Front Line Assembly – Warmech – Artoffact 2018

Von Matthias Bosenick (24.08.2018)

Die Fortsetzung eines Computerspielsoundtracks stellt das neue Album der kanadischen EBM-Mitgestalter Front Line Assembly dar. Einerseits offenbart „Warmech“ den weiten musikalischen Horizont der Kapelle um Bill Leeb, andererseits variiert es lediglich die Sounds des Vorgängers „Airmech“ und überrascht damit dann doch etwas zu wenig. Ganz nett, chillig, breakbeatig, latent experimentell, aber frei von Lärm, Krach und Noises, die den Gamer beim Zocken stören könnten. Angenehm als Untermalung einer abendlichen Freizeitlektüre, kurz vor dem Schlafengehen; anders als beim Vorgänger sperren sich die Tracks aber trotz aller offenkundiger Qualität etwas dagegen, markant im Ohr zu bleiben.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Earthly Powers – Constrictor/Cargo 2018

Von Matthias Bosenick (16.08.2018)

Da kann man nur sauer werden: Der Dortmunder Indie-Papst hält marktschreierisch den grundsätzlichen Wert des Produktes hoch und bettelt beinahe darum, seine Musik doch bitteschön zu kaufen, und dann verarscht er diejenigen, die dies auch wollen, mit unterschiedlichen Deluxe-Versionen, die zudem noch jeweils überteuert sind. Das ist nicht indie, das ist Abzocke. Nichts gegen die Songs, die sind okay, schöne Melodien, freundlich bis mitreißend instrumentiert, etwas chilliger als gewohnt. Aber mit der Veröffentlichungspolitik untergräbt Boa seine Kredibilität.

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Fischessen – Der tote Winkel – BluNoise 2018

Von Matthias Bosenick (14.08.2018)

In jeder Hinsicht relevant ist dieses Album: Das Projekt Fischessen widmet sich dem Leben und Wirken von Guido Lucas, einem der einflussreichsten Menschen der deutschen Indierock- und Noise-Szene, der im vergangenen Jahr verstarb. Lucas war nicht nur Labelbetreiber von BluNoise aus Troisdorf, sondern selbst Musiker, und viele seiner ehemaligen Band- und Labelmates versammeln sich, um auf „Der tote Winkel“ in seinem Namen die Brücke zwischen Noiserock und Free Jazz zu zementieren. Eine Vorliebe für Lärm erleichtert den Zugang zu diesem großartigen Album.

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Lederman/de Meyer – Eleven Grinding Songs – Alfa Matrix 2018

Von Matthias Bosenick (31.07.2018)

Es liest sich spannender, als es letztlich ist, muss man bei aller Verehrung feststellen: Jean-Luc de Meyer, Charakterstimme von Front 242, und Jean-Marc Lederman, Soundsynthet von Bands wie The Weathermen, tun sich musikalisch zusammen, sie kombinieren ein Best-Of EBM aus Belgien sozusagen. Doch auch wenn Lederman einige hübsche Melodien und Geräusche einfallen und de Meyer vertraut eindringlich dazu dräut, erscheinen manche Beiträge verwirrend amateurhaft. Und das von solchen Experten. Eigenartig.

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The Pachinko Fake – Flakes: A Collection Of Fine Songs – Sireena/Broken Silence 2018

Von Matthias Bosenick (19.07.2018)

Kleiner Dienst unter Freunden: „The Perc” Tom Redecker veröffentlicht auf seinem Label Sireena eine Best-Of der Band The Pachinko Fake seines Buddies Rolf Kirschbaum. Bis auf den kleinen Indie-Hit „Push Me Before I Fall” ging die Existenz dieser minimalistischen alternativen Rockband mit Waveeinschlag an der großen Aufmerksamkeit vorbei. Kein Wunder: Eingängig oder gefällig ist die Musik der Band nie, also tatsächlich indie. Und wert, entdeckt zu werden, was indes einigen Aufwand erfordert, denn der Zugang ist entsprechend unleicht.

