The Blow Monkeys – The Wild River – Monks Road Records 2017

Von Matthias Bosenick (10.11.2017)

Trotz einiger Hits in den Achtzigern erinnert sich fast niemand an die Blow Monkeys. „The Wild River“ ist dabei nicht einmal eine Comebackplatte, die erschien bereits vor fast zehn Jahren, seitdem sind sie kontinuierlich aktiv, unbeachtet von den Massen. Musikalisch schließt „The Wild River“ dabei nicht an die einstigen Erfolge an, nicht einmal an die jüngeren, etwas rockigeren Alben, sondern eher an das Solodebüt des Sängers Dr. Robert, „Realms Of Gold“ von vor 23 Jahren: an Erwachsene gerichtete soulige Midtempo-Popmusik mit Folkeinschlag und Saxophon. Ohne die Stimme von Dr. Robert wäre das sicherlich nicht halb so goutierbar.

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Kiev Stingl – Hart wie Mozart/Ich wünsch den Deutschen alles Gute – Sireena 2017

Von Matthias Bosenick (06.11.2017)

Kiev Stingl hat schlechte Laune und in Achim Reichel einen versierten Mann an der Seite, der seine Grantigkeit in Musik fassen lässt. Vier Alben nahm der Hamburger zwischen 1975 und 1989 auf, die beiden mittleren – „Hart wie Mozart“ (1979) und „Ich wünsch den Deutschen alles Gute“ (1981) – veröffentlicht Sireena Records jetzt kurz nach dem Debüt „Teuflisch“ ebenfalls auf CD. Erwartet man bei einem Protegé wie Reichel einen Sound zwischen Beat und Psychedelik, wundert man sich doch über die Songs, die vielmehr an Postpunk oder gar Wave Rock anlehnen. Dabei ging es bei den Alben hauptsächlich darum, den an die US-Beatpoeten angelehnten Texte Stingls ein musikalisches Gewandt zu verpassen. Eine gelungene Kombination.

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Myrkur – Mareridt – Relapse 2017

Von Matthias Bosenick (27.10.2017)

Auf zum nächsten Entwicklungsschritt: Machte Amalie Bruun 2014 noch damit Furore, dass die einstige Popsängerin (einst Minks und Ex Cops) sich unter dem Namen Myrkur als Ein-Frau-Black-Metal-Projekt etablieren wollte, was in traditionellen BM-Kreisen auf erwartbaren Widerstand stieß, aufgeschlossene Hörer aber nicht nur aufhorchen ließ, und stieß sie ihr gewonnenes Publikum später mit einer sakral anmutenden Live-EP vor den Kopf, integriert sie nun auf ihrem zweiten vollwertigen Album „Mareridt“ folkloristische Elemente in ihren Sound, die deutsche Gruftis an Mittelalterbands erinnern könnten, aber selbstredend von höherer Qualität sind. Dieser postmoderne Black Metal erstaunt immer wieder.

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The Black YO)))GA Meditation Ensemble – Earth Portals – The Innervenus Music Collective 2017

Von Matthias Bosenick (17.10.2017)

Yogamusik für Leute, die bei Yogamusik aggressiv werden: Auf seinem zweiten Album verfeinert das Black YO)))GA Meditation Ensemble seine Herangehensweise an Soundscapes für Yogarituale. Hatte „Asanas Ritual, Vol. 1“ noch den Aufbau, der dem Titel folgte, erscheint „Earth Portals“ eher wie eine Experimentiergelegenheit für die Musiker. Entspannavantgarde quasi, mit Dröhnen, Lärm, dunklen Flächen, Hallchören, Geschepper, bedrohlicher Stimmung und erheblichem Gruselfaktor. Sowas kriegen Gruftbands nicht mehr hin. Funktioniert auch abseits der Yogamatte.

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Cryptic Brood – Brain Eater – Xtreem Music 2017

Von Matthias Bosenick (07.10.2017)

Zu dritt solch ein Spektakel veranstalten, herrlich! Cryptic Broods Variante von Metal vereint virtuos das Schnelle des Thrash, das Tiefe des Doom, das Schleppende des Sludge und den Spaß des Splatterfilms. Und wenn der Titel „Brain Eater“ hundertmal nach böse und blutrünstig klingt, man hört es dem Trio an, dass es eine Riesenfreude daran hatte, das Album einzuspielen. Das funktioniert, weil Cryptic Brood ihre Sache trotzdem ernstnehmen und die Musik schlüssig variantenreich im Sinne des Genres (oder besser: der Genres, eines allein reicht nicht) darbieten. Da bleiben keine Wünsche offen.

