Erasure – The Violet Flame – Mute 2014

Von Matthias Bosenick (09.10.2014)

Dem Albumtitel fehlt ein N. Und damit der Musik auch. Elektromeister Vince Clarke verlegt sich zu sehr auf Clubsounds, dazu steht Andy Bells Charakterstimme fast wie ein Kontrapunkt, der sich nicht einfügen mag – das Ergebnis erinnert damit zu sehr an Schlager. Genau genommen machen Erasure seit 19 Jahren keine richtig gute Musik und keine richtig hängenbleibenden Songs mehr. Das belegt auch die Bonus-CD mit einem Live-Konzert, dessen Songauswahl mit Ausnahme von „Breathe“ aus dem Jahr 2004 auch nur bis maximal zum selbstbetitelten letzten guten Album (1995) zurückreicht. Wer wiederum die interessanten Remixe haben will, muss sein Konto für diese dritte CD ordentlich plündern. Warum jedoch bleibt man dem Duo treu? Das muss mit Treue und Loyalität zu tun haben. Und vielleicht mit dem wohligen Gefühl einer aufgegebenen Heimat, in die sich Übervierzigjährige zurückziehen können.

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Opeth – Pale Communion – Roadrunner 2014

Von Matthias Bosenick (07.10.2014)

Opeth machen jetzt Pop. Guten Pop, das ist die gute Nachricht, aber keine Opethmusik mehr, das ist die schlechte. „Pale Communion“ ist hübscher und latent langweiliger Prog-Rock-Pop mit feinen Einfällen, wie er in den 70ern die Hippies verzauberte. Wer so etwas hören will, hat es bereits im Plattenschrank, und wer Opeth hören will, wird von diesem Album eher enttäuscht. Wie schon vom Vorgänger.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Bleach House – Cargo Records 2014

 

Von Matthias Bosenick (11.09.2014)

Bevor es an die wie eh und je ausgesprochen gute Musik geht, stellt sich eine andere Frage, die in Bezug auf Boa leider ebenfalls mit dem Attribut „wie eh und je“ verknüpft ist: Welche Vorstellungen hat der Dortmunder vom Format Musikalbum? Wenn der Fan die Deluxe-Version des neuen Albums kauft, bekommt er eine Bonus-CD mit acht weiteren Stücken und eine Live-DVD dazu – das Haupt-Album hat aber drei Lieder weniger als die Digipak-Einzel-CD. Man kann natürlich wohlwollend feststellen, dass der Künstler recht freigiebig mit seinem Ideenreichtum umgeht, andererseits wirkt die Auswahl seiner Stücke auf den Alben dadurch beliebig. Unabhängig davon schreibt Boa einfach tolle Songs, zwischen Hymne und Rockbrett, was „Bleach House“ verlustfrei in die nicht abreißende Reihe der seit 2000 wieder guten Boa-Alben einfügt. Ein Wermutstropfen: Obwohl sie als Autorin im Booklet noch vereinzelt auftaucht, ist Pia Lund nicht mehr dabei.

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Mope – Mope – Taxi Driver Records 2014

Von Matthias Bosenick (05.09.2014)

So sonnig ist es in Italien: Das Genueser Quartett Mope macht schleppenden Doom Metal mit Saxophon, zu dem es sich prima im feuchten Keller verweilen lässt, damit auch ja keine gute Laune aufkommt. Dieser Plan geht aber schief: Das Album ist so gut, dass man sich darüber nur freuen kann. Da nimmt man dann auch gerne in Kauf, dass es mit der musikalischen Eigenständigkeit abgesehen vom Saxophon nicht ganz so weit her ist.

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Deine Lakaien – Crystal Palace – Chrom Records/Soulfood 2014

Von Matthias Bosenick (11.08.2014)

Och, nö! Da lassen sich Ernst Horn und Alexander Veljanov satte vier Jahre Zeit für ihr zehntes Album als Deine Lakaien, und dann langweilen sie damit doch nur. Wieder, wie man inzwischen meint. Oder ist es nur der Hörer, der musikalisch weitergewandert ist und den larmoyanten Mollton einfach mal satt hat? Es erstaunt auch, dass das musikalische Produkt zweier dergestalt Versierter so banal erscheint. Nach all der Kollegenschelte sollte das Duo jedenfalls keine Steine in seinen Crystal Palace mitnehmen.

