Dead Can Dance – In Concert – PIAS/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (29.04.2013)

Eine Armee lebender Toter überrollt die Welt. Zurzeit veröffentlichen längst dahingeschiedene Bands allerorten erste und zweite Alben nach jahrzehntelanger Pause, nach ebensolangen „Wir kommen niemals wieder“-Beteuerungen, nach Hickhack und internen Streitereien, nach erfolglosen Soloversuchen und Drogenentzugsprogrammen. Auch Lisa Gerrard und Brendan Perry von Dead Can Dance stritten und kloppten sich, wo es nur ging. Indes waren sie auch solo mehr oder minder erfolgreich und hatten die mehrfach dementierte Wiedervereinigung finanziell offenbar eigentlich gar nicht nötig. Dann gab’s da aber doch mal eine Tour (mit rund zwei Dutzend limitierter Livealben dazu), dann gab’s da mit „Anastasis“ ein neues Studioalbum, dann gab’s noch mehr Touren und dann gab’s ein Livedokument. Darauf zelebrieren die Streithähne ihre wundervolle Mischung aus Ethno, Historik und Groove, allerdings weniger voluminös als auf dem anderen Live-Album „Toward The Within“ und den Studioalben. Und dennoch, warum haben all diese Untoten plötzlich so einen Zulauf? Liegt es vielleicht daran, dass selbst die mediokren Comebackalben abgehalfterter Altstars immer noch besser sind als das Gewurste der unerfahrenen Epigonen?

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How To Destroy Angels – Welcome Oblivion – Sony Music 2013

Von Matthias Bosenick (30.03.2013)

Ein mehr als zwiespältiges Werk, dieses verschleppte Debüt von How To Destroy Angels. Es kommt nach der Meldung, dass Trent Reznor seine Nine Inch Nails reaktivieren will, und macht sich selbst damit noch redundanter. Denn es klingt ohnehin wie eine Resteverwertung von NIN-Sounds mit gelangweiltem Frauengesang, was man vermutlich höher bewertet hätte, wäre da nicht die Aussicht auf das Bessere, nämlich NIN pur.

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Atoms For Peace – Amok – XL Recordings 2013

Von Matthias Bosenick (05.03.2013)

Mal ehrlich: Weit weg von Radiohead ist „Amok“ nicht. Thom Yorke singsangt einnehmend, Elektronik klickert, blubbert, schachtelt, und bei aller Kunst kommen – für aufgeschlossene Hörer – feine Popsongs dabei heraus. Wer Radiohead auch seit „Kid A“ noch liebt, wird bestens bedient, wer sich von der Teilnahme des Red-Hot-Chili-Peppers-Bassisten Flea zum Kauf verleiten lässt, wird vermutlich eher enttäuscht.

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Son Of Rogues Gallery – Anti- 2013

Von Matthias Bosenick (05.03.2013)

Ein zweiter Teil, wie schön, dabei hat selbst vom ersten Teil kaum jemand etwas mitbekommen, was mal ernsthaft verwundert, bei dem Zusammenhang, in dem der entstand, und bei dem Promiaufkommen, das daran beteiligt war. „Rogues Gallery“ und sein Kind beinhalten Aberdutzende von Piratenliedern sowie Gesängen, die mittelbar mit Nautik zu tun haben, vorgetragen von der Crême de la Crême des gepflegten Rumpelrock. Auslöser war seinerzeit der erste „Fluch der Karibik“-Film, auch Johny Depp alias Jack Shit schüttelt im Rund der Versierten seine Jack-Sparrow-Mähne. Teil zwei nun ist zwar auch gut, guckt aber an mancher Stelle musikalisch zu weit über den Tellerrand hinaus.

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Nick Cave And The Bad Seeds – Push The Sky Away – Bad Seed Ltd/Rough Trade 2013

Von Matthias Bosenick (28.02.2013)

Alles neu: Grinderman zu den Akten gelegt, Gründungsmitglied Mick Harvey verabschiedet (das letzte außer Nick Cave selbst), Soundtrack-Mitkomponist Warren Ellis an die Seite gesetzt, das Gerumpel entrümpelt. Heraus kommt „Push The Sky Away“, ein Album, das so entspannt ist, dass man – ohne es böse zu meinen – prima dazu schlafen kann. Das Gute daran: Wer konzentriert zuhört, hat auch etwas davon.

