The Electric Family – Terra Circus – Broken Silence 2017

Von Matthias Bosenick (22.04.2017)

The Electric Family sind so etwas wie die deutschen Pigface, zumindest das Konzept betreffend, nicht die Musik: Musiker aus zahllosen zumeist alternativen Bands finden sich pro Album in wechselnden Konstellationen zu diesem Krautrock-Ensemble zusammen. Initiator ist Tom Redecker alias The Perc (bei Pigface ist es ebenfalls eine Einzelperson, Martin Atkins). Auf dem Comebackalbum „Terra Circus“ gibt’s zunächst zurückhaltenden Rock zu hören, der die Entstehung aus dem Jam nicht verbirgt, recht bald ins All abdriftet und The Percs frühere Grufti-Nähe mit einem sitarbestückten Country-Cover von „Lucrecia My Reflection“ von den Sisters Of Mercy belegt.

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Under Viewer – Wonders & Monsters, Daniel B. Prothèse – Überlastung – Alfa Matrix 2016/2017

Von Matthias Bosenick (22.03.2017)

Dieser Jean-Luc de Meyer hat aber auch eine geile Stimme. Der veredelt alles, woran er beteiligt ist. Hier nun mit Patrick Codenys an Under Viewer, einem von zwei Projekten, aus denen 1981 Front 242 hervorgingen. Das andere war Prothèse von Daniel Bressanutti. Von beiden gab es keine offiziellen Veröffentlichungen, sieht man von den Demos ab, die das Label Alfa Matrix 2004 zum Rerelease des Front-242-Debüts „Geography“ auf die limitierte Bonus-CD packte. Beide Projekte überarbeiteten ihre Demos und schufen neue Songs, die sie jetzt unter die EBM-Fans bringen – und diese sicherlich eher verstören: Under Viewer ist wunderschöner dunkler minimaler Pop, Prothèse zirpendes Experiment mit Ambient-Schlag, beides also in einem völlig anderen Sinne „Kampfbereit“.

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Exquirla – Para quienes aún viven – Superball Music 2017

Von Matthias Bosenick (11.03.2017)

Wenn alles gesagt ist, mischt man das Gesagte neu: So funktioniert auch Exquirla, das gemeinsame Projekt der spanischen Postrockband Toundra und des Flamencosängers Niño De Elche. Das Ergebnis ist ein dunkler Fluss an progressiver Rockmusik zwischen heavy und mäandernd mit einer rauhen beschwörenden singsangenden Stimme drüber. Eine beeindruckende und großartige Kombination. Ebenbürtig mit etwa Jambinai aus Südkorea, die in ihren Metal traditionelle Instrumente einfließen lassen. Neu geht noch 2017!

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Sepultura – Machine Messiah – Nuclear Blast 2017

Von Matthias Bosenick (17.02.2017)

Sepultura haben etwas ganz Entscheidendes verloren: ihren Bremsklotz nämlich, mit dem sie versuchten, in der selbstgewählten Metal-Nische zu verbleiben, die ihnen seinerzeit Alben wie „Chaos A.D.“ und „Roots“ eröffnete. Doch war ihnen das bei aller technischer Raffinesse und Thrashigkeit ohne die Cavalera-Brüder einfach nicht vergönnt. Davon befreien sie sich auf „Machine Messiah“, sind einfach mal sie selbst – und so gut wie seit 21 Jahren nicht mehr, also seit Maxe das Mikro für Derrick Green freigab.

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The Perc – Koto Funk – Tribal Stomp Records 2016

Von Matthias Bosenick (16.02.2017)

The Perc mistet seinen Keller aus, ohne den Hidden Gentleman dieses Mal: Auf „Koto Funk“ bringt er Skizzen zusammen, die er laut Begleitzettel 1995 für ein doch nicht verwirklichtes Theaterstück („Festung“ von Rainald Goetz) anfertigte. Das Ergebnis ist eine für Tom Redecker typische Mischung aus düster-schrägen Synthieexperimenten und verschlepptem Indierock. Also deutlich experimenteller und spannender als der meiste zeitgenössische alternative Kram. Und trotzdem zeitlos.