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Spezial: Addicted Label aus Moskau

     

Von Matthias Bosenick (09.07.2018)

Was für ein Oeuvre! Ein Label für Psychedelic Rock, Stoner, Prog, Doom, Sludge, Ambient, Electronic, Musique Concrète, Jazz Punk, Hard Rock und mehr rief Anton Kitaev aus Moskau 2011 ins Leben. Damit die Musik mehr Gewicht bekommt als sein Verlag, gab er diesem keinen Namen, bezeichnet ihn höchstens als „Addicted Label“, denn irgendwie muss er damit ja in Erscheinung treten. So unterschiedlich die Musikrichtungen seines Katalogs auch sein mögen, eines eint sie und ist quasi Grundvoraussetzung dafür, von ihm aufgenommen zu werden: Unkommerziell muss es sein. Eine Auswahl.

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Daniel. B. Prothese – HöllEKtroKraut/HellEctroKraut – db2fluctuation 2018

Von Matthias Bosenick (27.06.2018)

Was für ein Typ, dieser Daniel Bressanutti! Produktiv ohne Ende, man kann kaum erfassen, was sein jüngstes Werk ist, da gibt’s schon wieder zwei neue. Was allein in diesem halben Jahr schon herauskam: Nach der „Existance Oscillation (Possible) Future“-CD und der „Mutantenmaschine“-Kassette seines Projektes Nothing But Noise mit Dirk Bergen, der „CHZWaaR+ZMe+aaL”-Doppel-CD, dem „99.9“-Album mit Edwin Vanvinckenroye und der „DB+Tronics“-Kassette ist „HöllEKtroKraut/HellEctroKraut“ Bressanuttis 2018er-Version von Krautrock à la Can, Neu!, Cluster, Faust, Kraftwerk, Amon Düül II, Harmonia, Tangerine Dream, La Düsseldorf. Er hat gut zugehört damals, das ist unbestritten, und die schiere Kopie wäre langweilig, wenn er nicht seine Expertisen aus EBM-Zeiten mit Front 242 einfließen ließe. Gelungene Doppel-CD.

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Penner Badulzke – Punk der Woche – Penner Badulzke 2018

Von Matthias Bosenick (19.06.2018)

Im völlig durchkapitalisierten Sub- und Kulturbetrieb noch authentisch sein zu wollen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Das Wolfsburger Punk-Trio Penner Badulzke nimmt diesen Kampf auf und die damit einhergehenden Paradoxa in Kauf. Nachzuhören auf dem im Eigenvertrieb veröffentlichten Debütalbum „Punk der Woche“, das ein Manifest des Scheiterns ist: unkommerziell schlecht und damit authentisch gespielt sowie ein als Anti-Kommerzpunk verkauftes Kommerzprodukt. So klingt es, wenn sich August Ferdinand Möbius im Grabe umdreht.

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Witthüser & Westrupp – Der Jesuspilz – Live! – Sireena 2018

Von Matthias Bosenick (13.06.2018)

Man muss wohl dabeigewesen sein oder noch heute gern Pilze essen, um das Werk von Bernd Witthüser und Walter Westrupp uneingeschränkt feiern zu können. Hervorgegangen aus der Essener Folkloreszene, schoben die Liedermacher ihre Lieder bald ins Psychedelische, musikalisch wie inhaltlich. Die Umdeutung der Bibel zum Brösel als göttlichem Funken war eine beinahe logische Konsequenz, der Erfolg dafür umso überraschender. Die Generalprobe zur Uraufführung dieses Evangeliums aus dem Jahr 1971 legt Sireena nun als Live-CD vor. Heute wundert man sich über diese Mischung aus Krautrock und Klimbim.

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Meat Beat Manifesto – Impossible Star – Flexidisc 2017/2018

Von Matthias Bosenick (11.06.2018)

Kaum zwei Alben im gleichen Sound, und doch immer am Sound wiedererkennbar: Das nicht mehr ganz so junge neue Album „Impossible Star“ zeigt Meat Beat Manifesto von einer rein elektronischen, beinahe klinischen Seite, inklusive der typischen zwischengestreuten Geräusche, mit denen Jack Dangers seine Arbeiten so gern anreichert. Man fühlt sich also in „Impossible Star“ sofort zu Hause, vermisst aber die guten analogen Instrumente und die wuchtigen Beats der jüngeren Zeiten. Egal, über 30 Jahre aktiv und immer noch relevant, einflussreich und unkopiert.

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