Simple Minds – Walk Between Worlds – BMG/Warner 2018

Von Matthias Bosenick (27.03.2018)

Die Simple Minds radiopoprocken sich im Selbstzitat durch ihren eigenen früheren Sound, allerdings nicht den der experimentellen Frühachtziger-Wave-Sachen, sondern ab kurz danach bis kurz zuletzt. Heißt: Gemütliche Synthies und nette Gitarren begleiten im Tanzrhythmus beliebige Melodien, mit denen sie den Hörer einlullen und zufrieden machen. Eigentlich ist „Walk Between Worlds“ nicht besonders herausragend, aber man behält es nach jedem Durchgang positiv gestimmt und als recht gelungen im Kopfe. Das hat ja auch eine Qualität.

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Gusgus – Lies Are More Flexible – No Paper Records 2018

Von Matthias Bosenick (15.03.2018)

Das jüngste Album des isländischen Deep-House-Soul-Projekts Gusgus bedeutet erstmals seit elf Jahren beständiger Horizonterweiterung einen Stillstand. „Lies Are More Flexible“ verwaltet das herausragende musikalische Schaffen, ohne ihm Neues hinzuzufügen. Im Vergleich zur bisherigen Entwicklung wirkt dieses Album daher beinahe wie ein Schrumpfen und birgt den Ansatz von Enttäuschung. Aber bei der Qualität, die man dennoch vorgesetzt bekommt, ist die nicht angebracht. Chillig clubben geht trotzdem, zu Hause genießen auch und dabei Auto fahren sowieso.

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Project Pitchfork – Akkretion – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (27.02.2018)

Album Nummer… so ca. 18, oder? Ohne Livealben, Minialben und Compilations. Und dann auch noch als Auftakt einer Trilogie. Da hat sich der Peter Spilles aber ordentlich etwas vorgenommen! So richtig Vorfreude auf die nächsten beiden Teile macht „Akkretion“ indes nicht, setzt aber die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre fort: Bestandsschutz mit der Tendenz zum Schlager. Und das war mal eine Electro-Gothic-Band, die sich von Helden wie Skinny Puppy beeinflussen ließ (damals hießen sie noch recht eindeutig Demoniac Puppets) und mit ihrem spröden Sound und einer immanenten Dunkelheit Energien zwischen Beklemmung und Aggression transportierte, bei dezidiert mitgelieferten schönen Melodien. Diese Kunst lässt Spilles leider fahren und konzentriert sich auf die Leute, die von Graf Unheilig sitzen gelassen werden und neues Futter suchen.

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Dirtmusic – Bu Bir Ruya – Glitterbeat 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2018)

Missmutig schieben Dirtmusic ihren hypnotischen Blues von der Wüste in den Orient. Obgleich das eigens zum Trio aufgestockte Rest-Duo aus Chris Eckman und Hugo Race dieses Mal mit Murat Ertel einen türkischen Psychedeliker an Bord hat, klingt die Musik bei aller Uferlosigkeit (und Großartigkeit!) nicht eben nach Lebensfreude. Kein Wunder angesichts der Themen: Es geht um die Festung Europa und das Verhalten des Westens gegenüber Flüchtlingen. Ungeachtet der musikalischen Qualität: Spaß macht „Bu Bir Ruya“ nicht gerade. Und das soll es ja auch nicht.

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Machine Head – Catharsis – Nuclear Blast 2018

Von Matthias Bosenick (05.02.2018)

Was zum Henker…? Auf ihrem neunten Album greifen Machine Head auf die musikalisch schlimmste Zeit ihrer Existenz zurück: die gutverkäufliche, aber kreativ minderwertige NuMetal-Phase zum Jahrtausendwechsel. Statt dem geradlinigen Thrash der ersten beiden und dem progressiven Thrash der zurückliegenden vier Alben gibt’s jetzt wieder gitarrenlastige Popsongs zum Mithüpfen. Und Singalong-Punkrock. Und Powerballaden. Damit keiner sagen kann, es gäbe nichts Neues im Universum der Kalifornier. Wenn das „Catharsis“ ist, hätte man da gern drauf verzichtet. Gut ist immerhin die limitierte Live-DVD als Bonus: Die zeigt, wofür man die Band liebt.

