Ritual Tension – It’s Just The Apocalypse, It’s Not The End – Ritual Tension 2020

Von Matthias Bosenick (19.03.2020)

Beinahe aus heiterem Himmel tut sich das experimentelle New Yorker No-Wave-Trio Ritual Tension wieder zusammen, um ein neues Statement zu Zeit und Welt abzugeben: „It’s Just The Apocalypse, It’s Not The End“ lautet der Titel des ersten Albums seit den Achtzigern. Und es klingt, als wären weder Zeit noch Welt vergangen: schmutziger Fuzzrock, weitgehend unmelodischer Gesang, mitreißende Energie, unpoppige Strukturen bei gleichzeitiger Eingängigkeit der Songs – ein fettes Ding!

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Sepultura – Quadra – Nuclear Blast 2020

Von Matthias Bosenick (18.03.2020)

Album Nummer 15 in 36 Jahren: Sepultura pfeifen auf ihre Historie und die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und thrashen sich munter übelgelaunt durch ein numerologisches Konzept. „Quadra“ ist ein gewaltiges, abwechslungsreiches Metal-Brett, dem sogar ein eingestreutes Krönchen aus Orchesteropulenz sehr gut steht. Es wirkt, als hätten die Brasilianer einiges an Altlasten abgeschüttelt und bolzten nunmehr befreit und beflügelt herum. Tut gut!

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Jambattista – Seeking The Seeker – Jambattista 2020

Von Matthias Bosenick (16.03.2020)

„Die Todten reiten schnell“, behauptet der instrumentale Opener, und lügt: Der rockbasierte Stilmix des Moskauer Duos Jambattista reicht zwar von Psychedelic über Stoner bis Doom, doch so richtig Tempo machen die Oleg und Vitaly nicht, klingen dafür aber recht lebendig. Schnell sein müssen sie auch nicht, um ein fantastisches Rockenrollalbum einzuspielen: „Seeking The Seeker“ macht für die Genreverankerungen überraschend gute Laune und klingt beileibe nicht nach nur zwei Leuten. Gelungenes Albumdebüt!

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Schneider Collaborations – (Z)erpent/Corder – Jörg A. Schneider 2020

Von Matthias Bosenick (13.03.2020)

Nach dem Viererschlag 2018 veröffentlicht Schlagzeuger Jörg A. Schneider nun zunächst zwei neue Alben seiner Reihe Schneider Collaborations gleichzeitig auf Vinyl: eines mit dem Gitarristen (Z)erpent aus Taipeh und eines mit dem Gitarre- und Elektro-Experimentatoren Nathan Corder aus Oakland. Beide Zusammenarbeiten wurden auf verschiedenen Kontinenten getrennt aufgenommen – und beide drücken das Gefühl der Freiheit aus, die die Beteiligten sich damit erfüllen, dass sie sich im Grunde an keinerlei musikalisches Regulatorium halten. Schwere Kost, keine Hintergrundbeschallung, aber zutiefst beeindruckend.

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Spezial: addicted/Noname Label aus Moskau, Teil 4

Von Matthias Bosenick (11.03.2020)

Einen vierten Schwung CDs brachte das Label addicted/Noname auf den langen Weg von Moskau nach Braunschweig, gefüllt mit einer feinen ergänzenden Auswahl aus dem eigenen Repertoire. Mit dabei sind dieses Mal: IWKC alias I Will Kill Chita, Disen Gage, The Grand Astoria sowie auf der Doppel-CD zum Psych-Fest vor einigen Jahren zwei Dutzend weiterer höchst beeindruckender Bands. Wer es nicht physisch erwerben möchte, hat auf der Bandcamp-Seite des Labels beste Gelegenheit zum Download.