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Dead Men Walking – Unofficially Official: Live In Bristol 2016 – Dead Men Walking 2016

Von Matthias Bosenick (30.01.2017)

Selbstironie, Akustikmusik und Punkrock in einem: Das ist das seit 2001 fließend aus diversen britischen Punk-, Postpunk-, Gothic- und Rockabilly-Bands besetzte Projekt Dead Men Walking, das sich 2016 einmal mehr zusammentat, um die alten Hits zur Lagerfeuerklampfe zu trällern. Vier tote Männer sind es dieses Mal: Kirk Brandon (Spear Of Destiny, Theatre Of Hate), Dave Ruffy (The Ruts/Ruts DC), Jake Burns (Stiff Little Fingers) und Segs Jennings (ebenfalls The Ruts/Ruts DC). Sie beweisen: Punkrock hat Tiefe und Spaß an Mucke kein Alter. Gibt nur 500 Exemplare dieser Live-CDr!

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Dwiki Dharmawan – Pasar Klewer – MoonJune Records 2016

Von Matthias Bosenick (21.01.2017)

Wenn auch im noch so freien Jazz alles seit 75 Jahren weitgehend auserzählt ist, gibt es wie in jedem Genre immer noch die Möglichkeit, dadurch etwas Neues zu kreieren, indem man ein Kreuzüber anzettelt. Im Jazz heißt das Fusion und beim Pianisten Dwiki Dharmawan heißt das, dass er musikalische Einflüsse aus seiner Heimat Indonesien integriert. In London scharte er für sein zweites Album haufenweise versierte junge Leute aus seiner alten und neuen Gegend um sich und ließ sie entspannt und gleichzeitig verfrickelt herumgrooven, indem sie Vertrautes und Fremdes progressiv durcheinandermixten. Klewer!

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Automat – Ostwest – Bureau B/Indigo 2016

Von Matthias Bosenick (06.01.2016)

Was bleibt eigentlich übrig, wenn man der Dubmusik den Dub langsam austreibt? Das Trio Automat begeht mit seinem dritten Album „Ostwest“ den Versuch. Das Ergebnis ist nicht weniger groovend, aber wegen der reduzierten Wiederholungseffekte deutlich minimalistischer. Es bleibt Tanzmusik für Menschen, die vor einem zur Schau gestellten Hedonismus Reißaus nehmen, sich aber doch mal rhythmisch bewegen wollen. Zudem soll „Ostwest“ auch was fürs Hirn sein, was aber bei Instrumentalmusik ein eher aufgesetztes Unterfangen bleibt. Festzuhalten ist: „Ostwest“ ist anders als die beiden Vorgänger und Stillstand ist der Tod.

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Roji – The Hundred Headed Women – Shhpuma/Clean Feed 2016

Von Matthias Bosenick (27.12.2016)

Alle Jahre wieder: Kurz vor dem Jahreswechsel schiebt noch jemand einen Anwärter für die Top-Ten-Liste der Jahrescharts auf den Markt. Dieses Mal: Roji, ein Projekt, auf das ich ohne den Schlagzeuger nicht aufmerksam geworden wäre; Jörg A. Schneider kam mir erstmals vor 20 Jahren mit Les Hommes Qui Wear Espandrillos unter. Mit Roji macht er Jazz. Und zwar so freien, dass er für manche Hörer sicherlich kaum noch als Musik erlebbar ist. Die Musik besteht hier als Grundlage lediglich aus Schlagzeug, Bass und Loops, gelegentlich garniert mit – man muss es so sagen – Tröten. Berauschend, befreiend. Lärm.

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Nothing But Noise – eXistence oscillation Past – Wool-E Discs 2016

Von Matthias Bosenick (17.12.2016)

Ist das noch Fußball? Seit 13 Jahren gibt es von den EBM-Erfindern Front 242 keine neue Studiomusik mehr, aber dafür von haufenweise Nebenprojekten. Nothing But Noise ist eines davon, mit Daniel Bressanutti alias Daniel .B. sowie seinem Seitentritt Dirk Bergen, der sogar zur Gründerbesetzung von Front 242 gehörte. Als Nothing But Noise machen sie zum zweiten Mal auf Albumlänge Ambient, durchsetzt von typischen Post-EBM-Effekten, mit denen sie auch schon bei Front 242 für eine Abkehr alter Fans sorgten. Selbst Schuld, denn „eXistence oscillation Past“ sitzt genau in der höchstspannenden Lücke zwischen Drone und Goa: beatlos, aber hektisch. Ein aufregender Trip.

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