Neneh Cherry – Broken Politics – Smalltown Supersound 2018

Von Matthias Bosenick (01.11.2018)

Musikalisch ruhiger als der Vorgänger „Blank Project“, teilt das neue Album „Broken Politics“ mit jenem die Initialen und den Produzenten, nämlich Kieran Hebden alias Four Tet. Mit ihm will Neneh Cherry eigentlich den Sound aus Bristol von vor 20 Jahren fortsetzen, ihren eigenen zu Zeiten ihres Albums „Man“ mithin, und holt sich dafür sogar 3D von Massive Attack an Bord, aber zum Glück gelingt ihr das nicht, sondern etwas Anderes, Eigenes: Ein Protestalbum gegen die Zustände dieser Zeit mit einem ruhigen, minimalistischen, nicht wirklich trippigen, aber schönen Dutzend Songs, die nur selten die akustische Keule auspacken, dafür aber beständig die inhaltliche.

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Schneider Collaborations – Vier Alben – Jörg A. Schneider 2018

Von Matthias Bosenick (22.10.2018)

Das ist mindestens ambitioniert, garantiert begeisternd und erzeugt nach erstem überraschtem Auflachen über die Menge an Musik ein nachhaltiges Staunen: Schlagzeuger Jörg Alexander Schneider aus Hückelhoven veröffentlicht in diesem Jahr so viel Musik wie schon lang nicht mehr – und unter dem Schlagwort Schneider Collaborations gleich vier LPs auf einen Schlag. Sein freies, dem Free Jazz angelehntes wild wirbelndes Schlagzeugspiel dient den beteiligten Musikern als Grundlage für ihre eigenen Experimente, und je weiter man sich vorarbeitet, desto tiefer taucht man sowohl in die Geschichte als auch in die mögliche Zukunft des mit dem Noiserock kombinierten Jazz ab. Unfassbar.

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Project Pitchfork – Fragment – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (19.10.2018)

Je weiter sich Peter Spilles von seinen Fähigkeiten als Komponist entfernt, desto größer wird sein Output – keine glückliche Entwicklung für Project Pitchfork. Viel hilft eben nicht viel, da wäre eine Pause angeraten, doch ist dies mit Ansage derzeit nicht in Aussicht, denn die Band befindet sich inmitten einer Albumtriologieveröffentlichung. Das aktuelle „Fragment“ setzt das neue Triptychon kaum ein Jahr nach „Akkretion“ fort und impliziert die baldige Fortsetzung. Die man nicht braucht, wenn die Pitchies die Tendenz beibehalten, von Album zu Album schlechter und beliebiger zu werden. „Fragment“ ist Düsterschlager mit Schunkelgarantie.

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Devin Townsend Project – Ocean Machine: Live At The Ancient Roman Theatre Plovdiv – HDR 2018

Von Matthias Bosenick (17.10.2018)

Warum nimmt man einen Keyboarder mit, wenn man sich ein Orchester und einen Chor in den Rücken stellt? Vielleicht, weil Devin Townsend selbst die Idee zu einem revolutionären Mix von Metal und Klassik am Ende doch nicht mehr so revolutionär fand – oder weil er sich im Komponieren brandneuer Partituren verhoben hat und die klassisch geschulten Musiker lieber im Hintergrund fiedeln lässt, damit das nicht so auffällt. So guckt man sich die vierte besondere Live-Veröffentlichung von Dev in Folge eben in Ruhe an und, zuckt mit den Schultern und versucht, sich die Perlen in den beiden Setteilen zu merken, die aus Fanwünschen und der Komplettaufführung des höchstguten Debüts „Ocean Machine“, jenes ohne Klassik, bestehen.

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Cowboy Junkies – All That Reckoning – Latent/Proper Records 2018

Von Matthias Bosenick (15.10.2018)

So vielfältig kann es ausfallen, wenn eine Band immer das Gleiche macht: Das Stilspektrum muss nur weit genug gefächert sein, dann ist auch ein neues Album, das sich beim bisherigen Oeuvre bedient, trotzdem reichhaltig. Für die Cowboy Junkies bedeutet dies: Folklore und Alternative Country, Walzer, Indierock, dargereicht sowohl in fragiler Schönheit als auch in dronigen, schweren Rocksongs. Da kann einem noch so viel bekannt vorkommen, das neue Album ist so abwechslungsreich, dass man es dennoch mit Freude genießt.