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Pet Shop Boys – Hotspot – X2/Sony 2020

Von Matthias Bosenick (09.03.2020)

Schon längst keine Boys mehr, aber immer noch taufrisch: Auf dem 14. Studioalbum „Hotspot“ finden sich sicherlich keine Radiohits mehr, wie sie die Pet Shop Boys von Mitte der Achtziger bis Mitte der Neunziger weltweit aus dem Ärmel schüttelten, aber das Album ist gleichzeitig auf der Höhe der Zeit (okay, die Gegenwart hat strenggenommen keine musikalische Höhe) und ganz nah am eigenen Post-Achtziger-Synthiepopsound des Duos. Es reiht sich nahtlos ein in den formidablen Soundtrack, den die Pets Shop Boys für so manches Leben stellen. Sie waren schon mal kreativer, sind aber so sehr bei sich, dass man das Album trotzdem gern hört. Clubtunes, Balladen, Popsongs, dazu Siebziger-Disco und der Hochzeitsmarsch: „Hotspot“ bewegt sich in einem vertrauten Rahmen, wenn auch nicht in die Lieblingslisten des Duos. Und keine andere Synthiepopband der Erde war und ist jemals so ernsthaft bei der Sache und gerade deshalb so humorvoll.

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Jaz Coleman – Magna Invocatio – Spinefarm Records 2019

Von Matthias Bosenick (03.03.2020)

Jetzt bringt Killing-Joke-Sänger Jaz Coleman eben das gescheiterte Pledge-Projekt unter seinem eigenen Namen heraus. Nicht wild, das Ergebnis zählt: In Sachen Komposition ist der alte Knallkopp sowieso bestens bewandert, als Indierocker ebenso wie in der Klassik, und auf diesem Doppel-Album kombiniert er eben beides, indem er aus bereits existierenden Killing-Joke-Songs fabelhafte Klassikpartituren zaubert. Den mystischen Überbau kann man gepflegt ignorieren, die hohe Qualität dieser Musik nicht: Das ist nicht einfach nachgedudelt, in dieser „Gnostische Messe für Chor und Orchester“ steckt sowas von Musike drin.

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Machyyre – Wunschbrunnen – Wolfsrudel/Puppengott 2020

Von Matthias Bosenick (25.02.2020)

Was’n Paket! Jonas Kolb aus Schöningen bringt sein neues Album „Wunschbrunnen“ unter dem dem schwer aussprechbaren Alias Machyyre nicht einfach als CD heraus, sondern in ein dickes Buch mit Stickern, Extra-Booklet (seinem „Puppetier“-Comic), Mini-Buch und sonstigen Goodies eingebettet. Musikalisch lässt er sich noch am ehesten in der Neuen Deutschen Todeskunst verorten, und wenn man das weiß und sich dann aber vom ersten Track gleich in bester Black-Metal-Manier anbrüllen lässt, ist man umgehend geplättet. Dunkle Poesie mit minimalistischer Musik und vielen Überraschungen, nicht nur optischen. Verstörend gut.

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Törzs – Tükör – Golden Antenna Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.02.2020)

Eine ungarische Band nimmt ein Post-Rock-Album des Halls wegen in einer Tropfsteinhöhle auf: Die Rahmenbedingungen sind spektakulär, die Musik auf „Tükör“ greift in höchste Höhen, jubiliert, tiriliert, alles auf bestem Niveau – und verpasst die einmalige Chance, dabei dem Genre etwas Eigenes hinzuzufügen. Keine Frage, „Tükör“ ist ein tolles Album und Törzs aus Budapest eine tolle Band, aber man hat auch so grandiose Musik wie diese bereits hinreichend vernommen.

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The Sandmen – Himmelstormer – 500% Records 2019

Von Matthias Bosenick (11.02.2020)

Helden der Hymne! Auf „Himmelstormer“ greifen The Sandmen zurück in die Vergangenheit, aber nicht in ihre eigene: Die Rockband aus Dänemark integriert Sounds und Strukturen aus den Achtzigern in ihre Songs, die sie selbst zu der Zeit gar nicht verwendeten. Nicht nur damit emanzipieren sie sich von ihrer eigenen Historie: „Himmelstormer“ ist das zweite Album auf Dänisch und das erste auf ihrem eigenen Label 500% Records, benannt indes nach einem Song auf ihrem Album „Western Blood“ von 1988. „Himmelstormer“ ist wie ein attraktives Radioprogramm: unterschiedliche Stile, mal rockend, mal tanzbar, mal balladesk, und immer mit Ideen im Sound, die andere an der Stelle nicht gesetzt hätten. Gelungen!

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