Dirtmusic – Bu Bir Ruya – Glitterbeat 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2018)

Missmutig schieben Dirtmusic ihren hypnotischen Blues von der Wüste in den Orient. Obgleich das eigens zum Trio aufgestockte Rest-Duo aus Chris Eckman und Hugo Race dieses Mal mit Murat Ertel einen türkischen Psychedeliker an Bord hat, klingt die Musik bei aller Uferlosigkeit (und Großartigkeit!) nicht eben nach Lebensfreude. Kein Wunder angesichts der Themen: Es geht um die Festung Europa und das Verhalten des Westens gegenüber Flüchtlingen. Ungeachtet der musikalischen Qualität: Spaß macht „Bu Bir Ruya“ nicht gerade. Und das soll es ja auch nicht.

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Machine Head – Catharsis – Nuclear Blast 2018

Von Matthias Bosenick (05.02.2018)

Was zum Henker…? Auf ihrem neunten Album greifen Machine Head auf die musikalisch schlimmste Zeit ihrer Existenz zurück: die gutverkäufliche, aber kreativ minderwertige NuMetal-Phase zum Jahrtausendwechsel. Statt dem geradlinigen Thrash der ersten beiden und dem progressiven Thrash der zurückliegenden vier Alben gibt’s jetzt wieder gitarrenlastige Popsongs zum Mithüpfen. Und Singalong-Punkrock. Und Powerballaden. Damit keiner sagen kann, es gäbe nichts Neues im Universum der Kalifornier. Wenn das „Catharsis“ ist, hätte man da gern drauf verzichtet. Gut ist immerhin die limitierte Live-DVD als Bonus: Die zeigt, wofür man die Band liebt.

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Cavalera Conspiracy – Psychosis – Napalm Records 2017

Von Matthias Bosenick (31.01.2018)

Sieht so aus, klingt aber nicht so: Vom Tribal-Metal der alten „Roots”-Zeiten mit Sepultura, an denen beide Cavalera-Brüder Max und Igor vor 21 Jahren so erfolgreich beteiligt waren, ist auf dem vierten gemeinsamen Album der Conspiracy nichts zu hören. Aber auch vom eingängigen Thrash nicht: Sperrig ist wohl das Wort, das „Psychosis“ noch am besten trifft; Eingängigkeit stand auf der Agenda nicht so weit oben wie Brutalität. Dennoch klingt das Ergebnis nicht wie ein dumpfer Schlag ins Gesicht, sondern trifft eher den Bereich dahinter.

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Daniel .B. Prothèse – CHZwaar​+​zMe​+​aal/Daniel .B. Prothèse vs Edwin Vanvinckenroye – 99.9 – Alfa Matrix 2017

Von Matthias Bosenick (29.01.2018)

Faulheit ist das Letzte, das man Daniel Bressanutti unterstellen kann. Noch kurz vor Jahreswechsel legte er unter seinem Projektnamen Prothèse zwei Veröffentlichungen vor (und mit Nothing But Noise auch noch zwei bis fünf); die Unterschiede machen sich in den Kollaborationen zwar deutlich bemerkbar, Bressanuttis Handschrift indes dringt überall durch. Ist das Solo-Album „CHZwaar​+​zMe​+​aal“ noch typisch von Bressanuttis rhythmischer Eiseskälte geprägt, dringt aus „99.9“ die Wärme von Edwin Vanvinckenroyes Geige. Das ist damit auch das spannendere der beiden neuen Prothèse-Werke.

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The Mission – Bending The Arc – Live Here Now/Eyes Wide Shut Recordings 2017

Von Matthias Bosenick (25.01.2018)

Für ein kleines, ausgewähltes Publikum, das auf dem Cover sogar komplett namentlich aufgelistet ist, spielten The Mission in Quartettbesetzung live im Studio eine Best-Of aus ihrem dreißigjährigen Bestehen ein. Schon wieder Best-Of und Live von der bereits zweimal aufgelösten und wiedervereinigten Goth-Rock-Band? Ja, doch in einem anderen Sound: trocken, knackig, reduziert, nach vorn gehend und voller Spielfreude. Kann man sich zulegen, wenn man Lust auf Varianten dessen hat, was man an The Mission so mag. Davon gibt’s ja genug.