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Yo La Tengo – Fade – Matador 2013

Von Matthias Bosenick (28.01.2013)

Ach, wie schön, das Indierock-Trio aus der Krachmacherstraße hat wieder ein superbes Album gemacht. Gerade Krachmacher wissen ja umso besser, wie man so richtig schöne Musik macht, die dann oft trotzdem mit einem Anflug von Krach durchzogen ist, und auf „Fade“ packen Yo La Tengo den Pop raus, aber sowas von. Das Tempo bleibt gemäßigt, der Einfallsreichtum nicht. Was noch vor 20 Jahren die Orgel war, als Neuerung im Sound, sind heute – wenn auch nur einmal – Bläser und Streicher. Wie schon auf dem Vorgänger „Popular Songs“ aus dem Jahr 2009 klingt „Fade“ fast wie ein Sampler, so heterogen und doch durchweg typisch für die Band. Ein fantastischer Jahresauftakt.

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Simple Minds – 5X5 Live – Virgin 2012

Von Matthias Bosenick (20.01.2012)

Alles in allem ist dieses Doppel-Live-Album eine echte Überraschung, eine positive gar. Zum einen bringt die Band die noch in den 90ern verhassten Songs der verleugneten ersten fünf (eigentlich vier und zwei halbe) Alben auf die Bühne, zum anderen zeigt das nachgeschobene Live-Dokument, wie ausgesprochen gut es den Schotten gelang, sich in die alten geilen monoton-elektronischen Songs hineinzufühlen – mit mehr Gitarre. Und: Das vorherige Live-Album „Live 2011“ hatte nicht die Hälfte der hier nachspürbaren Intensität, die Band hat wieder Bock.

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Anne Clark & Murat Parlak – Enough – Anne Clark 2012

Von Matthias Bosenick (29.12.2012)

Es gibt die Lieder von Anne Clark in den unterschiedlichsten Bearbeitungen, bei den vorrangig elektronischen Studioaufnahmen angefangen bis hin zu Live-Alben in Electro- („R.S.V.P.“), reduzierter Folk- („Psychometry“), wuchtig tanzrockender („Live“-DVD) und reiner akustischer („From The Heart“) Fassung bis hin zu Clubmixen („Wordprocessing“) oder ganz ohne Musik („Notes Taken, Traces Left“). Und nun auch mit zumeist reiner Klavierbegleitung, live mitgeschnitten bei einer Tanzperformance in Zürich. Man könnte also fast meinen, dass dem Werk der Anne Clark eigentlich nichts mehr abzuringen sein kann, doch weit gefehlt: Zum einen besteht die Trackliste nicht nur aus den altbekannten Hits, zum anderen verleihen die Musiker ebenjenen mit neuer Interpretation neue Seelen.

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Krüger – Der Masterplan – Bauchpfannen Aufnahmen 2012

Von Matthias Bosenick (25.11.2012)

Der Herr Krüger ist einfach ein großartiger Arrangeur. Hier eine Akustikgitarrenmelodie nebenbei, dort ein wiederkehrendes E-Gitarrenthema, hüben percussive Einsprengsel, drüben eine Zweitstimme oder ein Klavier. Sein neues Album „Der Masterplan“ beleuchtet ein Thema von verschiedenen Seiten: Eskapismus. Das Verträumte trägt Krüger auch mit seiner Rockmusik; so fügen sich Form und Inhalt perfekt zusammen und ergeben eine konstante gemeinsame Stimmung. Das wiederum kann den Nachteil haben, dass man die einzelnen Stücke nur schwer voneinander unterscheiden kann, weil das ganze Album eher ein zusammengehörendes Stück ist.

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Front Line Assembly – AirMech – Mindbase/Dependent 2012

Von Matthias Bosenick (25.11.2012)

Nur ein kleines Zwischenspiel, nur eine Fingerübung, nur ein Produkt zwischen zwei Haupt-Alben, nur der Soundtrack zu einem Computerspiel ist „AirMech“. Da haben die „AirMech“-Macher aber aufs richtige Pferd gesetzt: Selbst wenn Front Line Assembly nur mal eben nebenbei einen 72-minütigen Spielescore einspielen, kommt dabei etwas Großartiges zum drin Vertiefen heraus. Die können’s einfach, Electro, EBM eigentlich, auf höchstem Niveau, sowohl kompositorisch als auch klanglich.

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