Einstürzende Neubauten – Lament – Mute 2014

Von Matthias Bosenick (11.12.2014)

Erst hört man sechs Jahre lang von den Einstürzenden Neubauten keinen Ton, und zwar nachdem sie ihr wegweisendes Supporters-Projekt als gescheitert betrachten mussten (wobei den Supporter ärgerte, dass die exklusiven Download-Extras später als „Jewels“ auch auf CD veröffentlicht wurden und somit keine Extras mehr blieben), und dann befassen sie sich musikalisch mit dem allseits medienüberfütternden Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Doch gottlob fegen die neuen Feuilletonslieblinge alle Bedenken beiseite: „Lament“, die Umsetzung eines Projektes über den Fall von Diksmuide, Belgien, von ebenjener Kommune als Performance in Auftrag gegeben (und damit quasi ein Schwesterwerk zu „Ypres“ von den Tindersticks), ist ein Album, das sowohl als eigenständiges Werk im Neubauten-Oeuvre besteht als auch dem Reigen der in ihrer Qualität weit voneinander abweichenden WWI-Veröffentlichungen etwas Nachhaltiges hinzufügt.

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Machine Head – Bloodstone & Diamonds – Nuclear Blast 2014

Von Matthias Bosenick (03.12.2014)

Hymnen in hart, aber sowas von. Die Entwicklung der Thrasher ist interessant: Nach drei progressiven Monolithen greifen sie auf ihrem achten Album auf den Sound ihrer erfolgreichsten (aber, anders als jetzt, kreativ enttäuschendsten) Zeit zurück und binden darin ihre Experimentierfreude ein. So finden sich nun allerlei interessante Elemente in diesen eher eingängigen brettharten neuen Metal-Songs. Ist man zunächst enttäuscht, die Komplexität der Vorgänger nicht im erwarteten Maße erfüllt zu bekommen, kriegt man dann aber nach einigem Hören große Lust auf die heavy Grooves und die anderen attraktiven Ideen von Bandchef Robb Flynn.

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Qntal – VII – Drakkar/Soul Food 2014

Von Matthias Bosenick (02.12.2014)

Ein weiterer Fall, an dem man als Davongeschrittener überprüfen kann, inwieweit man den Zurückgelassenen mach einiger Zeit wieder folgen kann: Die Elektro-Mittelalterer Qntal veröffentlichen nach sechs Jahren Pause ihr siebtes Album. Jenem ging ein gewisser kreativer Stillstand voraus, mit der Konsequenz, dass auch die Band dies bemerkte und sich von Keyboarder Philipp Groth alias Fil trennte. Mit dessen Nachfolger Leon Rodt soll nun alles besser werden. Festzustellen ist, dass „VII“ kompakter und schlüssiger ausfällt als die Vorgänger. Damit einher geht jedoch ein Übermaß an Poppigkeit, das die anspruchsvolleren experimentellen Passagen überlagert.

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Cavalera Conspiracy – Pandemonium – Napalm Records 2014

Von Matthias Bosenick (26.11.2014)

Opa macht mal einen auf Jugendkultur: Max Cavalera (45) postuliert, dass das dritte Album seiner Conspiracy mit Bruder Ig(g)or und zwei Gästen Grindcore enthalte. Hört man „Pandemonium“, bekommt man den Eindruck, der Mann wisse nicht, worum es sich bei Grindcore überhaupt handelt. Man mag vielleicht entsprechende Einflüsse heraushören, aber die Grenzen sind wie üblich fließend. Und das Ergebnis ist vielmehr temporeicher Thrash-Metal mit gelegentlichen Spielereien. Schade nur, dass sich das Vorabgerücht nicht bewahrheitete, James Murphy von LCD Soundsystem würde das Album produzieren. Tat er nicht, aber das klingt nach einer extrem spannenden Konstellation. Bitte nicht aus den Augen verlieren.

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Nils Koppruch + Fink – Werkschau – Trocadero 2014

Von Matthias Bosenick (23.11.2014)

Der traurige Anlass für dieses opulente 12-CD-Boxset ist der Tod des Geehrten: Nils Koppruch starb 2012 mit nur 46 Jahren. Der Hamburger Sänger war ein Meister des uneindeutig beschriebenen Gefühls, das er zumeist mit von Country durchsetzter Rockmusik vermittelte. Einige der Alben seiner früheren Band Fink waren zuletzt nicht mehr erhältlich, da kommt diese „Werkschau“ mit allen CDs im Pappschuber gerade recht. Bonus sind eine Raritäten-Compilation sowie eine Tribute-Doppel-CD. Letztere wäre nicht nötig gewesen, erstere ist gleichzeitig erstaunlich vollständig und unvollständig. In Summe ein wundervolles Wiederhören, das den großen künstlerischen Verlust verdeutlicht.