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Collapse Under The Empire – The Fallen Ones – Moment Of Collapse/Finaltunes 2017

Von Matthias Bosenick (17.01.2018)

So ganz der riesengroße Wurf wie erhofft ist „The Fallen Ones“ nicht, da waren die Erwartungen vielleicht zu enorm. Doch das ist Jammern über den Kronen: Das Album spielt mit großen Gesten und Gefühlen, was mitreißt, sofern man sich darauf einlassen kann; der instrumentale Post-Rock, für den das Duo aus Hamburg eigentlich steht, ist hier noch eine Spur elektronischer ausgefallen als zuvor. Es gibt also eine Entwicklung auf musikalischer Ebene, auf Emotionaler ist alles wie gehabt. Diese leicht manipulative Stimmung ist nichts für alle Tage, für ausgewählte aber ist es schön.

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Dan Scary – Dunkelpunk aus Unterwelt – Dan Scary 2017

Von Matthias Bosenick (03.01.2018)

Als sein Debüt gilt Dan Scarys „Dunkelpunk aus Unterwelt“, nach drei „Als ich aufhörte zu schweigen“-CDrs und einigen EPs als Downloads. Auf den größtenteils neuen elf Stücken verfeinert der Wolfsburger Sologruftpunk seinen eingeschlagenen Stil: Von dunklen Goth-Synth-Bands beeinflusster Gesellschaftskritikpunk mit linker Haltung. Musikalisch also aus der Zeit gefallen, inhaltlich indes äußerst nah am Geschehen. Und: Keine Fröhlichkeit bedeutet nicht, dass hier das Gejammer dominiert; mitnichten, es geht zur Sache, aber mit geballter Faust und Wut nicht nur im Bauch. Und Ohrwürmern.

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a-ha – MTV Unplugged: Summer Solstice – We Love Music/Universal 2017

Von Matthias Bosenick (21.12.2017)

Nach der zweiten Reunion würdigt die alte Dame MTV, die ihren Status als Musikfernsehsender zurzeit zurückerobern will, Norwegens größte Popband a-ha mit einem Auftritt in der Markenreihe Unplugged. Fast zwei Stunden lang spielt sich das Trio mit Anhang durch 33 Jahre Existenz seit „Take On Me“, inklusive exklusiver neuer Songs. Morten Harkets Stimme sitzt bis in höchste Höhen, der unscheinbare Hauptsongschreiber Pål Waaktaar-Savoy klimpert unscheinbar auf der Akustischen und der Sidekick Magne Furuholmen gibt den Konferencier. Die Musik erhält akustisch bisweilen eine unerwartete Portion Würde, jedoch können die drei Streicherinnen nicht die opulenten Flächen mancher Originale rekonstruieren. Gediegene Interpretationen des qualitativ zwar wechselvollen, zumeist aber großartigen Oeuvres.

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The Perc Meets The Hidden Gentleman & The Lavender Orchestra – Praha – Tribal Stomp/Shack Media 2018

Von Matthias Bosenick (17.12.2017)

Der ansonsten den angenehm in Schieflage geratenen Indierock mit Wavewurzeln bevorzugende Perc mit seinem Hidden Gentleman untermauert den Ruf seiner Vielseitigkeit mit dieser Live-CD: Mitgeschnitten bereits vor 25 Jahren, dringt hier die Vorliebe der beiden Hauptmusiker für progressiven und krautigen Rock deutlich durch. Auf seinem eigenen Label bringt Perc Tom Redecker dieses ursprüngliche Bootleg jetzt mit einem Song mehr und digital überarbeitet neu unter die Leute. Zu Recht!

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U2 – Songs Of Experience – Island 2017

Von Matthias Bosenick (15.12.2017)

Das Radio ist das offenkundige Ziel, das U2 mit „Songs Of Experience“ anstreben, wie schon mit dem Vorgänger „Songs Of Innocence“ und seinerzeit mit dem inzwischen beinahe volljährigen „All That You Can‘t Leave Behind“. An sich haben es die Rock‘n‘Roll-Multimillionäre nicht nötig, sich musikalisch anzubiedern, weil längst mehr als ausgebbar Schäfchen im Trockenen (und moralisch Verwerflichen). Die Nummer Sicher steht ihnen einfach nicht, der Eigensinn fehlt hier nahezu vollkommen. Keine Linie auf dem Horizont.

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