Paul Weller – Saturns Pattern – Parlophone/Warner 2015

Von Matthias Bosenick (16.06.2015)

Der Mann macht mit 57 Jahren weitaus attraktivere Musik als die Epigonen, die sich auf ihn berufen und ihn für den Vater dessen halten, was sie selbst als „Britpop“ bezeichnen, ohne indes von ihm wirklich etwas gelernt zu haben. Paul Weller hat Haltung, er macht seine Musik immer schon mit einer bemerkenswerten Ernsthaftigkeit. Und er lässt sich nicht limitieren. Seit einigen Jahren schon experimentiert Weller fleißig herum, in Kauf nehmend, dass er damit seine Fans vor den Kopf stößt; hier etwa mit drogenschwangerem Electropluckern. Damit sind seine Alben zwar nicht zwingend homogen großartig, aber mindestens grundsolide, und sie bieten mehr als einen Track an, der sich über die Maßen hinaus für die persönliche ewige Playlist qualifiziert; hier könnte es „Long Time“ sein.

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Armored Saint – Win Hands Down – Metal Blade/Sony 2015

Von Matthias Bosenick (09.06.2015)

Und plötzlich gibt es ein neues Album von Armored Saint. Und dann auch noch so ein gutes. Die ehemaligen Ritter-und-Mittelalter-Metaller haben ihren eigenen Sound gottlob weiterentwickelt, er klingt heute bisweilen sogar nach der Interimsband des Sängers John Bush, Anthrax nämlich, weniger als jene auf Riffs basierend, aber im Sound doch recht vergleichbar, was natürlich auch vordergründig an der Stimme liegen mag. „Win Hands Down“ ist hymnisch, melodiös, temporeich und heavy ohne Brutalität. Sehr oldschool also.

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E-Egal – Ich hätt gern Pommes zu der Wahrheit – E-Egal 2015

Von Matthias Bosenick (02.06.2015) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – der Stadtblog

Das Braunschweiger Quintett E-Egal steht als Beleg dafür da, dass Punk als Musikrichtung nicht so limitiert ist, wie sein Ruf es gerne suggeriert. Ohne typische Insignien kommen natürlich auch E-Egal nicht aus, sonst hätte man ja nun auch Probleme, deren Musik noch überhaupt im Punk zu verorten, aber die Jungs haben Ska, Funk, Pop, Metal und vieles mehr im Blut und genieren sich nicht, diese Bastarde ungebremst von der Kette zu lassen. Das macht diese erste LP der Band auch für Leute interessant, die beim reinen Punk womöglich weghören würden. Übrigens zeigt sich der Rezensent stolz, die handnummerierte 1 von 500 Exemplaren dieses Vinyls sein Eigen nennen zu dürfen.

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Kaltmiete – Auf Wiedervorlage – Bauchpfannen Aufnahmen/Danse Macabre 2015

Von Matthias Bosenick (28.05.2015)

Ganze 18 Jahre liegen zwischen dem Debüt „300,- DM“ von Kaltmiete und dem vorliegenden, klammheimlich veröffentlichten zweiten Album „Auf Wiedervorlage“. Ein Umstand, den man der Musik anhört: Das Braunschweiger Trio wildert im – gottlob unkommerziellen – Indierock der 90er Jahre. Da der in der Gegenwart ansonsten eher nicht so stark vertreten ist und da die Band den Sound nicht einfach kopiert, sondern zur Hochzeit des Genres mitgestaltet hat, ist es ein Vergnügen, sich diese ganze Stunde technisch und kompositorisch einwandfreier Retroorientiertheit anzuhören. Einzig die Tocotronismen tun bisweilen etwas weh.

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Alien Sex Fiend – Classic Albums And BBC Sessions Collection – Cherry Red 2015

Von Matthias Bosenick (11.05.2015)

Seit Jahren schon ist das vierte Album „It“ von Alien Sex Fiend nicht mehr zu erschwinglichen Preisen auf CD zu haben. Die drei Alben davor erfuhren allesamt bereits eine Wiederveröffentlichung, diejenigen danach auch – und jetzt stellen die Londoner Batcave-Helden auch „It“ wieder auf CD bereit, allerdings ausschließlich in dieser Vier-CD-Box im Bunde mit den ersten drei Alben. Sowie diversen Bonus-Tracks, die sich aber eklatant von denen der bisherigen CD-Veröffentlichungen unterscheiden. Egal, die Box lohnt die Anschaffung.

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Shihad – FVEY – Warner 2014

Von Nicholas Gregory (28.04.2015) und Matthias Bosenick (29.04.2015)

Schon ein halbes Jahr alt, aber superschwer zu kriegen; daher ist nicht nur dieses jüngste Shihad-Album für sich gesehen eine Erwähnung wert, weil ihr einstiger Entdecker und Mentor Jaz Coleman von Killing Joke die Neuseeländer zu ihren musikalischen Wurzeln zurückführte, was bedeutet, dass das vorliegende Album rauh, roh, monoton, heavy und energetisch ausgefallen ist – aber auch die höchst unwahrscheinliche Art und Weise, wie es auch noch in der völlig unerhältlichen limitierten Version in meine Hände gelangte. Dank sei dem Internet, der Globalisierung und meiner Sozialisation mit den Drei Fragezeichen, dass ich Nick in Queenstown, Neuseeland, virtuell ausfindig machte. Er selbst war Bassist bei der Band Redline, macht aktuell als Vega Verona eher elektronische Musik – und hielt unsere gemeinsame Geschichte selbst exklusiv fest:

„Musically, Matze knows his onions and tracked down a rare release of Shihad’s latest release, the epic FVEY (pronounced Five Eyes,) I was selling on Trade Me, New Zealand’s version of Amazon. I had pre-ordered the album but annoyingly, only received it in the post a week after it’s release date. Given it was a limited-edition, I figured someone would want to acquire it, so I listed it for sale. Matze left a message on the auction saying he was keen to buy it if I didn’t sell it online. Instead of selling it and after learning where Matze was based, I asked for a trade – Shihad’s FVEY for Guano Apes latest album ‚Offline.‘ I’ve been a big fan of this band since my ex-girlfriend (from Gottingen) introduced me to their music years ago. I hope to see the Apes live someday soon. One of the best live shows I’ve ever seen was The Living End at ‚postbahnhof‘ in Berlin in 2010. That was something special, seeing a crowd full of german punks pogo to Shihad’s Australian brothers. FVEY is a return to Shihad’s hard rock form, after several years flirting with a more commercial sound. Shihad were the very last band to record at Auckland’s York Street studio – a legendary recording studio where many, many classic albums were produced.

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Apocalyptica – Shadowmaker – Odyssey/Rough Trade 2015

Von Matthias Bosenick (26.04.2015)

Man kann Apocalyptica nicht vorwerfen, dass sie sich nicht entwickeln. Zumindest ihre eigenen Grenzen überschreiten die einstigen Metallica-mit-vier-Celli-Nachspieler immer wieder; dumm nur, dass das Ergebnis im Vergleich mit dem Rest des Universums so wenig Weiterentwicklung birgt. Neu ist dieses Mal bei den Cellometallern, dass es keine wechselnden Stimmengäste mehr gibt, sondern einen festen Sänger. Und in einem Track hört man elektronische Breakbeats. So weit, so okay. Leider ist das Album ein mittelmäßiges Mainstreamwerk geworden. Ob da nun Cello draufsteht, ist oftmals egal, weil die Songs – besonders, weil seit einigen Alben ein Drummer zum festen Line-Up gehört – meistens mediokren Softrockheulern ähneln. Offenbar haben die Finnen den fälligen Schritt zur Erwachsenenband übersprungen und sind bei junggebliebenen Classic-Rock-Rentnern angekommen, die damit gleichzeitig junge Alternative-Rock-Hörer erreichen wollen.

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Brothers Of The Sonic Cloth – Brothers Of The Sonic Cloth – Neurot Recordings 2015

Von Matthias Bosenick (17.04.2015)

Man hat in den zurückliegenden 20 Jahren, nach dem Ende der Band Tad, deren Chef Tad Doyle reichlich aus den Augen verloren. Er aber die Öffentlichkeit offenbar auch. Klammheimlich rumort er jedoch in diversen Besetzungen vor sich hin, jüngstens im Doom-Sludge-Metal-Trio Brothers Of The Sonic Cloth. Deren Debüt erscheint nicht von Ungefähr auf Neurosis‘ Label Neurot Recordings – dat passt schon. Nicht, dass man hier etwas weltbewegend Neues kredenzt bekäme, aber dafür ein sattes, amtliches Album mit grunzender Dunkelheit und schleppenden Melodien. Schön geworden.

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Der Weg einer Freiheit – Stellar – Season Of Mist 2015

Von Matthias Bosenick (06.04.2015)

Glaubt man den einschlägigen Black-Metal-Kreisen, gehören Der Weg einer Freiheit inzwischen zum Hype und sind damit bei den eingefleischten Hörern schon wieder uninteressant. Ja, so geht es zu im Untergrund, schon immer und auch 2015 noch. Gut, dann sei „Stellar“, das dritte Album der Würzburger, eben aus Sicht eines Außenstehenden rezipiert. Der hat nun seine Freude daran, dass sich Der Weg einer Freiheit eben nicht sklavisch an Genrevorgaben halten. Die zwischen die traditionellen Parts mit Blast Beats, Rumschreien und kalten Gitarren gesetzten klaren Passagen mit ordentlich Power und dichten Gitarrenteppichen jedenfalls machen die Musik für den Uneingeweihten deutlich attraktiver als die klassisch-skandinavischen Kirchenkoklersoundtracks. Auf typische Posen und Corpsepaint verzichten Der Weg einer Freiheit dankbarerweise auch.

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Marc Domin – Der Todesbiss der schwarzen Nonne/Lichtreflexe Of The Love – Marc Domin 2015

Von Matthias Bosenick (02.04.2015)

Mit seinem neuesten Doppelpack, bestehend aus Buch und CD, festigt Marc Domin seinen Stand als wandelnde Provokation. Fischt er auf der Akustik-CD „Lichtreflexe Of The Love“ thematisch noch vornehmlich in beinahe klassischen Punk-Gewässern, tritt er in dem dreigeteilten Buch „Der Todesbiss der schwarzen Nonne“ mehrheitlich über die Ufer des guten Geschmacks. Das Heft ist ein Stinkefinger in sämtliche Richtungen, sowohl formal als auch inhaltlich. Er hält sich an keine Erwartungen und zeigt keinen Respekt vor auch nur irgendetwas. Man fragt sich, was einen so entwaffnend charmanten und großherzigen Menschen künstlerisch so bodenlos werden lässt. Die Lektüre des Buches jedenfalls findet doch sehr unter Schmerzen statt, ein reines Vergnügen treibt Domin dem Leser gekonnt aus. Dafür bekommt man von ihm etwas anderes, was ist es nur: Voyeurismus? Schadenfreude? Genugtuung? Rebellion? Oder schlicht Punkrock?

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