Fraktus – Millenium Edition – Staatsakt 2012

Von Matthias Bosenick (19.11.2012)

Natürlich ist „Millenium Edition“, stilecht mit falsch geschriebenem lateinischen Jahrtausend, kein gutes Album im musikkritischen Sinne. Dafür ist es zu sehr Witz, das aber auf einem wiederum hohen musikalischen Niveau, wie es die drei Studio-Braun-Mitglieder Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger in ihrer langjährigen Karriere auch hinter grobem Unfug versteckt immer wieder unter Beweis stellten. Diese Wiedersprüchlichkeit unterscheidet den Studio-Braun-Witz von Comedy, also fast dem ganzen Rest der deutschsprachigen humorschaffenden Welt. Und Widerspruch als solcher ist auch der Kern dieser Veröffentlichung, die den Film „Fraktus – Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ begleitet.

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Neurosis – Honor Found In Decay – Neurot Recordings/Cargo 2012

Von Matthias Bosenick (19.11.2012)

Unbestritten sind Neurosis der Impulsgeber für viele, wenn nicht sogar alle Bands, die seit Mitte der 80er irgendeine Musikrichtung wie Sludge Metal, Post Rock, Doom Metal, Slow Core, Dark Ambient, was auch immer spielen. Also: irgendwie heavy, aber schleppend, repetetiv, malmend, brachial, brutal, und doch mit filigranen Einsprengseln durchsetzt. Neurosis rammten Monolithen in die Musiklandschaft – und da wundert es schon, dass das zehnte Album „Honor Found In Decay“ so widerhakenlos am Hörer vorbeidröhnt.

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Cowboy Junkies – The Nomad Series – Razor & Tie/Sony 2012

Von Matthias Bosenick (29.10.2012)

Das stand zu hoffen: Wenn die Cowboy Junkies schon ankündigen, dass sie vier Alben in anderthalb Jahren als zusammengehörige Serie veröffentlichen, ist eine Gesamt-Box am Ende des Zyklus‘ obligatorisch. Und ja: Die Box liegt jetzt vor, sogar je nach Format mit einer Bonus-CD sowie einer Bonus-LP und einer weiteren EP. Komplett alles, was die Kanadier im Rahmen der „Nomad“-Reihe veröffentlichten, erhält man aber trotzdem auf keinem der Formate – dazu war das melancholische Indie-Rock-Quartett einfach viel zu kreativ: Es fehlen die beiden mp3-Bonus-EPs, die sie zu zwei der Alben veröffentlichten, sowie der ganze andere Download-Kram, den es auf deren Webseite gibt. Puh. Und all das nach 25 Jahren Bandexistenz.

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Steve Hackett – Genesis Revisited II – Insideout/EMI 2012

Von Guido Hörster (24.10.2012)

Da ist sie nun also, Hacketts zweite „Retro-Werkschau“ seiner eigenen musikalischen Vergangenheit.
War beim Erstling („Genesis Revisited“, 1996) noch der Ansatz, durch teilweise abenteuerliche Neuarrangements den alten Genesis-Klassikern neue Aspekte abzugewinnen, was imho zumindest im Instrumentalteil von „Firth Of Fifth“ in die Hose ging, ging es Herrn Hackett diesmal darum, die Songs weitgehend werkgetreu neu einzuspielen, um dank der 35-40 Jahre jüngeren Studiotechnik Nuancen herauszuarbeiten, die damals im detailärmeren Klangbild einfach drohten, unterzugehen.
Und tatsächlich – ist man in der Lage, die zwangsläufig nicht wie Gabriel bzw. Collins klingenden Stimmen der Gastsänger mental auszublenden, hat man im direkten Vergleich häufig den Eindruck, die Originale klängen, als stünden die Boxen hinter einem Vorhang. So viel differenzierter und klarer kommen die Neueinspielungen aus den Boxen.

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Neneh Cherry & The Thing – The Cherry Thing – Smalltown Supersound 2012

Von Matthias Bosenick (10.10.2012)

Das ist das wahrscheinlich ungewöhnlichste und besonderste Album des Jahres. Neneh Cherry, die mit ihren Hits in allen möglichen Musiksparten mit dem Suffix Hop bekannt ist, springt in eine Richtung weiter, mit der man auch mit dem Wissen um ihre Post-Punk-Vergangenheit nicht rechnet: Free Jazz. Die schwedische Indianerin verbrüdert sich mit dem schwedisch-norwegischen Free-Jazz-Trio The Thing und covert munter noch viel unerwartetere Songs. Das noch viel ungewöhnlichere daran ist, dass das Album fantastisch geworden ist.