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LCD Soundsystem – American Dream – DFA/Sony 2017

Von Matthias Bosenick (05.10.2017)

Das war ein Abschied mit eingebauter Auferstehung, wenn man mal ehrlich ist: Die Wiederkunft von LCD Soundsystem war absehbar. Und selten sehnte man ein Comeback überhaupt herbei, schon gar nicht so innig wie das von James Murphy und Konsorten. „American Dream“ hat alles, was man an LCD Soundsystem liebt, und sogar noch viel viel mehr. Hier hat der Pop die Dunkelheit der wavigen Achtziger, die Disco die Virilität der funkigen Siebziger, die Komposition die Tiefe und Komplexität der intellektuellen Kunst und der Sound die Atmosphäre der tiefgründigen Seele. Unter allem liegt ein fordernder Groove. Hier tanzt man sich schlau.

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Der Weg einer Freiheit – Finisterre – Season Of Mist 2017

Von Matthias Bosenick (19.09.2017)

Es ist fast ein innerer Zwang, der einen dazu treibt, „Finisterre“ immer und immer wieder zu hören. Der Weg einer Freiheit schlagen einen anderen Weg im modernen Black Metal ein als die Blackgazer: Bei ihnen dominiert die Härte über die reine Soundfläche, „Finisterre“ geht unablässig mitten ins Gesicht. Die Kunst besteht darin, trotzdem atmosphärisch, melodiös und progressiv zu sein. Es gibt also nett in die Fresse. Auch, wenn‘s ums Ende der Welt geht.

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F.S.K. – Ein Haufen Scheiss und ein zertrümmertes Klavier – Martin Hossbach/Kompakt 2017

Von Matthias Bosenick (18.09.2017)

Industrial Free Jazz Indierock Disco Ambient? Das alles in einem dreiviertelstündigen Track, auf zwei LP-Seiten aufgeteilt, servieren F.S.K., die Avantgardeinstitution aus München seit 37 Jahren. Im gemächlichen Midtempo, das zum Kopfnicken eher verführt als zum Abhotten, ackert sich das Quintett entspannt durch einen Querschnitt seiner Möglichkeiten. Wie so oft bei der Avantgarde erstaunt auch hier, wie eingängig das Experiment sein kann.

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Therapy? – Communion: Live At The Union Chapel – Therapy? 2017

Von Matthias Bosenick (13.09.2017)

Ein zweigleisiges Schwert, das Therapy? hier zücken: Sie feiern ihre eigene Jugend, indem sie alte Songs zelebrieren, und tun dies in neuen Versionen, akustischen nämlich. Da kommen beide Gefühle auf: Nostalgie und Ausverkauf. Die Songs sind gut, die Darreichungsform indes ist nicht immer angemessen. Das Geheminsvoll-Düstere der frühen Songs geht verloren, das Singalong hat einen faden Beigeschmack, und doch strahlen die Stücke eine vertraute Kraft aus, für die man die Nordiren seinerzeit zu lieben lernte. Sie werden alt? Oder man selbst?

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Human – Human – Sireena/Broken Silence 2017

Von Matthias Bosenick (12.09.2017)

Unter dem formidabel googlebaren Namen Human taten sich Vater und Sohn Hönig aus Hagen zusammen: Ein Krautrock-NDW-Gitarren-Veteran sowie ein Beatproduzent und Gastgitarrist bei Rappern. Liest sich seltsam, aber in dieser Kombination dominiert keine von beiden Prägungen, und das macht „Human“ wieder interessant. Es ist noch nicht einmal ein irgendwie gitarrenlastiges Album geworden. So richtig rockig wird es erst im dritten Track, vielmehr erzeugen die beiden Hönigs flächige Räume, in denen sie sich gegenseitig unaufgeregt, untertourig und repetetiv agieren lassen. Mit gelegentlichen Ausflügen ins All.

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