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Speaker Bite Me – Future Plans – Pony Rec. 2018

Von Matthias Bosenick (11.10.2018)

Zukunftspläne schmieden Speaker Bite Me auf ihrem ersten Album seit elf Jahren und blicken musikalisch doch recht häufig zurück: Die Ursprünge der dänischen Band liegen im noisigen Indie-Rock der Neunziger, der noch avantgardistisch war, bis ihn MTV und Majorlabels kommerzialisierten. Thematisch orientiert sich der Blick nach vorn indes an der Gegenwart, am weltpolitischen Geschehen nämlich, aus dem Speaker Bite Me eben „Future Plans“ ableiten. Dieses könnte, das schon mal vorab, zu den besten Alben des Jahres gehören.

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Autechre – NTS Sessions 1-4 – Warp 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

So geht das auch: Einfach mal acht Stunden Musik auf einen Schlag als ein Album herausbringen. Kann man machen, wenn man Autechre ist und böse Kritiker ohnehin behaupten, deren als IDM klassifizierte elektronische Fiepsmusik sei willkürlich und simpel. Ist sie natürlich nicht. Die Musik entstand an vier Abenden live im Internetradio und kommt nun nach dem Download auch auf acht CDs oder zwölf LPs heraus. Trotz aller Verschachtelungen überwiegt hier das Entspannende, was es nicht weniger spannend macht. Es als geschlossenes Album aufzufassen, fällt schwer, als Dokument ist es überwältigend und musikalisch so grandios, wie Autechre eben sind.

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Spiritualized – And Nothing Hurt – Bella Union 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

Ganz allein kriegt er’s auch hin: Aus Kostengründen ist das neue Album von Spiritualized mehr oder weniger ein Soloprojekt von Bandchef Jason Pierce. Weil er mal wieder Bock hatte, seine eigene Musik in Albumform zu bringen, macht er genau das, ein Album voll mit genau der Musik, die man unter Spiritualized erwartet – mit keiner Abweichung, keiner Neuerung, keinem Experiment. Was für ein experimentelles Projekt schon beinahe gewagt ist. „And Nothing Hurt“ ist in sich gut, Drogengospelspacerock auf hohem Niveau, aber komplett frei von Innovation. Aber das Cover ist schön!.

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Einstürzende Neubauten – Grundstück – Potomak/Indigo 2005/2018

Von Matthias Bosenick (03.09.2018)

Was soll man als Supporter davon halten? Mit einer Menge Geld, die weit über dem liegt, was man ansonsten für ein Album auszugeben bereit gewesen wäre, unterstützte man in den Nullerjahren die Einstürzenden Neubauten vorab darin, neue Alben zu produzieren. Der Erlös bestand daraus, Besitzer eines exklusiven Tonträgers zu sein. Diese Exklusivität beenden die Neubauten nun, indem sie das zweite Supporter-Album „Grundstück“ für den Handel neu veröffentlichen. Inklusive einer Bonus-DVD mit Material, das auch der Supporter noch nicht hat, ihn mithin zum erneuten Erwerb zwingt. Da vergisst man grollend, wie gut das Album eigentlich ist.

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Jimi Tenor – Order Of Nothingness – Philophon 2018

Von Matthias Bosenick (31.08.2018)

Noch so einer, der vom Plattenveröffentlichen nicht genug bekommen kann: Mit „Order Of Nothingness“ bildet Jimi Tenor das weite Spektrum seines künstlerischen Schaffens auf eine gute halbe Stunde komprimiert ab. Man hört also elektrischen Jazz und Afrobeat sowie alles, was sich dazwischen und miteinander kombinieren lässt. Einzig Housebeats wie bei seinem überraschenden Love-Parade-Hit „Take Me Baby“ kehren nicht in seinen Sound zurück. Müssen sie ja auch nicht, dafür ist der Finne viel zu freigeistig.

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