikum, die große Bühne und womöglich die Großraumdisco. Nun, dort wird man sie wohl verschmähen, dafür sind sie zu alt. Eher kommen sie ins große Radio und beglücken die Großraumbürogemeinschaft. Bisweilen hat es etwas von Erasure mit Gitarren. Es ist schwierig, als Simple-Minds-Fan „Big Music“ unumwunden zu mögen. Aber nicht unmöglich, überhaupt Gefallen daran zu finden.

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Myrkur – Myrkur – Relapse Records 2014

Von Matthias Bosenick (24.10.2014)

Das ist auch eine Form von Sexismus, gewiss: Myrkur ist vordergründig deshalb interessant, weil es sich dabei um das Black-Metal-Projekt einer einzelnen Frau handelt. Da der Black Metal in den vergangenen Jahren eine künstlerische Aufwertung erfuhr, die ihn auch für Leute öffnete, die nicht auf angezündete Kirchen stehen, ist man hellhörig: Was macht Amalie Bruun anders als die Kerle? Nun: Ihre Stimme ist untypisch zart und elfisch – aber ihr Metal rumpelt etwas zu arg. Am schönsten ist das Mini-Album, wenn es 4AD-Dreampop und Shoegaze kreuzt; am dröhnenden Ambiente muss sie noch etwas arbeiten, sofern die hauptamtlich bei Ex Cops als Musikerin sowie als Model tätige Dänin das überhaupt will.

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U2 – Songs Of Innocence – Island Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.10.2014)

Das neue Album von U2 ist – mal abgesehen von der Marketingmethode – streitbar. Das, was das Quartett abliefert, hat es im Grunde nicht nötig. Die beiden vorhergehenden Alben waren relativ frei davon, kundenorientiert zu sein. „Songs Of Innocence“ ist dies jedoch weitgehend. Gute Ideen haben die vier Herren weiterhin, das ist unbestritten und immer wieder zu hören, doch betten sie die in einen Kontext, der sie zu stark verdeckt. Stadionhymnen sind hier Programm, sie funktionieren live wohl am besten, aber auf Platte nerven sie. Und: Eine Band, die ihr Album bei Apple verschenkt, sollte ihrer LP doch einen Downloadcode beilegen, oder?

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Erasure – The Violet Flame – Mute 2014

Von Matthias Bosenick (09.10.2014)

Dem Albumtitel fehlt ein N. Und damit der Musik auch. Elektromeister Vince Clarke verlegt sich zu sehr auf Clubsounds, dazu steht Andy Bells Charakterstimme fast wie ein Kontrapunkt, der sich nicht einfügen mag – das Ergebnis erinnert damit zu sehr an Schlager. Genau genommen machen Erasure seit 19 Jahren keine richtig gute Musik und keine richtig hängenbleibenden Songs mehr. Das belegt auch die Bonus-CD mit einem Live-Konzert, dessen Songauswahl mit Ausnahme von „Breathe“ aus dem Jahr 2004 auch nur bis maximal zum selbstbetitelten letzten guten Album (1995) zurückreicht. Wer wiederum die interessanten Remixe haben will, muss sein Konto für diese dritte CD ordentlich plündern. Warum jedoch bleibt man dem Duo treu? Das muss mit Treue und Loyalität zu tun haben. Und vielleicht mit dem wohligen Gefühl einer aufgegebenen Heimat, in die sich Übervierzigjährige zurückziehen können.

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Opeth – Pale Communion – Roadrunner 2014

Von Matthias Bosenick (07.10.2014)

Opeth machen jetzt Pop. Guten Pop, das ist die gute Nachricht, aber keine Opethmusik mehr, das ist die schlechte. „Pale Communion“ ist hübscher und latent langweiliger Prog-Rock-Pop mit feinen Einfällen, wie er in den 70ern die Hippies verzauberte. Wer so etwas hören will, hat es bereits im Plattenschrank, und wer Opeth hören will, wird von diesem Album eher enttäuscht. Wie schon vom Vorgänger.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Bleach House – Cargo Records 2014

 

Von Matthias Bosenick (11.09.2014)

Bevor es an die wie eh und je ausgesprochen gute Musik geht, stellt sich eine andere Frage, die in Bezug auf Boa leider ebenfalls mit dem Attribut „wie eh und je“ verknüpft ist: Welche Vorstellungen hat der Dortmunder vom Format Musikalbum? Wenn der Fan die Deluxe-Version des neuen Albums kauft, bekommt er eine Bonus-CD mit acht weiteren Stücken und eine Live-DVD dazu – das Haupt-Album hat aber drei Lieder weniger als die Digipak-Einzel-CD. Man kann natürlich wohlwollend feststellen, dass der Künstler recht freigiebig mit seinem Ideenreichtum umgeht, andererseits wirkt die Auswahl seiner Stücke auf den Alben dadurch beliebig. Unabhängig davon schreibt Boa einfach tolle Songs, zwischen Hymne und Rockbrett, was „Bleach House“ verlustfrei in die nicht abreißende Reihe der seit 2000 wieder guten Boa-Alben einfügt. Ein Wermutstropfen: Obwohl sie als Autorin im Booklet noch vereinzelt auftaucht, ist Pia Lund nicht mehr dabei.

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