a-ha – Cast In Steel – We Love Music/Universal 2015

Von Matthias Bosenick (28.09.2015)

Aber das wäre doch nicht nötig gewesen. Zum zweiten Mal in 30 Jahren kehren a-ha nach einem Split zurück. Die bis dato letzte Erfahrung vor 15 Jahren zeigte, dass sich eine Wiedervereinigung des norwegischen Poptrios lohnt; diese nicht wirklich: NDR2-Musik mit subliminalem Anspruch, aber ohne Ideen. Es plätschert so vor sich hin. Man wundert sich, da doch Paul Waaktaar-Savoy, wie sich der frühere Pål Waaktaar Gamst heute nennt, für exquisite Kompositionen auszeichnete. Die Liste der geilen Hits von a-ha ist lang, in jeder der bisher beiden Existenzphasen. „Cast In Steel“ hingegen ist verzichtbar.

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Yo La Tengo – Stuff Like That There – Matador/Beggars Group 2015

Von Matthias Bosenick (13.09.2015)

Yo La Tengo sind eine Wundertüte: Jedes Album ist geil, aber man ahnt vorher nie, wie es genau klingt. Dieses Mal ist der alte Weggefährte Dave Schramm wieder mit dabei, das Trio also ein Quartett, aber die Musik ist nicht so noiserockig, opulent, ausufernd, repetetiv wie zuletzt, sondern erstaunlich reduziert, dezent, sanft, gefühlvoll. „Stuff Like That There“, nicht zu verwechseln mit „(Well You Know) Stuff Is Like We…“ von 22 Pistepirkko, ist nämlich mit einem Konzept verknüpft: Es stellt die Quasi-Fortsetzung von „Fakebook“ dar, einem Cover-Album, das die Band vor 25 Jahren veröffentlichte. Enthalten sind hier neben einem Radiohit eher unbekannte Stücke und einige eigene, davon zwei ganz neue. Wie mit jedem Ton manifestieren Yo La Tengo auch hiermit, dass sie in den Pantheon des Indierock gehören. Zwischen Sonic Youth und den Cowboy Junkies.

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Müller & die Platemeiercombo – Castafiore – Bauchpfannen Aufnahmen 2015

Von Matthias Bosenick (10.09.2015) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Endlich. Endlich!!! Das wurde aber auch Zeit. Vier Jahre nach „Von Müßiggängern und anderen Taugenichtsen“ kommt mit „Castafiore“ endlich das Album, dessen älteste Songs die Band schon während der Aufnahmen zum Vorgänger live spielte. Ganze zwei, drei Lieder dieses Dutzends kennt der Rezensent nicht bereits von Auftritten, den Rest kann er auswendig mitsingen; die Vorfreude auf die Studioversionen war riesig, die Freude über sie ist es ebenfalls. Das Album macht einen Schritt voraus und einen zurück: Thematisch ist es nicht mehr so homogen und durchgehend ernsthaft wie der Vorgänger, sondern wagt auch manchen Rückgriff auf den alten Müller-Humor; gleichzeitig vertieft Müller in anderen Songs seine inhaltliche Seriosität, oft in Bezug auf Beziehungskonzepte und wie sie sich auf diejenigen auswirken, die sich auf sie einlassen. Und auch in einen vordergründigen Scherz steckt Müller immer etwas Hintergründiges. Nicht zuletzt überzeugt das Quartett wie immer auch musikalisch: Zwar ist der 50er-Schlager-Bossa-Sound etwas beiseite gerückt, dafür wagt die Band hier auch mal mitreißende Discorhythmen und lässt dem ausufernden Rock mehr Raum. Alles auf so hohem Niveau, dass die leicht in Schieflage eingestreuten Elemente das nahezu perfekte Ergebnis nur umso fester am Boden verankern.

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Myrkur – M – Relapse Records 2015

Von Matthias Bosenick (31.08.2015)

Wie es klänge, wenn Loreena McKennitt einmal Black Metal machen würde, zeigt „M“ von Myrkur. Nach ihrem selbstbetitelten und -gebastelten Debüt ist es einigermaßen überraschend, dass Amalie Bruun ihrem Experiment tatsächlich ein weiteres Album folgen lässt. Offenbar hat die dem Poprock entsprungene Dänin mächtig Geschmack am Gebolze gefunden. Sie macht es aber erfreulich anders als andere: Choralgesänge, mittelalterliche Melodien und Klavierpassagen sind in ihrer Version von Black Metal normal. Das verärgert die Puristen, die sich auf die Schrei-und-Bolz-Stücke stürzen und den Rest negieren. Sollen sie. Haben wir Nicht-Puristen eben auch mal Black Metal, der uns gefällt.

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Soulfly – Archangel – Nuclear Blast 2015

Von Matthias Bosenick (23.08.2015)

Die Fresse ist das erklärte Ziel von Max Cavaleras Projektband Soulfly, auch auf deren zehntem Album „Archangel“. Damit setzt die Band den eingeschlagenen Weg fort, weg vom Experiment, hin zum oldschooligen Thrashgebolze. Oberflächlich belauscht ist das selbst mit Bonustracks nur eine dreiviertel Stunde lange Album die pure, stumpfe, substanzlose Metalballerei. Kompositorisch mag das sogar stimmen, da zieht Maxe nicht mehr so viele Heringe vom Teller, doch kann er sich auf Mitmusiker berufen, die es verstehen, mit ihren Instrumenten atmosphärische Gimmicks zu kreieren, die das Genaulauschen belohnen.