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Manic Street Preachers – Futurology – Smi Col/Sony 2014

Von Matthias Bosenick (10.08.2014)

Es gibt nicht viele Bands, die ihre Spektakularität nicht halten können, aber trotzdem interessant bleiben. Die Manic Street Preachers machen seit dem Jahrtausendwechsel Musik, die niemanden mehr so recht interessiert, die auch niemanden mehr so recht aufrüttelt, die aber diejenigen zufriedenstellt, die der Band trotzdem folgen. „Futurology“, das Schwesteralbum zu „Rewind The Film“ aus dem Vorjahr, ist rockiger als jenes ausgelegt, und es ist sicherlich auch so aufgestellt, knallt aber lange nicht so wie etwa die von jugendlicher Kraft getriebenen „Gold Against The Soul“ oder „The Holy Bible“ aus den frühen 90ern. Und dennoch, man freut sich, wie sehr die neuen Songs ins Ohr gehen und wie gerne sie sich ins Gedächtnis einnisten. Gut gemacht.

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Tatati Tahiti – Mi-Lom mianoho – Tatati Tahiti 2014

Von Matthias Bosenick (28.07.2014)

Ein irres Zeug! Comlan Edoh veröffentlicht unter seinem Alias Tatati Tahiti ein neues Album und fordert damit jeden westlich (eigentlich: nördlich) orientierten World-Music-Hörer heraus, der auf modernen Afro-Beat steht. Denn was Edoh macht, ist fast nur noch Beat, Melodie kommt fast ausschließlich über die Stimme. Das Album klingt wie ein Fieberwahn und versucht erst gar nicht, europäisches Musikverständnis gewinnbringend zu bedienen. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt mindestens gute Laune.

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The Wirepushers – Electric Puppetry – United Producers Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.07.2014)

Rock’n’Roll! Weil Metal allein nicht glücklich macht, ist Deutschlands gefragtester Metal-Produzent und -Studiogitarrist Sascha Paeth nebenbei seit ein paar Jahren mit The Wirepushers aktiv. Jetzt liegt das Debütalbum vor, und das ist rauh, unzeitgemäß und mit dem nötigen Pfund Humor ausgestattet, und überall da, wo der durchblitzt, ist das Album auch am besten. Ein schöner Auftakt.

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Numb – The Valence Of Noise – Minimal Maximal 2014

Von Matthias Bosenick (04.07.2014)

Dirk Ivens bemüht sich redlich, den Fans vergriffene Besonderheiten aus dem internationalen EBM-Geschehen auf seinem Label Minmal Maximal auf Vinyl zugänglich zu machen. Nicht nur eigene Arbeiten mit Absolute Body Control, sondern auch Werke von Kollegen wie A Split-Second, Parade Ground, Front 242 oder The Neon Judgement bringt er so unter die Leute. Jüngste Veröffentlichung ist „The Valence Of Noise“, eine Raritätensammlung von Numb. Die acht Stücke decken den Zeitraum von 1991 bis 2000 ab und spiegeln damit auch die atmosphärische und musikalische Bandbreite der leider aufgelösten kanadischen EBM-Krawallos um Don Gordon wider.

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Gus Gus – Mexico – Kompakt 2014

Von Matthias Bosenick (01.07.2014)

Sind die gut! In Sachen Elektro, Techno, Ambient, Downbeat, Deep House oder was auch immer gibt es kaum bessere Acts als Gus Gus (oder auch GusGus, gesprochen „güsgüs“). „Mexico“ ist das vierte überragend gute Album in Folge (also in sieben Jahren). Die Songs sind welche, also nicht einfach nur Tracks, und machen auch zu Hause viel Spaß, nicht nur im Club. Gute Laune mit Anspruch, Niveau, Lebensfreude und ganz viel Raum.

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