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Devin Townsend Project – Epicloud – InsideOut/EMI 2012

Von Matthias Bosenick (04.10.2012)

Devin-Fans brauchen dieser Tage ganz viel Geld. Zum einen wegen der verschiendenen Versionen des neuen Devin-Townsend-Project-Albums „Epicloud“, zum anderen wegen der vier vorherigen Project-Alben, die es in zwei verschiendenen Boxformen gibt. Indes: Die Frage, ob sich Devins Alben noch lohnen, nachdem er seine manische Depression überwand und sich in der Folge musikalisch zu geringerer Komplexität veränderte, stellt sich ja auch noch. Die Antwort muss nüchtern ausfallen: Fans bekommen mit „Epicloud“ zwar etwas durchaus Tolles, Gelegentlich-Hörer sind mit diversen älteren Alben allerdings deutlich besser bedient.

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Bob Dylan – Tempest – Smi Col/Sony 2012

Von Matthias Bosenick (20.09.2012)

Boby Dylan ist leider kein Musiker für Jedermann. Das liegt aber nicht an Bob Dylan, sondern an denen, die über ihn schreiben und sprechen, die ihn und sein Oeuvre wie Wissenschaftler betrachten und nicht wie Musikfans. Sie erzeugen ein öffentliches Bild von ihm, das ihn dergestalt überhöht darstellt, dass sich vergleichsweise normal an Musik Interessierte nicht an seine Alben herantrauen. Als Unwissender kann man sich zu ihm nur falsch äußern, man kann ihn nur nicht oder missverstehen, gemessen an dem, was die Dylanonolgen so interpretieren. Schlimmstenfalls heißt es dann nur: Die Stimme ist scheiße, Mundharmonikaspielen kann er auch nicht. Mit dieser sehr wahren Betrachtung entzieht man sich berechtigt der intellektuellen Diskussion – und verpasst doch etwas Gutes. Denn man kann zu Dylan-Musik auch prima tanzen.

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Pet Shop Boys – Elysium – Parlophone/EMI 2012

Von Matthias Bosenick (18.09.2012)

Die Pet Shop Boys können Balladen, gar keine Frage. Mit vernünftigen stillen Songs lockerten sie immer wieder ihre Alben auf, oftmals taugten sie sogar zum Singlehit, etwa „You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk“. Ansonsten schätzte man die Pet Shop Boys für ihre intelligente Tanzmusik und ihre einfallsreichen Soundkreationen. Wenn nun aber ein ganzes Album nur noch aus sachten Balladen besteht, in deren Abfolge sich ein, zwei Uptemponummern schmuggeln, wird es zweifelhaft. Wie auf ihrem neuen, erst elften Album „Elysium“.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Loyalty – Cargo Records 2012

Von Matthias Bosenick (17.09.2012)

Das kann er, der Dortmunder Ernst Ulrich Figgen: Hymnen schreiben, sie selbst gleich singen oder von Pia Lund singen lassen, interessante Arrangements zusammenstellen, kurz: gute Musik im wiedererkennbaren Stil machen. Sein 17. Album „Loyalty“ bestätigt das. Schon immer schimmerte bei dem als Phillip Boa Bekannten der pure Pop unter seinem Indierock durch, oder anders: Boas Vorstellung von Pop war schon immer eher schräg. Auf „Loyalty“ nun fährt er das Schräge zugunsten des Gefälligen zurück, bleibt dabei aber grundsätzlich er selbst.

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Tom Jones – Spirit In The Room – Island/Universal 2012

Von Matthias Bosenick (08.08.2012)

Späte Werke alter Musiker! Seit der „American Recordings“-Serie von Johnny Cash haben Konsumenten besondere Erwartungen daran und sehen uncool gewordene Musiker in einem Stilwechsel eine Chance für einen neuen Hype. Manche so banal, dass sie schlichtweg das Konzept von Johnny Cash kopieren, wie Willie Nelson oder Gunter Gabriel, letzterer zumindest mit der Transferleistung, das Ganze auf Deutsch zu machen. Chris Rea wiederum nutzte das Ende seines Plattenvertrags zu einem Befreiungsschlag und machte statt Radiogedudel glaubwürdigen Blues. Dann gibt es noch die, die kontinuierlich sie selbst geblieben sind und ihr Gesicht nie verloren haben, somit ohnehin nie uncool wurden, wie Patti Smith oder Bob Dylan. Oder die Orientierungslosen, von denen nur jedes fünfte bis siebte Album gut ist, wie Neil Young. Ganz schlimm die Uncoolen, die es niemals versucht haben, etwas zu ändern, und auf Lebenszeit langweilen oder nerven. So dicht am Cash-Konzept und doch so eigenständig wie Tom Jones seit „Praise & Blame“ ist aber kaum jemand.

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