Hante. – Her Fall And Rise – Stellar Kinematics 2014

Von Olaf Maibaum (09.01.2016)

Musik mit minimalen Einsatz kann auch gut klingen. So beginnt die LP „Her Fall and Raise“ von Hante mit einem einfachen Sägezahn, welcher mit einem Filter in einen wohlklingenden warmen Bass verwandelt wird. Dieser trägt für den Rest des Stücks „Falling from Grace“ die Grundmelodie, zu der sich Schritt um Schritt die Rhythmus-Elemente hinzufügen, bevor der mit Hall versetzte Gesang von Hélène de Thoury einsetzt. Hélène bleibt dabei in ihrem Solo-Projekt ihrer musikalischen Linie aus ihrem anderen Projekt Minuit Machine treu, sehr gut tanzbaren Dark Wave und Minimal, die ihren Synthesizer und Rythmus-Maschine entlockt werden.

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Devin Townsend Project – Ziltoid Live At The Royal Albert Hall – InsideOut/Century Media 2015

Von Matthias Bosenick (15.12.2015)

Die letzten zehn Minuten dieses 2:47-Stunden-Konzertes rechtfertigen den Erwerb. Sie zeigen, dass Metaler, Hippies und Punks einfach die besseren Menschen auf dieser Welt sind. Popstar Devin Townsend holt nicht nur seine gesamte Crew, sondern auch seinen kleinen Sohn auf die Bühne, und alle intonieren „Universal Flame“, strahlen, hüpfen, singen, schwenken Ziltoid-Figuren und haben die beste Zeit ihres Lebens. Da gehen Herzen auf. Und man vergisst, wie sehr die kaffeesüchtige Weltraumfigur Ziltoid vorher zu nerven in der Lage war. Eigens für dieses Konzert in der Royal Albert Hall führte Devin Townsend mit seinem Project das jüngste Album „Dark Matters“ komplett auf und ergänzte es um ein online gewähltes Best-Of-Programm. Wer viele Livealben von Devin hat, braucht dieses nicht wirklich zwingend auch noch, denkt man – aber nur bis kurz vor Ablauf.

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Erasure – Always: The Very Best Of – Mute/BMG 2015

Von Matthias Bosenick (12.12.2015)

30 Jahre Erasure also (und nicht etwa das Weihnachtsgeschäft). 1992 erschien „Pop! The First 20 Hits“, 2003 „Hits! The Very Best Of Erasure“, 2009 „Total Pop! The First 40 Hits“, 2012 „Erasure Essential“ und nun „Always: The Very Best Of Erasure“. Der Fan und Sammler, den es auch 2015 tatsächlich noch gibt, kann nur ächzen: Was soll er damit? Mit der normalen 20-Song-Version erstmal gar nichts, da ist nur ein neuer Mix von „Sometimes“ drauf, der sich nicht sonderlich vom Original unterscheidet. Die Deluxe-Version hingegen bietet zwei Bonus-CDs mit Maxi-Versionen und Remixen, hauptsächlich historisch und selten – und ist damit definitiv ein Kaufanreiz. Bei der Auswahl der Tracks für die Hauptcompilation hingegen offenbaren Erasure selbst, was auch der hartgesottene Fan denkt: Seit 20 Jahren kam von dem Synthie-Pop-Duo kaum noch etwas Nachhaltiges heraus. Trotzdem gibt man gerne ein bisschen Respekt.

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Dead Guitars – Shelter – Sireena Records 2015

Von Matthias Bosenick (30.11.2015)

Das ist eine Überraschung, dieses Album: Sollte man die Band Dead Guitars überhaupt jemals wahrgenommen haben, dann vermutlich eher im Vorbeilesen oder so. Waverocker aus Deutschland, eine noch junge Band zudem, wer braucht das, der seine Sammlung mit The Mission, den Sisters Of Mercy, den Fields Of The Nephilim, The Cure, Killing Joke, Joy Division und weiß der Geier wem noch so alles gut gepflegt und bestückt hat. Denkt man. Und bekommt dann dieses angenehme Stück Musik dargereicht, das mit fast jedem Song positiv überrascht. Einziges Manko: Das Album ist so vielfältig, dass man der Band keine rechte Individualität und Wiedererkennbarkeit attestieren kann. Schlechter macht dies „Shelter“ aber nicht.

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Tritonus – Far In The Sky: Live At Stagge’s Hotel 1977 – Sireena 2015

Von Matthias Bosenick (21.11.2015)

„Far In The Sky“ ist ein passender Titel für diese Ausgrabung. Das Label Sireena veröffentlicht in loser Folge Livemitschnitte aus Stagge’s Hotel in Osterholz-Scharmbeck, einem typischen Landladen, in dem sich in den Siebzigern die damaligen Entsprechungen zur späteren Indieszene trafen. Tritonus, dritter Vertreter in dieser CD-Reihe, war ein Prog-Trio aus Mannheim, das es auf zwei Alben und zwei Singles brachte und aus dem eine erfolgreiche Solokarriere für Keyboarder Peter Seiler hervorging. Entsprechend keyboardlastig ist auch die Musik, die ihre amtlich groovenden Passagen durchsetzt mit Schwurbel, Pathos, diversen Soli sowie vergurkten Mitmachsequenzen. Der Mitschnitt richtet sich wohl eher an alte Verehrer als an eine neue Zielgruppe. Die würde sich allerhöchstens stark wundern, in welche schräge Himmel ihre Großeltern wohl einst abgedriftet waren.