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Pink Floyd – The Endless River – Parlophone/Warner 2014

Von Guido Hörster (12.11.2014)

Da ist sie nun doch noch – die definitiv letzte PF-Platte. Dies galt doch bislang für die 1994 erschienene „The Division Bell“, welche mit dem abschließenden „High Hopes“ auch einen stimmungsvollen Schlußpunkt gesetzt hatte. Über die Entstehung dieses „neuen“ Oeuvres haben sich andere schon genug ausgelassen, ich möchte lieber den (sicherlich subjektiven) Versuch starten, zu beschreiben, was der geneigte Hörer von diesem Album erwarten darf (und was evtl. nicht).

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Devin Townsend Project – Z² – HDR/Insideout 2014

Von Matthias Bosenick (10.11.2014)

Der Mann mutet dem Fan einiges zu. Nicht nur an Output allgemein, sondern mit diesem Speziellen auch: Das Doppel-Album ist so komprimiert produziert, dass es stresst. In den zwei Stunden Programm lässt er keine Lücken, er fegt über den Hörer hinweg. Zwar wechseln die Tempi, doch bleibt man letztlich völlig außer Atem zurück, weil man glaubt, von einem Soundtsunami überrollt worden zu sein. Dabei fällt es einem schwer, inmitten des Getöses die tatsächlich guten Ideen zu honorieren. Devin trägt im Wortsinne zu dick auf.

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Simple Minds – Big Music – Embassy Of Music 2014

Von Matthias Bosenick (06.11.2014)

Da machen die alten Stadionrocker jetzt also auf Dancefloor. Elektronische Musik ist man als Fan der ersten Stunde deutlich eher gewohnt als jener, der erst mit dem „Breakfast Club“ einstieg, aber die alte Form, mit der die Schotten zuletzt sogar auf Tour waren, war monotoner, kühler, dunkler. „Big Music“ ist – auch das alberne Cover mit den Lautsprechern unterstreicht das – genau das, big music nämlich, für das große Publikum, die große Bühne und womöglich die Großraumdisco. Nun, dort wird man sie wohl verschmähen, dafür sind sie zu alt. Eher kommen sie ins große Radio und beglücken die Großraumbürogemeinschaft. Bisweilen hat es etwas von Erasure mit Gitarren. Es ist schwierig, als Simple-Minds-Fan „Big Music“ unumwunden zu mögen. Aber nicht unmöglich, überhaupt Gefallen daran zu finden.

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Myrkur – Myrkur – Relapse Records 2014

Von Matthias Bosenick (24.10.2014)

Das ist auch eine Form von Sexismus, gewiss: Myrkur ist vordergründig deshalb interessant, weil es sich dabei um das Black-Metal-Projekt einer einzelnen Frau handelt. Da der Black Metal in den vergangenen Jahren eine künstlerische Aufwertung erfuhr, die ihn auch für Leute öffnete, die nicht auf angezündete Kirchen stehen, ist man hellhörig: Was macht Amalie Bruun anders als die Kerle? Nun: Ihre Stimme ist untypisch zart und elfisch – aber ihr Metal rumpelt etwas zu arg. Am schönsten ist das Mini-Album, wenn es 4AD-Dreampop und Shoegaze kreuzt; am dröhnenden Ambiente muss sie noch etwas arbeiten, sofern die hauptamtlich bei Ex Cops als Musikerin sowie als Model tätige Dänin das überhaupt will.

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U2 – Songs Of Innocence – Island Records 2014

Von Matthias Bosenick (21.10.2014)

Das neue Album von U2 ist – mal abgesehen von der Marketingmethode – streitbar. Das, was das Quartett abliefert, hat es im Grunde nicht nötig. Die beiden vorhergehenden Alben waren relativ frei davon, kundenorientiert zu sein. „Songs Of Innocence“ ist dies jedoch weitgehend. Gute Ideen haben die vier Herren weiterhin, das ist unbestritten und immer wieder zu hören, doch betten sie die in einen Kontext, der sie zu stark verdeckt. Stadionhymnen sind hier Programm, sie funktionieren live wohl am besten, aber auf Platte nerven sie. Und: Eine Band, die ihr Album bei Apple verschenkt, sollte ihrer LP doch einen Downloadcode beilegen, oder?

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