Callin Tommy – Sweet Toxin – Callin Tommy 2016

Von Matthias Bosenick (14.12.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour – Der Stadtblog

Groovig voranpreschender Indierock mit Frauengesang und blechbläsernen Überraschungen: Callin Tommy spielen sich mit ihrem Hybridsound in eine eigene Nische. „Sweet Toxin“ ist das zweite Album der Braunschweiger Band, und wenn schon ihre Studiomusik so extrem nach Party klingt, muss es live mal so richtig brennen. Ansprechend wie der Sound ist auch das Bild: Man kann auf dem Cover eine Menge feiner Ideen entdecken. Und Play drücken und jetzt hüpfen!

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Arjomi – Sturm – Arjomi 2016

Von Matthias Bosenick (10.12.2016) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Wer Ajomi kennt, weiß, dass sich die Musik dieses sich weltweit inspirieren lassenden Folklorequartetts nicht nur überhaupt von der anderer Bands unterscheidet, sondern auch je nach Auftrittsort differiert: auf dem Floß, in der Kirche, in der Kneipe, open air. Diese klangliche Vielfältigkeit im Studio einzufangen, ist ein entsprechend schwieriges Unterfangen, das nur eine einzelne Fassette Arjomis einfangen und abbilden kann, und zwar eine, die das Liveerlebnis ergänzt. Willkommen zur Freakhypnose.

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Project Pitchfork – Look Up, I’m Down There – Trisol/Soulfood 2016

Von Matthias Bosenick (08.12.2016)

Bei einem Preis von 50 Euro plus P&V für die limitierte Doppel-CD und mit Blick auf die eher mittelmäßigen Alben seit über zehn Jahren fragt man sich, ob man das neueste Album von Project Pitchfork wirklich braucht. Aus dem einst Skinny-Puppy-infizierten, geräuschlastigen Elektro ist längst wohlklingender Pop geworden, die Eigenständigkeit blieb nach zaghaften Erfolgen vor den Charts hängen. Andererseits sind solche limitierten Ausgaben von Project-Pitchfork-Alben recht schnell recht wertvoll. Na, gut, einmal noch. Und dann die Überraschung: Inmitten vertrauter Standardkompositionen funktioniert offenbar der Verzerrer wieder. Kann man gut hören, das Album. Châpeau!

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Deine Lakaien – XXX: The 30 Years Retrospective – Chrom/Soulfood 2016

Von Matthias Bosenick (01.12.2016)

Pünktlich zu Weihnachten werden Deine Lakaien 30 Jahre alt und feiern ihren Geburtstag mit einer Mischung aus Best-Of und Greatest Hits (ja, da gibt es einen Unterschied). Die gibt es wahlweise als Doppel-CD und als Doppel-Doppel-CD, und für den gewöhnlichen Fan ist eher die zweite Variante interessant, mit seltenem Live- und Studio-Material nämlich. Die chronologische Zusammenstellung verdeutlicht, was beim Durchhören der Alben längst klar ist: Bei den Lakaien verbirgt sich die musikalische Eingenwilligkeit zusehends hinter einer milden Gefälligkeit. Immer noch sind Alexander Veljanov ein guter Sänger und Ernst Horn ein guter Komponist, doch fehlt dem Gothic-Wave-Synthie-Band-Pop längst der Biss.

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Devin Townsend Project – Transcendence – HDR/InsideOut 2016

Von Matthias Bosenick (23.11.2016)

Nein, dieser Devin! Im Sekundentakt haut er uns die Lieblingslieder in spe nur so um die Ohren. Gerade erst ist seine Autobiographie „Only Half There“ mit Bonus-CD („Iceland“) und -Tape („Ancient“) erschienen, schon legt er parallel das Doppel-Album „Transcendece“ nach. Im Vergleich zu noch kürzlich benutzte Dev hier weniger Weichspüler und Grauschleier, er entzog seinem Gospelmetal das Wattige. Wie anders er noch kann, belegt er auf der Bonus-CD. Muss das schön sein, seine Depressionen überwunden zu haben! Nur dafür extra erstmal welche bekommen? Och nö, lieber nur die Therapieergebnisse anderer Leute. Wie dieses.