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Blinky Blinky Computerband – Strange Electro Pop – BBCom Music 2015

Von Matthias Bosenick (15.11.2015)

Einmal mehr in, zumindest einigermaßen, eigener Sache: Mit seinem jüngsten Projekt Blinky Blinky Computerband hat Olaf (übrigens Mitbegründer dieses Blogs) jetzt eine Doppel-CD veröffentlicht, und zwar eine aus dem Presswerk, nicht mehr wie sonst aus dem CD-Brenner. Auf diesem episch-opulenten Album ist auch die Stimme des jetzigen Blogbetreibers zu hören, als Ergebnis diverser fruchtbarer und anregender Zusammenarbeiten. Das sind aber nur drei Stücke von sage und schreibe 35, das macht also zweieinhalb Stunden fassettenreichen Electropop. Darunter finden sich ein Querschnitt aus den Blinky-Blinky-Computerband-Veröffentlichungen seit 2012 sowie mit „1378 (25 Years Of Wiedervereinigung)“ ein komplett unveröffentlichter Song. Lohnt sich also auch für diejenigen, die bislang alles haben. Ebenso attraktiv ist die Mitarbeit der vielen musikalischen Gäste. Und natürlich, dass man nicht mehr um den schnellen Verlust des anfälligen Tonträgers zu fürchten hat.

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Paul Roland – Bitter And Twisted – Sireena Records 2015

Von Matthias Bosenick (10.11.2015)

Steampunk ist keine Musikrichtung. Ebenso gut hätte Paul Roland behaupten können, er mache Pop Art; das kommt der Sache sogar deutlich näher. Jedenfalls auf „Bitter And Twisted“, das nichts mehr zu tun hat mit dem glamrockigen „Werewolves Of London“ (damals noch als „Midnight Rags“) oder dem gruftigen „Nosferatu“. Roland legt die Theatralik zwar nicht ganz ab, aber wenigstens die übertriebene Schminke. Das Album klingt, als habe der wohlarrangierte, nun, Singer-Songwriter jede Menge Spaß am Komponieren und Musizieren gehabt. Die Songs sind flott, griffig melodiös und unheavy gerockt. Als einziger Vergleich fällt vielleicht Luke Haines ein, der Roland in Tonfall und Stimme leicht ähnelt. „Bitter And Twisted“ ist ein feines Album; daran ändert auch nicht, dass Roland den Titeln seiner Sachbücher zufolge eine mächtige Klatsche haben muss.

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Killing Joke – Pylon – Spinefarm Records 2015

Von Matthias Bosenick (08.11.2015)

Da sind sie wieder, zum dritten Mal seit der Reunion in Originalbesetzung, zum sechsten Mal insgesamt: Killing Joke empfehlen sich mit „Pylon“ einmal mehr zum Anwärter auf das Album des Jahres. Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass das Album die Wucht hat, die die Vorabsingle „I Am The Virus“ ausstrahlt. Hat es aber nicht, „Pylon“ klingt vergleichsweise handzahm, fast milde. Der heavy Post Punk strahlt hier zwar subliminal durch, doch konzentriert sich die Band eher auf Atmosphären und Stimmungen, die auf der Heavyness basieren. So bleibt nach den anderthalb Stunden der Deluxe-Version zwar nicht so viel hängen, aber man hat immerhin das Gefühl, etwas Gutes gehört zu haben. Für den Titel „Album des Jahres“ aber legt das selbstbetitelte Debüt der Brothers Of The Sonic Cloth einige Pfund mehr auf die Waage.

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!!! – As If – Warp/Rough Trade 2015

Von Matthias Bosenick (21.10.2015)

Diese Entwicklung war fast abzusehen: !!! wandeln sich von der experimentellen handgespielten Progressiv-Tanzkapelle zum – Danceact. Das Elektronische zog bereits vor elf Jahren auf dem zweiten Album „Louden Up Now“ pointiert in den Sound ein und eroberte sich bis zum nunmehr sechsten Album „As If“ fast den gesamten Raum. Sicherlich agieren die New Yorker immer noch auf recht hohem Niveau, verzichten aber in voller Laufzeit des Albums auf viele ihrer Alleinstellungsmerkmale. Was sehr bedauerlich ist.

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The Perc Meets The Hidden Gentleman – The Fruits Of Sin & Labor (Rerelease) – Sireena/Broken Silence 2015

Von Matthias Bosenick (17.10.2015)

Ein Vierteljahrhundert später stellt sich beim Neu-Hören die Frage, ob es sich bei dem Album um Kult oder Trash handelt. Schwer zu sagen, im Idealfalle wertet man es als einen experimentellen Mix aus beidem, und selbst ohne Wohlwollen als einen gelungenen. Das Duo The Perc Meets The Hidden Gentleman war 1990 noch auf dem Sprung zu sowohl größerer Breitenwirkung als auch versierterer Musikalität. Diese überlange Mini-LP (mehr als 48 Minuten) in Mini-Auflage (seinerzeit nur 2000 Stück) bietet einen Stilmix von Folk über Dance, Kammermusik, Hörspiel, Wave, Minimal-Synth bis hin zum Industrial-Stampfer. In dieses sperrige historische Dokument muss man sich im Jahre 2015 erst wieder hineinhören. Um dann festzustellen, dass es heute selbst als Neuveröffentlichung erhebliche Relevanz hätte – weil es mutiger ist als die zeitgenössischen Produkte. Das latent dilettantisch Schräge darin jedoch muss man entweder ausblenden oder respektieren. Auf jeden Fall stellt das Album einen umfangreichen Einblick in die deutsche Indielandschaft vor 25 Jahren dar.

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