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Fear Factory – Genexus – Nuclear Blast 2015

Von Matthias Bosenick (13.08.2015)

Die neue Fear Factory ist zwar ein Brett, aber keines aus Vollholz, sondern eine Spanplatte: Irgendwie zweckmäßig, aber nicht wirklich heavy; aus diversen Splittern zusammengeleimt, ohne eigenen Charakter und vermutlich ohne lange Einsatzdauer. Im Regal wird sie eher hinten bei „Digimortal“ und den jüngeren Alben der Zehnerjahre verbaut, während „Demanufacture“, „Archetype“ und „Soul Of A New Machine“ die repräsentativen Elemente darstellen. Wiedererkennbar ist der Sound schon, dank Burton C. Bells Gesang und der elektronisch zerhackten Stakkatoriffs. Was hier aber fehlt, sind markante Songs, Seele und Atmosphäre sowie ein warmer Bass, der den Groove besorgt.

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The Chemical Brothers – Born In The Echoes – Virgin 2015

Von Matthias Bosenick (25.07.2015)

So kehren sie nach einiger Zeit der Stille also wieder zurück auf den Tanzflur, die Chemical Brothers. Man spricht davon, dass der Vorgänger „Further“ von vor fünf Jahren eine musikalische Ausnahme zum üblichen Oeuvre dargestellt habe und dass „Born In The Echoes“ wieder zu alter Form zurückkehre, doch stimmt dies nicht ganz. Zum einen lag „Further“ deutlich dichter an der logischen adulten Fortentwicklung dessen, was die Chemical Brothers als Bigbeat-Miterfinder und Dance-Connaisseure bislang produziert hatten, und zum anderen ist „Born In The Echoes“ zwar tatsächlich in gewisser Weise retro, aber nicht vordergründig auf sich selbst bezogen, also auf die Hochzeit Ende der Neunziger und Anfang der Nuller, sondern auf die Zeit weit davor, nämlich Endachtziger-Acid-House und Frühachtziger-Minimal-Electro. Sol heißen: Die neuen Tracks sind vergleichsweise leer, nicht so üppig ausgestattet wie die alten. Das hinterlässt zunächst einen unbefriedigten Eindruck, aber das Album wächst, und wie immer bleiben nach einigen Durchlaufen die Songs hängen und kommen die Beine in Bewegung.

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Automat – Plusminus; Automat & Max Loderbauer – Selekt 01 – Bureau B 2015

Von Matthias Bosenick (13.07.2015)

Das ist Sommermusik für Erwachsene. Für Leute, die bereits erfahren haben, dass das Leben aus einem schweren Bisschen mehr besteht als in stylishen Restklamotten gechillt am Strand rumzuhängen, klebrige In-Cocktails und andere Bewusstseinsmanipulatoren in sich reinzukippen und den nächsten Nachtabschnittsbegleiter für sich klar zu machen. Auch gute Laune kann schwarz sein, auch die Dunkelheit kann strahlen: Automat machen Dub in einem reichlich weiten Sinne. Ihre Musik beschallt die Party danach, für die Gäste, die erst dann zu feiern beginnen, nachdem die Hedonisten dumpf in den Vulkan gekippt sind. Wer dann nämlich noch übrig ist, tanzt zum Automat’schen Postapokalypse-Reggae.

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Glantz – Love, Death And Popular Music – Peter M. Glantz 2015

Von Matthias Bosenick (30.06.2015) / Auch erschienen auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Das mit der „Popular Music“ ist ein verfehltes Anliegen, und das ist auch gut so. Sollte „Love, Death And Popular Music“ tatsächlich den Anschluss an gegenwärtige Musikströmungen gesucht haben, ist es positiv, dass dies dem Initiatoren Peter Glantz nicht gelungen ist. Populäre Musik gibt es zur Genüge, in diesem Bereich wagt aktuell niemand mehr etwas. Zwar bedient sich Glantz musikalisch bei bekannten zumeist elektronischen Künstlern, arrangiert seine gefundenen Versatzstücke aber nach einem erkennbar eigenen, häufig dunkel gefärbten Gusto und enthält ihnen das Überbordende vor. Genau das nimmt seinem Sound die Chance, zu „Popular Music“ zu werden, aber dafür bei Leuten auf offene Ohren zu stoßen, die auch nur der kleinsten Alternative zum Althergebrachten gegenüber aufgeschlossen sind.

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Faith No More – Sol Invictus – Reclamation! Records/Ipecac 2015; Tētēma – Geocidal – Ipecac 2015

Von Matthias Bosenick (25.06.2015)

Faith No More sind ohne Jim Martin einfach nicht mehr Faith No More. Die Crossoverpioniere verkrafteten den Wechsel von Chuck Mosley zu Mike Patton am Mikro deutlich besser als den von Jim Martin zu wem auch immer an der Gitarre. Der jetzige spielt einfach nur Gitarre, Jim Martin hatte Seele, Fläche, Atmosphäre, Charakter, einen eigenen Sound, egal, ob bei Pop, Funk oder Death Metal. Da war selbst Pattons Seitenprojekt Tomahawk bisweilen dichter an den klassischen Faith No More, als die es nach Martins Ausstieg waren. Und nach 18 Jahren Pause nun wieder sind. Da es einigermaßen offenbar ist, dass trotz einer Leadsingle mit dem Antititel „Motherfucker“ natürlich vorrangig kommerzielle Beweggründe zu „Sol Invictus“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen nationalsatanistischen Band) führten, und nicht eben kreative, bringt Mike Patton nahezu parallel mit „Geocidal“ ein sehr gegensätzliches, höchst experimentelles Album mit seinem neuen Freejazz-Projekt Tētēma heraus. Beides zusammen wäre vermutlich ein richtig geiles Album.

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