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Cavalera Conspiracy – Psychosis – Napalm Records 2017

Von Matthias Bosenick (31.01.2018)

Sieht so aus, klingt aber nicht so: Vom Tribal-Metal der alten „Roots”-Zeiten mit Sepultura, an denen beide Cavalera-Brüder Max und Igor vor 21 Jahren so erfolgreich beteiligt waren, ist auf dem vierten gemeinsamen Album der Conspiracy nichts zu hören. Aber auch vom eingängigen Thrash nicht: Sperrig ist wohl das Wort, das „Psychosis“ noch am besten trifft; Eingängigkeit stand auf der Agenda nicht so weit oben wie Brutalität. Dennoch klingt das Ergebnis nicht wie ein dumpfer Schlag ins Gesicht, sondern trifft eher den Bereich dahinter.

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Daniel .B. Prothèse – CHZwaar​+​zMe​+​aal/Daniel .B. Prothèse vs Edwin Vanvinckenroye – 99.9 – Alfa Matrix 2017

Von Matthias Bosenick (29.01.2018)

Faulheit ist das Letzte, das man Daniel Bressanutti unterstellen kann. Noch kurz vor Jahreswechsel legte er unter seinem Projektnamen Prothèse zwei Veröffentlichungen vor (und mit Nothing But Noise auch noch zwei bis fünf); die Unterschiede machen sich in den Kollaborationen zwar deutlich bemerkbar, Bressanuttis Handschrift indes dringt überall durch. Ist das Solo-Album „CHZwaar​+​zMe​+​aal“ noch typisch von Bressanuttis rhythmischer Eiseskälte geprägt, dringt aus „99.9“ die Wärme von Edwin Vanvinckenroyes Geige. Das ist damit auch das spannendere der beiden neuen Prothèse-Werke.

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The Mission – Bending The Arc – Live Here Now/Eyes Wide Shut Recordings 2017

Von Matthias Bosenick (25.01.2018)

Für ein kleines, ausgewähltes Publikum, das auf dem Cover sogar komplett namentlich aufgelistet ist, spielten The Mission in Quartettbesetzung live im Studio eine Best-Of aus ihrem dreißigjährigen Bestehen ein. Schon wieder Best-Of und Live von der bereits zweimal aufgelösten und wiedervereinigten Goth-Rock-Band? Ja, doch in einem anderen Sound: trocken, knackig, reduziert, nach vorn gehend und voller Spielfreude. Kann man sich zulegen, wenn man Lust auf Varianten dessen hat, was man an The Mission so mag. Davon gibt’s ja genug.

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Collapse Under The Empire – The Fallen Ones – Moment Of Collapse/Finaltunes 2017

Von Matthias Bosenick (17.01.2018)

So ganz der riesengroße Wurf wie erhofft ist „The Fallen Ones“ nicht, da waren die Erwartungen vielleicht zu enorm. Doch das ist Jammern über den Kronen: Das Album spielt mit großen Gesten und Gefühlen, was mitreißt, sofern man sich darauf einlassen kann; der instrumentale Post-Rock, für den das Duo aus Hamburg eigentlich steht, ist hier noch eine Spur elektronischer ausgefallen als zuvor. Es gibt also eine Entwicklung auf musikalischer Ebene, auf Emotionaler ist alles wie gehabt. Diese leicht manipulative Stimmung ist nichts für alle Tage, für ausgewählte aber ist es schön.

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Dan Scary – Dunkelpunk aus Unterwelt – Dan Scary 2017

Von Matthias Bosenick (03.01.2018)

Als sein Debüt gilt Dan Scarys „Dunkelpunk aus Unterwelt“, nach drei „Als ich aufhörte zu schweigen“-CDrs und einigen EPs als Downloads. Auf den größtenteils neuen elf Stücken verfeinert der Wolfsburger Sologruftpunk seinen eingeschlagenen Stil: Von dunklen Goth-Synth-Bands beeinflusster Gesellschaftskritikpunk mit linker Haltung. Musikalisch also aus der Zeit gefallen, inhaltlich indes äußerst nah am Geschehen. Und: Keine Fröhlichkeit bedeutet nicht, dass hier das Gejammer dominiert; mitnichten, es geht zur Sache, aber mit geballter Faust und Wut nicht nur im Bauch. Und Ohrwürmern.

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