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Theatre Of Hate – Kinshi – Kirk Brandon/Pledge 2016

Von Matthias Bosenick (19.11.2016)

Man fragt sich, woran Kirk Brandon es festmacht, dass er mal Spear Of Destiny und mal Theatre Of Hate reaktiviert. Bis man die jeweiligen Alben hört: Die früheren Wavepopper Spear Of Destiny sind längst eine mitreißende Rockband geworden, als Theatre Of Hate macht er deutlich kargeren Waverock mit Saxophon. Und beweist: Es gibt keine schlechten Instrumente, man muss sie nur zu nutzen wissen. Wie auch die Triangel. Vom amateurhaften Cover sollte man sich nicht abschrecken lassen: „Kinshi“ ist Kirk Brandon auf dem seit 35 Jahren andauernd hohen Niveau.

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Yello – Toy – Polydor/Universal 2016

Von Matthias Bosenick (15.11.2016)

Ein Spielzeug zwischen „Bostich“, „The Rhythm Divine“, „Desire“ und „Planet Dada“: Yello präsentieren sich 2016 mit einem Album, das Elemente aus allen Schaffensphasen kombiniert, und das auch noch schlüssig. Welten werden sie damit sicherlich nicht mehr bewegen, fügen aber zumindest ihrem eigenen Universum etwas Brauchbares hinzu, und das ist ja auch schon eine Menge wert. Heißt: Den Techno erfinden sie kein zweites Mal neu, machen aber trippiges Elektrozeug mit Jazzhaltung. Dazu grummelt Dieter Meier wie gewohnt und lässt sich manches Mal von Frauenstimme begleiten. Das ist sehr chic.

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Alcest – Kodama – Prophecy/Soulfood 2016

Von Matthias Bosenick (15.11.2016)

Und dann gab’s da ja auch noch den Black Metal in der Biographie von Neige alias Stéphane Paut alias Alcest (alias weitere Projekte). Vom Puristen-Black-Metal wandte sich der Franzose ja schon als Teenager ab; heute spricht man bei seiner Musik von Post-Metal oder, sofern man Hipster ist, von Blackgaze. Heißt: Die Gitarren türmen sich zu, ähm, Türmen auf, Härte wird nicht mit Blastbeats oder Tempo erzeugt, der Pop gewinnt bisweilen Oberhand, der Sänger ist in sich gekehrt. Ist schön, aber man vermisst das vertraute Pfund im Sound. Immerhin ist „Kodama“ nicht mehr ganz so watteweich wie der Vorgänger „Shelter“.

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Opeth – Sorceress – Nuclear Blast 2016

Von Matthias Bosenick (07.11.2016)

Vom „Windowpane“ zum „Windowpain“: Opeth haben im Retrodudeln ein behagliches Nest gefunden. Vom progressiven Death- und Black-Metal mit ausufernden milden Gitarrenpassagen und eingeflochtenem Schönklang blieb seit drei Alben lediglich das Progressive übrig, und zwar grob in der Form, wie es der Progressive Rock in den Siebzigern vorgab, also irgendwie willkürlich komplex rockend mit ganz viel Orgel und sonstiger Orgelei. Erschreckend, wie langweilig die Schweden geworden sind.

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Pixies – Head Carrier – Pixies Music/Play It Again Sam 2016

Von Matthias Bosenick (03.11.2016)

Betreutes Rocken: Dafür, dass die Pixies vor 25 Jahren den Indierock und indirekt den Grunge erfanden, gestaltet sich ihre neue Musik nach der fragwürdigen Reunion als selbstplagiierender Aufguss. Die interessantesten Passagen sind Eigenkopien, der Rest eine Melange aus nett und langweilig. Da war das frühe Solowerk von Chefquerulant Frank Black alias Black Francis deutlich innovativer. Die nunmehr Erwachsenen tauschen das Subversive gegen die fröhliche Retromanie ein. Oh wie schön war Panama, als wir es entdeckten. So richtig schlimm an „Head Carrier“ ist indes, dass das Album der Jugend immer noch etwas vormachen kann. Wer kann, wende sich dennoch den alten Alben zu.

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